Warum Wasser und Schmutzwasserentsorgung mehr kosten - Von Andreas Schultz

Doppelt teures Element

Am Hahn geht es um Cent-Beträge, doch bei großen Mengen Wasser kommt einiges an Gebühren zusammen. Seit 1. Januar sogar noch mehr.
 ©Andreas Schultz

Sottrum. Wasser kostet Geld. In der Samtgemeinde Sottrum seit Anfang des Jahres sogar ein ganzes Stück mehr als zuvor: Einerseits hat der Wasserversorgungsverband Rotenburg-Land die Gebühren für die Trinkwasserversorgung erhöht, andererseits hat die Samtgemeinde die Schmutzwasserentsorgung verteuert, die an den Wasserverbrauch gekoppelt ist. Das sorgt bei einigen Bürgern für Unmut.

Unter anderem bei Hermann Pape. Der Sottrumer hat sich per Leserbrief (siehe nebenstenden Text) an die Redaktion gewandt und erhebt Vorwürfe: Für ihn ist die Erhöhung der Gebühren für die Schmutzwasserentsorgung, die der Rat auf Anraten der Samtgemeindeverwaltung beschlossen hat, ein Beispiel dafür, dass Gremien und Verwaltungen nicht immer für „für die Bürgerinnen und Bürger da“ sind.

Die Schmutzwassergebühren steigerte die Samtgemeinde von 1,77 Euro auf 2,37 Euro pro Kubikmeter. Dem Protokoll aus der entsprechenden Ratssitzung ist zu entnehmen, warum: Fünf Jahre hat es keine Erhöhung gegeben, dafür fällt diese nun besonders heftig aus. Dazu tragen steigende Personal- und Stromkosten bei, aber auch die voraussichtlich stark erhöhten Reperaturkosten fallen ins Gewicht.

Trinkwasser kostete 2020 noch 77 Cent pro Kubikmeter und 5,89 Euro Grundgebühr pro Monat, daraus wurden mit dem 1. Januar 89 Cent und 6,42 Euro. Für Pape ein Problem: Die Zählerstände sind bereits im November abgelesen worden. Er sieht darin eine „klammheimliche Erhöhung schon ab dem Ablesetag, also lange vor dem 1. Januar” und wehrt sich gegen Samtgemeinde und Wasserversorgungsverband.

Ralf Heuer, Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbandes, hat eine Erklärung für die Erhöhung, aber auch für die aus Papes Sicht frühzeitige Anwendung des neuen Gebührensatzes. „Wir machen das nicht einfach so”, sagt er. Ginge auch gar nicht: „Wir werden stark vom Rechnungsprüfungsamt kontrolliert.“

Hauptgrund der Wasserpreisanpassung sei die Verdopplung der Wasserentnahmegebühr, die das Land Niedersachsen zur Finanzierung des „Niedersächsischen Weges“ zur Förderung des Natur- und Artenschutzes beschlossen hat. „Für unser aufbereitetes Trinkwasser bedeutet allein dies eine Preiserhöhung um 9 Cent brutto pro Kubikmeter”, erklärt er. Der Verband begrüße zwar die Ziele des Niedersächsischen Weges, ihm sei aber auch die finanzielle Mehrbelastung für die Trinkwasserkunden bewusst, weshalb er sich in der Angelegenheit an den Umweltminister Olaf Lies (SPD) gewandt hat. „Wir haben zwar eine Antwort erhalten, jedoch wurde der Kostenaufschlag auf den Trinkwasserpreis für mehr Umweltschutz durch die Landesregierung beschlossen und muss von den niedersächsischen Versorgungsunternehmen umgesetzt werden.”

Doch das ist nicht der alleinige Grund für die Hebung der Gebühren: Steigende Personal- und Dienstleistungskosten hätten diese notwendig gemacht, um auch weiterhin die Unterhaltung der technischen Anlagen und des 1.650 Kilometer langen Rohrnetzes sicherzustellen. Das schlägt sich in den verbliebenen drei Cent pro Kubikmeter sowie in der Erhöhung des Grundpreises nieder. „Die Anpassung ist einzig und alleine notwendig, um auch zukünftig kostendeckend arbeiten zu können. Insbesondere die Tiefbaupreise steigen stark“, lautet Heuers Rechtfertigung. Mit einer Steigerung von immerhin rund zehn Prozent schlagen diese zu Buche. Doch der Geschäftsführer weist auch darauf hin, dass die Gemeinde Scheeßel von dem neuen einheitlichen Preis im gesamten Verbandsgebiet profitiert, denn durch die Übernahme des dortigen Netzes sinkt der Trinkwasserpreis von 91 Cent immerhin auf 89 Cent.

Auch die frühe Umsetzung der rund 22.000 Ablesungen erklärt der Geschäftsführer: „Mit der Ablesung der Wasserzähler wird seit jeher beim Wasserversorgungsverband im November begonnen, da nicht jeder Zähler von uns stichtagsgenau am 31. Dezember des Jahres abgelesen werden kann. Gemäß der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) ist maßgeblich, dass die Abrechnungszeiträume in etwa immer den gleichen Ablesezeiträumen entsprechen, also möglichst im zwölfmonatigen Intervallen.” Dazu zieht Heuer einen Rechtskommentar zur Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) heran, wo es heißt: „Angesichts der Vielzahl von Versorgungsverhältnissen liegt es auf der Hand, dass der Verbrauch für einen Abrechnungszeitraum mit einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand nicht stichtagsgenau abgelesen werden kann. Deshalb wird die Ablesung teilweise noch in oder aber auch bereits nach Beendigung des Ablesezeitraums erfolgen. Der dabei gemessene Verbrauch ist die Grundlage für die Rechnungslegung, die unabhängig vom Zeitpunkt der Ablesung zu den im Abrechnungszeitraum geltenden Preisen vorzunehmen ist. Die damit verbundenen geringfügigen Nach- oder Vorteile in dem Fall, dass im neuen Abrechnungszeitraum geänderte Preise gelten, sind vom Wasserversorgungsunternehmen und Kunden im Interesse eines nicht durch unwirtschaftliche Ablesekosten belasteten Wasserpreises hinzunehmen. […] Entsprechendes gilt für den Fall, dass noch im alten Abrechnungszeitraum abgelesen wird und für den neuen Abrechnungszeitraum Preise festgesetzt werden; dann ist der noch im alten Abrechnungszeitraum nach der Ablesung anfallende ,Restverbrauch‘ zu den geänderten Preisen im neuen Abrechnungszeitraum in Rechnung zu stellen.“

Ändern ließen sich diese Umstände auf digitalem Wege: Würden die Wassernutzer den Zählerstand des Stichtags online an den WVV mitteilen, hätten sie als Abrechnungszeitraum zuverlässig 1. Januar bis 31. Dezember – und genau dafür wirbt der Verband laut Heuer in all seinen öffentlichen Bekanntmachungen zur Gebührenänderung. Heuer: „Dies wäre, glaube ich, für beide Seiten eine große Unterstützung.“

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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