Bundesentscheid und alle packen an: Gemeinde Bötersen überzeugt Kommission von „Unser Dorf hat Zukunft“

„Sechser mit Zusatzzahl“

Für die Zukunft braucht es auch fleißige Insekten: Jörg Müller (links) stellte das Projekt "Wir tun was für die Bienen" gemeinsam mit den Grundschulkindern vor.
 ©Rosemarie Swingle

Bötersen. Die große Scheune des Gasthauses Hoops ist voller Menschen aller Altersgruppen. Gefühlt ist die ganze Gemeinde versammelt, die Stimmung ist gut, beinahe euphorisch: Von Frohsinn und Stolz geprägte Gesichter bestimmen das Bild. Für die Kleinen beginnt der Sturm aufs Pizza-Büfett. Bötersen, Höperhöfen und Jeerhof haben allen Grund zu feiern, offensichtlich hat der gezeigte Einsatz beim letzten Kommissionsbesuch im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ Eindruck gemacht.

„Lob und Anerkennung für die Leistung, es war spitzenmäßig!“, ruft Bürgermeister Hermann Holsten begeistert der Menge entgegen. Nun sei Warten angesagt – guten Mutes. Anlass dazu gibt unter anderem ein Kommentar von Elmar Henke, Vorsitzender der Kommission. Zum Abschied hatte er gesagt: „Wer hier leben darf, hat einen Sechser im Lotto. Mit Zusatzzahl“ – eine leichte Abwandlung des Böterser Mottos, die es aber in sich hat.

Orga-Team, Arbeitsgruppen und viele Ehrenamtliche haben fünf Jahre lang vor allem auf diesen Tag, den finalen Besuch der Kommission für den Bundesentscheid, hingearbeitet. Sich gut zu präsentieren bedeutet vielleicht, etwas dicker auftragen zu müssen – und so befinden sich die Menschen nicht ganz zufällig an der Straßenecke und halten Klönschnack, am Gartenzaun oder spielen Frisbee mit dem Hund gerade, als der Bus mit der Jury vorbeifährt.

„Ein bisschen Adrenalin muss fließen“, scherzt einer der Anwohner, die sich um 9 Uhr früh im Bürgerpark versammeln, um das Eintreffen des Busses mit der Bewertungskommission mit freudiger Erregung abzuwarten. Die Gäste wurden vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft entsandt, die Gruppe besteht aus 20 Mitgliedern, die vier Fachbereichen untergeordnet sind. Die Kommission ist seit dem 18. Juni in Deutschland unterwegs und bereist die 30 Landessieger, welche sich 2018 für den Bundesentscheid qualifiziert hatten. Die Bewertungskriterien für die Dörfer sind Entwicklungsprozesse und wirtschaftliche Initiativen, soziales Engagement und kulturelle Aktivitäten, Baugestaltung und Siedlungsentwicklung sowie Grüngestaltung und das Dorf in der Landschaft.

Cord Trefke, Sprecher des örtlichen Planungsteams zum Wettbewerb, verliert noch ein paar Worte zur Generalprobe und zu kurzfristigen Änderungen im Programm, da rollt bereits der lang erwartete Bus in Bötersen ein. Susanne Cordes, ebenfalls Team-Mitglied, und Trefke sind daraufhin erst mal mit Händeschütteln beschäftigt. „Wir sprechen Hochdeutsch, aber manchmal auch Platt“, sagt der Böterser – freilich in niederdeutschem Dialekt. Untermalt wird die Begrüßung von einer Art Episodengedicht, vorgetragen von Ute Höfer-Horn: Immer wieder gibt sie während der Bereisung ein paar Worte zum Besten.

Vom Kunstwerk „Zusammenhalt“ schlendert die Gruppe auf Einladung Trefkes los. Den Zeitdruck, alles muss innerhalb von rund drei Stunden über die Bühne gehen, lässt sich niemand anmerken. Am Baugebiet vorbei geht es auf den Schulweg, wo sich der Mittagstisch vorstellt – passenderweise mit einem ins Feld gestellten Tisch. Die Teilnehmer essen nicht bei jedem Wetter dort, gibt es gleich als Entwarnung, grundsätzlich seien übrigens alle Interessierten willkommen.

