Energiekrise: Samtgemeinde Sottrum will hier und da einsparen, muss es aber nicht

Weniger abhängig

Sottrums Samtgemeindebürgermeister Holger Bahrenburg macht schon mal das, was ab diesem Herbst für alle ansteht: Er dreht die Heizung runter. Foto: Warnecke
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VON LARS WARNECKE

Sottrum – Holger Bahrenburg sitzt im oberen Stockwerk des Sottrumer Rathauses hinter seinem Büroschreibtisch. Es ist ein warmer Spätsommertag, die Fenster lässt der Samtgemeindebürgermeister auf Kipp stehen, die Heizung bleibt aus. Noch, denn der nächste Herbst/Winter kommt bestimmt – und damit auch die Dringlichkeit, zu heizen. Denn wer möchte schon gerne den ganzen Tag lang am Arbeitsplatz frieren?

Sicher ist: Ganz so warm wie gewohnt werden es auch die Mitarbeiter im Sottrumer Rathaus nicht haben – seit Anfang des Monats gelten deutschlandweit striktere Vorgaben zum Energiesparen. Mit denen will der Bund den Verbrauch von Strom und Heizwärme senken, auch in öffentlichen Gebäuden, wo beispielsweise nur noch bis höchstens 19 Grad geheizt werden darf. Was Bahrenburg freut: „Wir im Rathaus haben hier den Luxus, dass wir nicht über die normale Gasleitung angeschlossen sind, sondern Biogaswärme beziehen.“ Von daher sei man vom russischen Gas nicht in der Form abhängig, wie es in vielen anderen Kommunen der Fall sei. Der Druck, sagt er, sei beim Thema Energieeinsparung daher nicht ganz so groß. Aber: „Um uns solidarisch zu zeigen, wollen natürlich auch wir einsparen, wo wir es können“, betont der 47-Jährige. Energie bliebe eben Energie. Und so fließt auch aus den Wasserhähnen im Rathaus inzwischen kein warmes Wasser mehr. Sämtliche Durchlauferhitzer sind abgeklemmt. „Man kann sich schließlich auch kalt die Hände waschen“, findet Bahrenburg.

Auch weitere öffentliche Liegenschaften, die Grundschule am Eichkamp etwa, die Sottrumer Oberschule und die Großturnhalle, sind an das autarke Netz angeschlossen. In Letzterer, verrät der Verwaltungschef, sollen die Duschen während der kalten Jahreszeit übrigens zur Weiternutzung geöffnet bleiben – und dies aus plausiblem Grund: „Jeder, der dort duscht, duscht nicht bei sich zu Hause, verbraucht entsprechend kein eigenes Gas.“ Dadurch spare die Samtgemeinde ebenfalls einen gewissen Teil ein – wenn auch nur indirekt. Und: Sie kommt den Bürgern selbst entlastend entgegen – wenn auch nur zu Teilen.

Und wie schaut es mit den anderen Liegenschaften aus – mit den Grundschulen, den Kitas und den Feuerwehrhäusern? „Dort gehen wir natürlich runter“, sagt Holger Bahrenburg. An die Ortsbrandmeister sei auch schon herangetragen worden, dass diese darauf zu achten hätten, die Aufenthaltsräume in den Gerätehäusern auch nicht unnötig zu heizen, solange diese tagsüber und in der Woche nicht genutzt werden. „Es gibt klare Vorgaben, die haben wir kommuniziert.“ Natürlich könne und wolle er nun aber nicht jedes Gebäude auf Einhaltung der Spielregeln kontrollieren. „Ich glaube, jeder Gebäudenutzer ist jetzt sensibel genug, darauf zu achten.“ Natürlich werde man den Energieverbrauch aber schon im Auge behalten.

Sicher ist: In der Samtgemeinde wird es abends nicht mehr ganz so hell erstrahlen, wie man es sonst gewohnt war. Jedenfalls überall dort nicht, wo eine Beleuchtung repräsentativen Zwecken dient. Neben dem Rathaus betrifft das etwa das Heimathaus oder den Glockenturm in Stuckenbostel. „Dort haben wir den Strom schon abgeklemmt – dort braucht die Beleuchtung ehrlich gesagt auch kein Mensch“, betont der Bürgermeister. Anders sieht es etwa beim Sporthaus an der Alten Dorfstraße oder an der Grundschule am Eichkamp aus, wo man aus sicherheitsrelevanten Gründen die Lichter anlässt.

Was aktuell in der Verwaltung diskutiert wird, Bahrenburg im Rat der Gemeinde Sottrum aber nochmal beschließen lassen möchte: Auf die Straßenweihnachtsbeleuchtung soll in diesem Jahr gänzlich verzichtet werden. Immerhin: Einen Weihnachtsbaum in der Ortsmitte, geschmückt mit einer LED-Lichterkette, möchte der Rathauschef noch aufgestellt wissen. „Dazu werde ich mich dann noch mit dem Gewerbeverein abstimmen.“ An drei Bäume, wie es sonst immer Usus war, sei in der Adventszeit 2022 indes nicht zu denken. „Das muss auch nicht sein“, findet er.

Solche Maßnahmen zählen zu den ersten Schritten, die die Samtgemeinde machen kann. Ob er hofft, dass die Gasversorgung einigermaßen sichergestellt bleibt oder doch eher befürchtet, dass Putin den Hahn auch weiter komplett zudrehen könnte? „Wir hoffen natürlich Ersteres, denn andernfalls bestünde die Konsequenz ja darin, dass wir gewisse Einrichtungen schließen, Personal ins Homeoffice schicken und gucken müssten, wo man einen Notbetrieb noch aufrecht erhalten kann.“ Solche Szenarien habe die Samtgemeinde durchaus auf dem Schirm, „ich selbst habe aber die Hoffnung, dass sie nicht eintreten und wieder bessere Zeiten kommen werden.“

Und inwieweit übt der Samtgemeindebürgermeister sich schon privat in Verzicht? Einschränkungen beim Duschen müsse er nicht vornehmen, sagt er, „das dauert bei mir eh nicht länger als zwei Minuten.“ Daheim sei er gerade dabei, sich möglichst autark aufzustellen, indem er Fotovoltaik aufs Dach bringe und die alte Erdgastherme gegen eine Luftwärmepumpe austausche. Auch ein E-Auto als Hybrid nennt Bahrenburg sein Eigen, das ihm zufolge schon einen Nutzen gebracht habe („Das kann ich auch zu Hause einspeisen). Und: „Stand-by-Geräte im Haushalt, die nicht auf Stand by laufen müssen, werden bei uns abgeschaltet.“

Was er derweil sicherlich schmerzlich vermissen wird: die Halloween- und Weihnachtsbeleuchtung auf dem eigenen Grundstück in Horstedt. „Die fällt bei uns komplett weg.“

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