Bürgerbus erhofft zum Fahrdienstjubiläum Preisanpassung

Zehn Jahre und ein Euro

Die Fahrer der ersten Stunde mit Vereinschef Ulrich Thiart (rechts).
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Sottrum (r/as). Der Fahrbetrieb steht vorerst still: Die Corona-Krise zwingt auch den Bürgerbusverein in Sottrum dazu, zur Zwangsentschleunigung beizutragen. So kommt es dazu, dass der Verein einen Meilenstein eher im Hintergrund der weltweiten Geschehnisse um die Pandemie feiern muss: zehn Jahre Fahrdienst.

„Damit der Bürgerbus zum ersten Mal durch die Samtgemeinde im Liniendienst fahren konnte, hat es drei Jahre gedauert“, sagt Ulrich Thiart rückblickend. Er erinnert an den Antrag im Fachausschuss Mai 2007 und die damals angestoßene Machbarkeitsstudie zur „Verbesserung des ÖPNV“. Darauf folgten die Gründung des Bürgerbusvereins im Juni 2008, Infoveranstaltungen mit Bürgerbusvertretern aus Weyhe, Ganderkesee und Visselhövede, und die notwendigen Beschlüsse im Samtgemeinderat sowie im Kreisausschuss des Landkreises Rotenburg. Auch Förderanträge für den Bus bei der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und beim Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) waren notwendig. Am 1. April 2010 war es dann so weit: Der Start des Bürgerbusses auf den Linien 852, 853, 854 und 856 stand an.

Einige letzte Hürden hatten die Fahrer allerdings vorher noch zu nehmen: einen Erste-Hilfe-Kurs beim DRK in Rotenburg, eine Einweisung für den Fahrbetrieb bei dem damaligen Linienkonzessionär „Dierks-Reisen“ und eine Fahrerschulung mit dem Bürgerbus Kirchlinteln. Seit Überwindung der letzten Hindernisse fährt der Sottrumer Bürgerbus kreuz und quer durch alle Orte der Samtgemeinde. „Mehr als 80.000 Fahrgäste sind mitgefahren und nur viermal blieb er stehen, sei es aus technischen Gründen oder wegen Glatteis“, weiß Thiart. Inzwischen hat der Verein sein drittes Fahrzeug bestellt. Voraussichtlich soll es im Mai seinen Betrieb aufnehmen, so die optimistische Einschätzung des Vereinschefs. Der Bürgerbusverein der Samtgemeinde Sottrum erhalte viel Unterstützung durch das Land Niedersachsen, den Landkreis Rotenburg, den ZVBN, der Samtgemeinde Sottrum und den mehr als 20 Sponsoren, die mit ihrer Werbung im und am Bus dafür sorgen, dass die Ausgaben für den Betrieb des Bürgerbusses gedeckt sind. Dafür bedankt sich Thiart im Namen des Vereins. Ebenfalls von Bedeutung sei die Manpower: „Das Wichtigste für den Betrieb des Bürgerbusses sind engagierte, kommunikationsfreudige Fahrerinnen und Fahrer. Und natürlich ein Vorstand, der sich darum kümmert, dass die eingegangenen Verpflichtungen eingehalten werden.“ Aber auch der ist machtlos, wenn höhere Gewalt im Spiel ist: „Die Corona-Krise bremst uns gerade aus. Die Probleme des öffentlichen Nahverkehrs auf dem Lande für viele Bürgerinnen und Bürger, werden auch danach bestehen. Die ökologischen und ökonomischen Kriterien sollten weiterhin ein Grund für die Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs sein“, so Thiart. Besonders die älteren Bewohner seien auf den Bürgerbus angewiesen. „Es gibt auch einige, die kein Auto haben oder als Jugendliche und Kinder noch nicht fahren dürfen“, erinnert der Vorsitzende. Doch, und das muss auch er eingestehen: „Natürlich könnten die Fahrgastzahlen größer sein“. Während der „Flüchtlingskrise“ nutzten fast 1.000 Fahrgäste pro Monat den Bürgerbus. Im Moment sind es hingegen 500 bis 600 pro Monat – trotz der intensiven, vom Verein betriebenen Werbung. „Der motorisierte Individualverkehr mit dem Auto ist sicherlich bequemer, aber mit dem Bürgerbus und den anderen Bussen von Weser-Ems-Bus und dem Metronom kann man sich den Zweitwagen sparen“, ist Thiart überzeugt. Den Zahlen könnten die derzeit angestrengten Überlegungen zur Fahrpreisreduktion zu neuem Auftrieb verhelfen. Ein Antrag liege der Samtgemeinde Sottrum vor, teilt der Vereinschef mit. „Dabei orientiert sich der Bürgerbusverein Sottrum an dem Modell Oyten: Erwachsene zahlen einen Euro, Kinder 50 Cent pro Fahrt im Tarifgebiet Oyten, den Rest subventioniert die Gemeinde“, erklärt er zu dem seit Jahresbeginn gültigen Tarif. Die Auswirkungen auf die Fahrgastzahlen sind vielversprechend: Laut Pressemeldung des Vereins hätten sich diese um etwa 30 Prozent erhöht. Der Samtgemeinderat Sottrum wird demnächst darüber beraten, ob auch für sie eine Umsetzung infrage kommt. Für den Bürgerbusverein selbst steht neben dieser Sitzung noch ein weiterer Termin auf der Agenda – allerdings mit dem Vermerk: „Datum unbekannt“: die Feier des Fahrdienstjubiläums im Heimathaus.

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Andreas Schultz Andreas Schultz
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