Bürgerblumenwiese wächst / Weitere Sponsoren gesucht - Von Elke Keppler-Rosenau

Was wir säen

Sabine und Peter Erfurth schauen jeden Tag nach der Bienenweide auf der Bürgerblumenwiese und freuen sich über das Interesse anderer Naturfreunde.
 ©Elke Keppler-Rosenau

Hellwege. Peter Erfurth aus Hellwege ist zufrieden. Er hat seinen Plan vom vergangenen Jahr, eine Bürgerblumenwiese anzulegen, in die Tat umgesetzt. Die Saat ist aufgegangen und hat sich nun in ein über und über blühendes Insektenparadies verwandelt.

Wo vorher eine Maiswüste wuchs, sprießen auf einen 10.000 Quadratmeter großen Areal Kornblumen, Akelei, Kamille und gerade öffnet ein Meer von Sonnenblumen ihre goldgelben Köpfe. Sie sind nicht einfach nur schön, sie bieten Heerscharen von Insekten wie Hummeln, Wild- und Honigbienen, Wespen, Schwebfliegen und unzähligen Schmetterlingen Nahrung. Wer sich Zeit nimmt und am Feldrand auf Beobachtungskurs geht, befindet sich auf Tuchfühlung mit Tagpfauenaugen, Zitronenfaltern, Bläulingen und kann hin und wieder auch den seltenen Admiral entdecken. Die Falter, aber auch die anderen Insekten sind keineswegs scheu. Sie nehmen den beobachtenden Menschen nur am Rande wahr. Wer eine Kamera dabei hat, kann zauberhafte Naturfotos machen.

Am Rande des Feldes hat Hobby-Imker Thorsten Wilken einen Stand mit mehreren Bienenvölkern aufgestellt. Auch sie fühlen sich in Hellwege überaus wohl und sammeln fleißig Pollen und Nektar. „Es hat nicht lange gedauert, dass sich die Insekten eingefunden haben. Aber als ich die erste Hummel auf einem wilden Stiefmütterchen entdeckt habe, war das ein besonderer Moment“, sagt der gebürtige Hesse, der seit etwa 30 Jahren in Hellwege lebt. Das Projekt Bürgerblumenwiese hat er aus Liebe zur Natur und aus Sorge um das grassierende Artensterben auf den Weg gebracht.

Unterstützt von Ehefrau Sabine und von interessierten Bürgern aus dem Dorf wurde die vorherige Maismonokultur zunächst auf drei Jahre gepachtet, der Boden vorbereitet und die berühmte „Verdener Imkermischung“ im Frühjahr ausgebracht. Dieses Saatgut ist ein bunter Mix aus Pflanzen, die in der Region wachsen, wenn man sie lässt und auch gerne für Blühstreifen in der Landwirtschaft genutzt wird. Die Pflanzen sind widerstandsfähig und kommen auch mit wenig Wasser aus. Darüber hinaus blühen sie zeitversetzt, sodass für die Insekten das Nahrungsangebot lange andauert und sie vielfältige Auswahl haben.

Das Naturschutzprojekt von Peter Erfurth ist in der Öffentlichkeit natürlich nicht unbeachtet geblieben. Es gibt inzwischen nicht nur Interessierte, die sich an der Blütenvielfalt erfreuen, sondern auch Unterstützer und sogar solche, die für einen geringen Beitrag Patenschaften erworben haben. Gegen einen Beitrag zwischen 50 Cent und 1,50 Euro können Menschen eine Patenschaft erwerben, wobei die Höhe der Beteiligung nach oben offen ist. Sowohl Privatpersonen als auch Firmen sind herzlich willkommen. Info-Tafeln informieren am Feldrand über die Möglichkeiten und gerne erklärt Erfurth auch persönlich über das Projekt auf, das sich nicht auf die Aussaat der Imker-Mischung beschränkt hat: Heimische Pflanzen sind im Zuge dessen auch am Ackerrand ausgesät worden, sie sollen auch im kommenden Jahr wieder blühen.

Freundliche Helfer, darunter auch Familien mit Kindern, haben tatkräftig dabei geholfen, den Ackerrand für die Pflanzen vorzubereiten. Was fehlt, ist der Brunnen, der noch geschlagen werden muss und ein Wasserbecken mit Schwengelpumpe vorsieht, denn Insekten müssen auch trinken. „Ich hoffe sehr, dass sich diese Erweiterung mit Sponsoren – und Patenschaftsgeldern realisieren lässt“, so Erfurth. Er wirbt dafür, so viele Mitstreiter wie möglich zu finden, um den idealistischen Gedanken des Projektes zu realisieren und am Leben zu halten.

Finanzielle Vorteile habe der Hellweger davon nicht, obwohl ihm dies in der Gerüchteküche des Dorfes bereits unterstellt wurde. Ihm geht es darum, dem Artensterben etwas entgegenzusetzen und dem Gemeinwohl etwas Gutes zu tun – nach dem Motto: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. „Ich hoffe, dass ich noch mehr Mitstreiter finde, denen der Naturschutz am Herzen liegt und die das Gewinnstreben nicht vordergründig im Blick haben. Die Natur gehört uns allen und wie es ihr im Moment und der Zukunft geht, ist jetzt wichtig“, sagt Erfurth.

Weitere Informationen, auch über Patenschaften, gibt es unter www.buerger-blumen-wiese.de

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