Dienstleister kündigt Thomas Preuß den Vertrag zu Ende September - Von Nina Baucke

Post wieder vor dem Aus

Thomas Preuß in der Postfiliale: "Das ist unmoralisch."
 ©Nina Baucke

Bothel. Kaum hat Thomas Preuß nach der Mittagspause die Tür geöffnet, geht es los: Eine Frau möchte an ihr Postfach, der nächste Kunde gibt ein Päckchen auf. An sechs Tagen in der Woche hat der Unternehmer sein Geschäft „Die Futterei“ in Bothel geöffnet – und damit auch die Postfiliale, die ihren Platz in der hinteren Hälfte des Geschäftsraumes hat. Aber damit wird es in Kürze vorbei sein, denn der gelbe Riese hat den Vertrag mit Preuß zum 30. September gekündigt.

„Und das, weil ich keinen neuen Vertrag unterzeichnen wollte“, sagt Preuß. Erst im Juni vergangenen Jahres hatten er und seine Familie das Geschäft eröffnet. Bei der Planung war von der Post noch keine Rede gewesen. Der Dienstleister wiederum war in den Jahren bereits mehrmals innerhalb Bothels umgezogen, bis er dann auf die geplante Eröffnung von Preuß aufmerksam wurde und ihn ansprach.

„Die vorherigen Betreiber haben mich gewarnt“, erinnert sich der Botheler. „‚Lass die Finger davon, das ist kein Partner auf Augenhöhe, keiner, der dich unterstützt.‘“ Er war zwei Jahre zuvor erst von Hamburg nach Bothel gezogen und angetan davon, dort auf dem Land autark leben zu können: „Es gibt Geschäfte, Ärzte, Schulen, ein Freibad, Werkstätten, sogar eine Kfz-Stelle und halt eine Post. Das machte den Ort für uns so interessant“, sagt Preuß. Und die Post suchte eben händeringend einen Betreiber. Preuß sagte ja. „Was folgen würde, wusste ja keiner.“

Das Unternehmen legte ihm noch einen Alt-Vertrag vor, den Preuß überprüfen ließ. Er gestaltete sein Geschäft um, baute einen Wanddurchbruch ein, um den Post-Bereich freundlicher zu gestalten, und ließ sich in einem einwöchigen Intensivseminar in das Kassentechnik einarbeiten. Zum Start der „Futterei“ war also auch die Post schon „im Dienst“.

Dann stand kurz vor Weihnachten an einem Abend kurz vor Ladenschluss ein Postmitarbeiter vor ihm. „Er sagte, er wolle mir zu mehr Geld verhelfen“, berichtet Preuß. Anlass war allerdings der neue Vertrag, den Preuß als Post-Partner nun abschließen sollte. Als Anreiz diente, dass der Kontrakt nun keine Miete für die Möbel mehr forderte, die Preuß noch zuvor hatte zahlen müssen. „Wo ist der Pferdefuß?“, fragte sich der Botheler. Das zeigt sich: Demnach muss er Postkunden vorrangig bedienen, das Unternehmen darf seine Vergütung frei ändern. „Das ist unmoralisch“, schimpft Preuß.

„Der Betrieb muss so organisiert sein, dass die Postfiliale und das eigentliche Geschäft gleichrangig sind“, sagt dagegen Post-Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt. „Es kommt auf das eigene Engagement an.“ Im Endeffekt hätte Preuß mit dem neuen Vertrag Vorteile gehabt, „das hat er aber nicht so gesehen“, bemerkt Hogardt.

Schon jetzt verdient Preuß nach eigenen Angaben nicht viel an der Postfiliale. „Die ist für mich ein Marketingeffekt. Und der wäre mit dem neuen Vertrag über den Haufen geworfen“, so Preuß. Dazu kommt, dass die Post mit Flyern in Bothel für Briefmarken auf Bestellung und damit „ohne Wartezeiten in der Filiale“ wirbt – als Dank für das Vertrauen gibt es einen Wecker in Holzklotz-Optik dazu. „Die Post trägt dazu bei, dass die Filiale nicht aufgesucht werden muss“, ist Preuß empört.

Jeder dritte Filialbetreiber mache das so nicht mehr mit, sagt er. „Das wird für die Post zum Problem, denn die Bundesnetzagentur schreibt eine flächendeckende Versorgung vor.“ 99 Prozent aller Betreiber hätten den neuen Vertrag akzeptiert, sagt dagegen Hogardt. „Wenn Herr Preuß das nicht tut, kann er nicht mehr mitmachen.“ Für Bothel werde es aber auf jeden Fall eine neue Lösung geben, so der Pressesprecher – auch wenn die bisher wohl noch nicht in Sicht ist.

Preuß wiederum würde eigentlich nach wie vor gerne die Postfiliale behalten, „aber zu den alten Bedingungen“, macht er deutlich. „Wir lassen uns nicht erpressen.“

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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