Atommüll-Endlager: Kommunalvertreter tauschen sich aus

Die Region als Wächter

Zahlreiche Vertreter aus Lokal-, Landes- und Bundespolitik waren beim Treffen dabei. "Die Region hat eine Wächterfunktion", erinnerte atompolitischen Sprecherin der Grünen in Hannover Miriam Staudte (stehend).
 ©Antje Holsten-Körner

Reeßum. Welche Regionen kommen bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager weiter in Betracht? Über diese Frage, die nicht nur Taakener und Bewohner der Gemeinde Reeßum umtreibt, wird es am 28. September, Klarheit geben. Seit zwei Jahren ist bekannt, dass der Salzstock zwischen Fintel und Breddorf dazugehören könnte. „Das Gebiet wurde ‚Taaken‘ genannt, da es diesen Ortsnamen nur einmal in Deutschland gibt“, erklärte Rolf Wedemeyer, der bereits drei Info-Veranstaltungen über die mögliche Einlagerung des Atommülls für Bürger in der Region organisiert hatte.

Jetzt hatte er Kommunalvertreter in das Reeßumer Mehrzweckgebäude eingeladen. „Vielen Dank für das Engagement, denn erst dadurch sind wir darauf aufmerksam geworden“, sagte Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele. Welchen Stellenwert das Thema für viele Politiker hat, zeigte sich an der Gästeliste: Mit SPD-Bundestagsabgeordnetem Lars Klingbeil sowie Eike Holsten und Marco Mohrmann, die für die CDU im Niedersächsischen Landtag sitzen, und der atompolitischen Sprecherin der Grünen in Hannover Miriam Staudte hatten gleich vier überregional aktive Politiker die Einladung angenommen.

„Die Region hat eine Wächterfunktion, denn Betroffene schauen besonders genau hin“, hielt Staudte solch eine Aktion für besonders wichtig. Auch Landrat Hermann Luttmann hatte sich auf den Weg nach Reeßum gemacht. „Wir brauchen eine Lösung für den Müll und wir brauchen diese in Deutschland“, so der Landrat, der zusagte, dass sich der Landkreis mit den Kommunen aufstellt und „alles vorbringen wird, was gegen diesen Standort spricht.“ Dass es solche Tatsachen gibt, darüber waren sich die Gäste einig, die sich zu Wort meldeten. „Es gibt Dinge, die offensichtlich gegen diesen Standort sprechen“, sagte Klingbeil, der eine „Mischung aus Wachsamkeit und keiner Panik“ empfahl. Zu den Gegenargumenten zählte er die Gasförderung und die Trinkwasserförderung aus der Rotenburger Rinne auf. Holsten hatte zuvor auch diese Punkte genannt. Dazu führte er noch die im Rotenburger Raum mögliche Einlagerung in Salz als Gegenargument an, da dies nicht unumstritten sei.

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber konnte sich vor rund zwei Jahrzehnten in seiner damaligen Tätigkeit als Polizeibeamter ein Bild von der Asse machen, die durch Wassereinbrüche bundesweit für Schlagzeilen sorgt. „Ich wundere mich, dass in einem Salzstock eine gute Einlagerungsmöglichkeit sein soll“, so Weber, der zu diesem Thema bereits Gespräche mit Fachleuten von Exxon-Mobil geführt hatte: „Auch dort konnte man es sich nicht vorstellen, denn der Salzstock ist durch die Gasförderung durchlöchert.“

Mit Gerolf Richter, der in Berlin Reaktortechnik studierte und viele Jahre beruflich mit der Materie zu tun hatte, hat Rolf Wedemeyer einen Fachmann in seinen Reihen. Dieser ging in eine andere Richtung: „Wir sollten nicht die geologischen Probleme in den Vordergrund stellen, sondern die Art der Einlagerung mit ihrem Gefahrenpotenzial. Die Gefahr ist viel größer bei dem, was oberhalb der Erde passiert“, meinte der Fischerhuder. Und fragte: „Soll der Atommüll in die Bestandteile zerteilt werden oder in Castor-Behältern in den Boden gebracht werden?“ Wenn überhaupt, sieht er ausschließlich Granit als Lagermöglichkeit. „Salz und Ton sind plastische Materialien. Granit ist das einzige Material, das sich nicht verändert und bei dem eine Rückholmöglichkeit gegeben ist.“

Eine andere Vorgehensweise schlug Ralf-Uwe Wenzel vor, um Taaken als Atommüll-Endlager-Standort zu verhindern. „Es besteht die Möglichkeit einer Verfassungsklage. Die Chancen stehen 50 zu 50“, meinte der Fachmann für Verwaltungsrecht.

Staudte hob hervor, dass alle Daten offengelegt werden müssen. Es dürfe keine politische Entscheidung für einen Standort sein. Diese Transparenz ist bei der Standortsuche für Wedemeyer derzeit nicht gegeben, denn „wir fühlen uns nicht mitgenommen“. Wichtig sei bei einem Widerstand, führte er aus, dass die möglichen Standorte nicht gegeneinander ausgespielt werden. Er ging sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn ein Standort plausibel erscheint und uns erklärt wird, müssen wir die Kröte schlucken.“

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