Christian Wietfeldt wird Pastor – auf dem Ausbildungsweg - VON NINA BAUCKE

Neustart im Talar

Christian Wietfeldt absolviert zur Zeit seine Ausbildung zum Pastor in der Kirchengemeinde Horstedt.
 ©Baucke

Horstedt – Vor einer Gemeinde zu stehen und zu predigen – das ist nichts Neues für Christian Wietfeldt. Der 52-Jährige ist seit einem Vierteljahrhundert Diakon und zudem Prädikant, also Prediger. Und dennoch wird es doch in einigen Monaten etwas anders sein, wenn er eine Predigt hält, denn das macht er dann nicht als Diakon, sondern als Pastor. Denn Wietfeldt peilt seit einigen Monaten aktuell das höchste Amt einer Kirchengemeinde an – allerdings auf anderem Wege, als normalerweise üblich.

„Ausbildung zum Pfarrverwalter“ heißt diese Möglichkeit zum Quereinstieg ins Pastorenamt, ist eine einjährige Ausbildung und eine Möglichkeit, die die Landeskirche bereits seit einigen Jahren sogenannten „Spätberufenen“ gibt. Wietfeldt ist einer von ihnen.

Denn die Zukunftsfrage beschäftigt ihn schon länger: „Für älter werdende Diakone ist es nicht immer einfach, da der Altersabstand zu Kindern und Jugendlichen, mit denen ich hauptsächlich arbeite, immer größer wird“, ist die Erfahrung von Wietfeldt. „Da kommt die Frage nach dem, was ich mit 60 Jahren machen will, schon mal auf. Außerdem: Ich habe so lange Kindergottesdienst gemacht, da muss es jetzt mal was anderes sein.“ Viele seiner Kollegen fangen mit fortgeschrittenem Alter an, in Beratungsstellen zu arbeiten, Wietfeldt dagegen hilft das Angebot der Landeskirche an ihn, sich zum Pfarrverwalter ausbilden zu lassen, auf die Sprünge.

Die Voraussetzungen bringt er mit, unter anderem ein Beruf aus dem Kirchenbereich, dazu ist Wietfeldt zwar kein Theologe, hat allerdings für seinen Werdegang als Diakon bereits Religionspädagogik studiert. „Ich bringe halt schon einiges an Erfahrung mit“, sagt er. Als Diakon hatte er anfangs in Bremen gearbeitet, vor 17 Jahren ist er dann an den Verdener Dom gewechselt. Für seine Ausbildung zum Pfarrverwalter dann ist er im vergangenen Jahr nach Horstedt gezogen und begleitet dort Pastorin Haike Gleede bei ihren Aufgaben und findet sich unter ihrer Anleitung in die verschiedenen Aspekte des Pfarramtes ein. „Das ist wie ein Vikariat im Schnelldurchlauf“, so Wietfeldt.

In dieser Zeit holt er die Inhalte nach, die er nicht bereits als Diakon gelernt hat – zur Hälfte in der Praxis, zur Hälfte in der Theorie. Letztere in Form einer fünfköpfigen Studiengruppe, die sich einmal wöchentlich online trifft sowie in Abständen im Kloster Loccum, im Seminar der evangelischen Landeskirche. „Aber wir haben uns in unseren Kirchengemeinden schon mehrmals besucht“, erzählt Wietfeldt.

Bei den Online-Treffen wiederum geht es zum einen um Seelsorge, aber auch um das Thema Verwaltung. „Schließlich will ich ja Verantwortung übernehmen, und dazu gehören auch das Personal und die Finanzen einer Gemeinde.“ Grundsätzlich steht außer der theologischen Grundpfeiler für das Pastorenamt allerdings eher wenig wissenschaftliche Theologie, sondern mehrheitlich die berufliche Praxis auf dem Plan. Dazu gehören dann aber auch schriftliche Ausarbeitungen – „und natürlich viel Lesen“, betont Wietfeldt.

Was den Praxisteil der Ausbildung angeht, begleitet er seine Mentorin Haike Gleede bei Trauer-, Tauf- oder Traugesprächen und Kirchenvorstandssitzungen. Gerade Bestattungen sind da eine besondere Herausforderung, „denn so etwas habe ich ja noch nie gemacht, und gerade da braucht es eine gewisse Routine, da reichen zwei Male nicht aus“, ist er überzeugt. „Aber ich habe gemerkt, dass gerade Seelsorge eine Stärke von mir ist.“ Darüber hinaus übernimmt er regelmäßig Gottesdienste in der Johannes-der-Täufer-Kirche. „Ansonsten heißt es: Einfach machen“, bemerkt er mit einem Schmunzeln.

Vonseiten der Landeskirche ist die Öffnung für Quereinsteiger ein pragmatischer Schritt, auch Menschen wie Wietfeldt den Weg ins Pfarramt zu ermöglichen, denn der Pastorenmangel – von dem vor zehn, 20 Jahren noch keine Rede sein konnte – nimmt zu. Von daher macht er sich keine Sorgen, wie es nach dem Ende der Ausbildung für ihn weitergeht. „Das ist schließlich mein Ziel, eine eigene Gemeinde zu übernehmen“, erklärt Wietfeldt. Wo diese sein wird und welche es ist, ist noch unklar, die Entscheidung soll im Laufe des Januars fallen. „Aber grundsätzlich in dieser Region wäre schön“, so der „Pastor in Ausbildung. „Aber immer dieses Einfühlen in neue Strukturen, die zwar überall gleich, aber dann auch irgendwie überall anders sind und dann sich immer wieder auf andere Situationen und Menschen einzustellen, das macht für mich den großen Reiz dieses Berufes aus.“ Mehr als die Hälfte der Zeit seiner Ausbildung hat er mittlerweile hinter sich und ist sich nach wie vor sicher: „Dieser Weg ist das Richtige für mich.“ Obwohl, und da ist er sich sicher: Anders wird es sich für ihn vor einer Gemeinde nicht anfühlen – ob als Prädikant oder Pastor.

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