Drei Mokick-Fans setzen alte Wette um und reisen mit Funbikes nach München - Von Antje Holsten-Körner

Im Affenzahn in den Süden

Jens Böhnke (von links), Volker Weiß und Mirko Scharlock auf den Mokicks, mit denen sie nach München gefahren sind.
 ©Antje Holsten-Körner

Bötersen. Starke Männer auf heißen Öfen. Allerdings in leicht abgewandelter Form: Statt der üblichen 150 oder mehr Pferdestärken sind Volker Weiß, Jens Böhnke und Mirko Scharlock dieses Mal mit Miniaturausführungen unterwegs. Kenner wissen sofort, dass es sich dabei um die Honda Monkeys – in der Ursprungsversion aus den 1970er-Jahren mit 1,7 PS und 49 Kubikzentimetern – handelt, die inzwischen über Kultstatus verfügen. Mit diesen Maschinen, bei denen sich die Sitzbank nur rund 60 Zentimeter über der Straße befindet, wagte das Trio jetzt einen Trip in das knapp 1.000 Kilometer entfernte München.

Der Grund liegt ein Vierteljahrhundert zurück. „Jens und ich sind mit unseren Maschinen, einer Yamaha und einer Honda, auf einem Privatgrundstück zum Spaß 400-Meter-Rennen gefahren“, erinnert sich Volker Weiß, damals noch in Unterstedt zu Hause, wo er noch immer seine Werkstatt hat. Als sich einige Jahre später Jens Böhnke eine Honda Monkey zulegte, sollte es erneut ein Rennen geben, denn Weiß besaß bereits ein solches Mokick. Die Zeit verging, der Vergleich der Monkeys geriet aber für viele Jahre in Vergessenheit. Doch bei einem Restaurant-Besuch mit Mirko Scharlock, seit einem Jahr ebenfalls stolzer Besitzer einer Monkey Z50, kam das Thema wieder auf. „Jens war auch dort und fing wieder mit dem Vergleichsrennen an“, erzählt Weiß, inzwischen 51 Jahre alt, schmunzelnd. Dieses Mal sollten aber Nägel mit Köpfen gemacht werden. Und es sollte nicht nur ein kurzes Rennen sein, sondern gleich eine Tour in die bayrische Landeshauptstadt. Dass dies die drei stattlichen Männer, die mit Ausrüstung jeder mehr als 100 Kilogramm auf die Waage bringen, auf den kleinen Motorrädern schaffen, glaubte ihr Kumpel Dieter Seelig damals nicht. „Ich habe um einen Kasten Bier gewettet, dass sie unterwegs aufgeben“, so der 56-Jährige.
„Den ersten Gedanken, im Oktober nach München zu fahren, konnten wir nicht umsetzen“, sagt Jens Böhnke. Daher wurde Ostern oder Pfingsten anvisiert. „Wir haben uns kurzfristig für Pfingsten entschieden, denn durch Corona konnten wir nicht lange im Voraus planen“, so Scharlock. Auch ohne viel Vorbereitungszeit klappte alles mit den Urlaubsanträgen und den erforderlichen Hotelbuchungen. So reservierte sich das Trio in Rotenburg an der Fulda, Creglingen (Raum Würzburg) und Ingolstadt Zimmer.
Mit Sonnenaufgang starteten Weiß und Böhnke in Bötersen, Scharlock schloss sich im Fährhof an. Regelmäßige Stopps waren nicht nur zum Füllen der kleinen Tanks einkalkuliert worden: „Man muss zwischendurch immer wieder den Rücken gerade machen und einige Schritte gehen“, erklärt Böhnke. Eine Zwangspause gab es nach rund 200 Kilometern in Lauenförde, denn der Hinterreifen seiner Monkey hielt keine Luft mehr. Ein Glück, dass die dortige Tankstelle einen Ersatzschlauch, der sonst bei einem Heuwender zum Einsatz kommt, zum Verkauf liegen hatte. „Wir sind die ganze Tour ohne Schraubenschlüssel ausgekommen“, freut sich Scharlock. Da zahlte sich aus, dass das Werkzeug in den Monaten zuvor kaum aus der Hand gelegt worden war, um die kleinen Maschinen fit zu machen.
„Wir alle schrauben schon seit unserer Schulzeit“, verrät Scharlock. Während seine Z50 besonders in den Bergen reichlich zu kämpfen hatte, konnte Volker Weiß etwas entspannter fahren. „Ich war mit meiner Skyteam unterwegs, die eine andere Übersetzung hat“, so der hauptberufliche Autokrahn-Fahrer. Bevor sie nach 15 Stunden das erste Etappenziel erreichten, gab es noch einen Kontakt mit der Polizei. „Wir hielten an, um eine Tankstelle zu suchen. Da kamen Polizisten und fragten sehr nett, ob sie helfen können“, berichtet Scharlock. Nach kurzer Erklärung gab es von den Polizeibeamten gute Wünsche und „Daumen hoch“ für die Weiterfahrt. Die zweite Etappe ließen sie etwas ruhiger angehen und starteten erst um neun Uhr. Wie schon am Vortag wurde vieles mit dem Foto-Handy festgehalten und im Status bei Whatsapp eingestellt. „So konnten wir alles verfolgen“, sagt Dieter Seeling. Nach einem Brauereibesuch am Abend, startete die dritte Etappe. „Unser letzter Stopp vor München stand in Oberschleißheim an. Dort wartete mein Neffe auf uns“, erzählt Weiß. Das Treffen hatte einen guten Grund, denn es sollte ja noch das Rennen zwischen ihm und Jens Böhnke ausgetragen werden. Nach dem Startschuss ging es für die Beiden mit Vollgas in Richtung Stadtgrenze. „Mit anderthalb Längen gewann ich“, strahlte Weiß und fügt hinzu: „Aber nur, weil wir im flachen Gelände gefahren sind. Wäre es hügelig gewesen, hätte es anders ausgesehen.“ Obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits 943 Kilometer hinter ihnen lagen, ging es für sie weiter nach Ingolstadt, wo nicht nur das Hotelzimmer wartete, sondern auch ein vorgebuchter Mietwagen, in dem auch die kleinen Motorräder für die Rückfahrt Platz fanden. „Ich habe die Wette gerne verloren“, bemerkt Seelig. Zusätzlich zu dem von ihm spendierten Kasten Bier wird es noch einen Abend „Ouzo satt“ geben. „Der wurde uns im Restaurant versprochen, wenn wir nach der Tour mit den Motorrädern in die Gaststätte fahren“, bemerkt Mirko Scharlock. Für die Drei soll es nicht die einzige Mammut-Tour mit den Monkeys bleiben, denn für das kommende Jahr sind Prag und der Bodensee im Gespräch. Und eine Revanche, kündigt Böhnke an: „Ich fahre doch nicht 1.000 Kilometer, um zu verlieren.“

03.07.2020

Kettensäge und Kreativität

24.04.2020

Frühlingsbilder

08.03.2020

Sportabzeichen Übergabe Sottrum

24.02.2020

Bassen Helau