Diamantene Hochzeit: Ehepaar Lindes feiert 60 Jahre Ehe

Werkeln und Wort halten

Martha und Hermann Lindes blicken gern auf die gemeinsamen Ehejahre zurück u2013 und davon gibt es reichlich, denn sie sind schon 60 Jahre verheiratet.
 ©Rosemarie Swingle

Horstedt. Am Anfang führten Martha und Hermann Lindes so etwas wie eine Wochenendbeziehung: Vier Jahre sahen sie sich nur wenige Tage im Monat. Und dann heirateten sie. Das war 1959. Nun feiern die beiden 81-Jährigen Diamantene Hochzeit.

Wie die beiden Eheleute einander kennenlernten, ist typisch für diese Zeit: Tanzmusik nahm dabei eine große Rolle ein. Die spielte die Blaskapelle vor Jahren noch zu jedem Ostersonntag. Martha war zu einer dieser Feiern mit zwei Freundinnen zum Tanzen da, wurde aber im Laufe des Festes von ihnen getrennt – indem sie von einem jungen Mann zu einem Drink in die Sektbar eingeladen wurde. Sie verstanden sich auf Anhieb. „Er hat mich danach mit dem Fahrrad den ganzen Weg bis nach Taaken gefahren“, sagt Martha und lacht beim Nacherzählen dieser Erinnerung ein wenig wie das junge Mädchen, dem sie damals gerade entwachsen war. Wenige Jahre später folgte das Eheversprechen, das bis heute hält.

Drei Kinder erweitern während dieser 60 Jahre den Stammbaum: 1959 kam Sohn Fredi zur Welt. Er wurde 56 Jahre alt und starb vor zwei Jahren an Krebs. Marita kam 1960 nach und arbeitet bei der Sparkasse in Horstedt. Ihr drittes Kind Regina ist 1962 am dritten Hochzeitstag geboren, sie arbeitet als Steuerberaterin in Bremen. Mit Jaqueline (30) und Christian (29) kommen zwei Enkelkinder dazu.

Auf die Frage nach dem Geheimnis, wie sich eine Ehe so erfolgreich pflegen lässt, folgt Überraschung. Martha lacht und fragt: „Hermann, wir sind immer noch zusammen, wie haben wir das gemacht?“ Darauf gibt es aus seiner Sicht eine ganz einfache Antwort: „Wenn ich etwas verspreche, dann halte ich mich daran.“ Trennung stand nie zur Debatte. Mit der Beziehungsarbeit war es ein wenig wie beim gemeinsamen Hausbau: „Wir haben immer gebaut, das Alte abgerissen, neues aufgebaut“, so Hermann.

Den ehemaligen Stuckenborsteler zog es im Laufe seines Lebens ins nahe Ottersberg. 20 Jahre arbeitete er als Maler und Tapezierer, schulte um und verdiente fortan als Versicherungsvertreter Geld – ein Richtungswechsel im Berufsleben, den er so kommentiert: „Wenn ich etwas will, dann arbeite ich so lange, bis es was wird“. Die Arbeit mit den Kunden habe ihm gefallen und er ging immer gewissenhaft vor. Ehrlichkeit ging dem Vertreter vor Profit.

Sich auch mal die Hände schmutzig zu machen, das kennt Hermann bereits von der Arbeit auf dem Feld. Vom Pflügen, das er bereits als kleiner Junge lernte. Doch heute darf er nicht mehr so viel arbeiten, der Arzt verbietet es. Besuche beim Doktor „sind jetzt unsere Arbeit“, sagt Martha halb scherzhaft. Dabei hat das einen ernsten Hintergrund: Beide sind immer noch erleichtert, dass er den kürzlich erlittenen Herzinfarkt und seine Folgen überwunden hat. Als er aus dem Koma erwachte, war das erste, wonach er fragte, seine Frau.

Martha kommt ursprünglich aus Horstedt und besuchte eine Haushaltsschule in Adelheide. Nach der Schule kam sie zurück zu dem landwirtschaftlichen Gut ihrer Eltern. Das große Grundstück mit Strohdachhaus wurde ihr von der Mutter geschenkt und die zu diesem Zeitpunkt jungen Eheleute nahmen sich der Umgestaltung und Pflege an. „Das ist Wahnsinn, was wir gemacht haben“, sagen sie über den Umfang der Arbeiten. Das Strohdachhaus haben sie abgerissen, denn das Paar hatte nicht genug Geld, um es instand zu halten. Martha bekam eine Stellung als Haushaltshilfe in einem Krankenhaus und später bei einem Arzt in Rotenburg, gleichzeitig half sie ihrem Mann beim Malen und Tapezieren und gemeinsam verwandelten sie das in die Jahre gekommene Anwesen in ein wohnliches, schönes Haus. Vielleicht lag es ja an der langen, gemeinsamen Zusammenarbeit, an den vielen Projekten: „Deswegen sind wir nicht auseinander! Es wurde immer schöner hier!“, wirft Martha ein. „Es geht uns jetzt gut, weil wir damals immer gewühlt haben“, fügt Hermann hinzu.

Einen Tipp halten die erfahrenen Eheleute für jüngere Verheiratete bereit: Sie raten dazu, guten Zusammenhalt wertzuschätzen und sich an das gemeinsam gegebene Versprechen zu halten.

Am morgigen Donnerstag, 14. März, ist offizieller Hochzeitstag. Den feiert das Paar im kleinen Kreis mit Kindern und Enkelkindern zuhause. Vielleicht lassen Martha und Hermann Lindes dann die Arbeit auch mal für kurze Zeit ruhen.

12.04.2019

Geflügelmarkt Fintel

09.04.2019

Scheherazades Rache

05.04.2019

Zirkus in Brockel

05.04.2019

30 Jahre Kanal 11