Breezy-Art-Ensemble begeistert im Huk Hellwege - Von Wilfried Adelmann

Überraschungen inklusive

Frischer Wind mit alten Tönen: Diese Kombination zum Publikum des Huk zu transportieren, ist dem Breezy-Art-Ensemble außerordentlich gut gelungen.
 ©Wilfried Adelmann

Hellwege. „Volles Haus“ im Heimat- und Kulturhaus in Hellwege. Die Tische werden beiseitegeschoben, damit die letzten Stühle noch aufgestellt werden können. An den rotgedeckten Tafeln sitzen gut gelaunte Gäste, die sich auf einen Abend mit besonderer Musik freuen. Das Licht geht aus und Edwin Bohlmann von der Kulturinitiative kündigt freudig das Breezy-Art-Ensemble an, das von der Kulturinitiative Sottrum eingeladen wurde.

Die vier Musiker treten auf und schon weht die angekündigte frische Brise durch den Saal. Alte Musik, die schon mal an weihnachtliche Atmosphäre erinnert, wird angestimmt und entwickelt sich durch die Kombination der Blasinstrumente und die Auffassungen ihrer Spieler zu einem Klang, der nicht oft zu hören ist. Das Saxofon, von Dirk Piezunka gespielt, übernimmt den Improvisationspart. Die Trompete, mal klar in den Raum schallend, dann wieder gedämpft zurückhaltend, bläst Stephan Ruf. Der Tubist Stefan Kaundinya lässt nicht nur durch die Tuba die Grundlage des Quartetts entstehen, sondern spielt auch auf einem Instrument, das nicht so oft in Konzertsälen zu hören ist: die Ophikleide. Dieser ungewöhnliche Klangkörper wurde im 19. Jahrhundert als Bassinstrument genommen und wird von Detlef Reimers, der selbst Posaune und Renaissanceposaune spielt, in seiner Moderation erklärt, die jedes Musikstück mit Informationen und kleinen Ausflügen in die Instrumentenlehre versieht. Das kommt beim interessierten Publikum gut an und die Stimmung im Saal des Heimat und Kulturhauses ist freudig erregt.

Reimers erklärt, wie die Gruppe die neue Musik mit alten Tönen entwickeln. Da werden zwei Stücke zum Beispiel von G.D. Rognoni und Camille Saint Saens, zusammengefügt oder auch mal Achtelnoten weggelassen, um einen Sound zu kreieren, der das Publikum überrascht. Und gerade alte Instrumente, wie zum Beispiel die Renaissanceposaune erzeugen ungewohnte Klangerlebnisse. Diese Posaune wurde für Chorformationen genommen, da sie sich in das Gesangsklangbild mit ihren schärferen Tönen sehr gut einpasst.

Bei einem Stück distanzieren sich Posaune und Trompete räumlich voneinander, sodass Tuba und Saxofon in der Mitte exponiert werden und sich schwebende Töne entwickeln, die sich selbst ihren Weg suchen.

Dann wieder spielt die Gruppe altbekannte, barocke Klänge und man merkt ein gewisses Aufatmen von Ensemble und den Zuhörern. Denn wenn sich vorher „Töne aneinander rieben“ und so Spannungen erzeugten, so konnte mit wohltemperierten Noten diese Reibung in Harmonie überführt und das Musikerlebnis zum Abschluss gebracht werden.

Gerade das Verhältnis von Spannung und Erlösung bringt den frischen Wind dieser Musikgruppe in Bewegung. Da schrammen Töne aneinander und kurz danach wippen die Zuhörer mit den Füßen, wenn sich moderne Auffassungen von Musik zu einem Swingrhythmus wandeln. Alte Musik als Grundlage nehmen und damit etwas probieren, was dem Publikum nahe kommt: Das ist dem Breezy-Art-Ensemble hervorragend gelungen und die Gäste verlangen mit Stakkatogeklatsche nach einer Zugabe, die das Quartett dann auch gerne gewährt. Mit freudigen Gesichtern, und der Gewissheit etwas Besonderes erlebt zu haben, verlassen die Besucher dieses Musikabends den Saal.

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