Auf dem Weg lässt sich beobachten, wie die Landjugend die Gemeinde seit Jahren im Rahmen der 72-Stunden-Aktionen prägt, die Besucher bestaunen ein Bienenhotel und einen naturkundlichen Wanderweg. Auf dem Volleyballfeld vor der Grundschule spielen die Jugendlichen Beachvolleyball.

Nebenan stellt Jörg Müller die Aktion „Wir tun was für die Bienen“ gemeinsam mit den Grundschulkindern vor. Auf dem Pausenhof erklärt Feuerwehrmann Volkhard Thron außerdem, wie erfolgreich die Brandschützer mit ihrer AG Unterrichtszeit gestalten. Auch Plattdeutsch können die Kinder lernen, was selbige gleich mit einem entsprechenden Ständchen unter Beweis stellen. Darüber hinaus ist auch gesunde Ernährung ein großes Thema, wie Inga Hoops bei ihrem Vortrag über die Aktion Gesunde Pause, wo frisches Obst für bessere Ernährung sorgt, hervorhebt.

Nach kurzer Fahrt mit dem Bus wird es beim ersten Stopp historisch: Klaus Klencke betritt bei Thölkes Hus im Napoleon-Kostüm den Bus und erklärt einiges zur Geschichte des Bauwerks zur Franzosenzeit und auch über die heutige Nutzung als Veranstaltungsort und Airbnb-Unterkunft. Beim Höperhus, wo das Dorf seine Erntefeste feiert, sehen die Besucher den Bauwagen der Landjugend, der im Rahmen der jüngsten 72-Stunden-Aktion zum rollenden Vereinsheim wurde.

Der nächste Stopp, an dem alle den Bus verlassen, ist das Regenrückhaltebecken, welches auch als Biotop und Erholungsort genutzt wird. Nun kommen Schleckermäuler auf ihre Kosten, denn zur Begehung gibt es Erdbeeren und erfrischendes Getränk. Nebenbei ist ein Vortrag über die Hügelgräber und Geocaching zu hören.

Grün wird es noch mal am Saisongarten: Dort steigt Betreiber Hermann Christian Solte zu und berichtet von dem Projekt, aus einem Stück Acker einen Ort der Begegnung der Hobby-Gärtner und des Wachstums von Gemüse zu machen.

Die Busreise endet am Spritzenhaus, wo Ilse Behrens die Aktion dörfliches Grün vorstellt. Einige Reiterinnen der Voltigierschule zeigen ihr Können auf dem Bock. Vorletzter Wegpunkt ist die Rohbaustelle des bald eröffnenden Dorfladens, wo Arne Brunkhorst den Stand der Dinge wiedergibt.

Als die Jury sich auf Zürns Hof einfindet, gibt es vom dortigen Publikum Applaus für die Gäste. „Ein Traum ist unerlässlich, wenn man die Zukunft gestalten will“, zitiert Trefke den Schriftsteller Victor Hugo, als alle versammelt sind, und fügt hinzu: „Wir haben dem Wettbewerb sehr viel Positives entnommen und uns unsere Gedanken dazu gemacht. Probleme heißen bei uns Herausforderungen, die wir durch politische Teilhabe und starkem Zusammenhalt angehen.“

Der Kommissionsvorsitzende hält mit seiner Begeisterung nicht hinterm Berg, spricht lobende Worte von Herzblut und Zusammenhalt und greift dabei die Metapher des Pfluges auf, der auch Teil des Kunstwerks vom Anfang der Rundreise ist. Erneuerung und der Fruchtbarmachung des Bodens, das sei auch in den drei Orten zu beobachten. „Vielfältiges Leben, intakte dörfliche Struktur, die Welt ist in Ordnung. Großes Kompliment, herzlichen Dank, wir verneigen uns vor einer großartigen Gastfreundschaft“, so Henke.

Nach Abreise der Gäste geht der Dank des Orga-Teams an die Bürger und alle, die sich eingebracht haben. „Ich bin stolz auf uns“, sagt Trefke und fügt hinzu: „stolz auf uns und das Miteinander. Vielen lieben Dank. Ihr seid spitze!“

Ihre Bewertung will die Jury am 11. Juli bekanntgeben. Zwei Dinge stehen aber bereits jetzt fest: Bötersen wird zahlreich in Berlin vertreten sein. Und: Gewonnen hat die Gemeinde schon jetzt.

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