Studenten-Wettbewerb Marktplatzgestaltung: Ideenfindung

„Rathaus belebt nicht“

Die künftige Gestaltung des Marktplatzes sorgt immer wieder für kontroverse Diskussionen. Foto: Heidrun Meyer
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Sittensen. Der Marktplatz in Sittensen muss mehr belebt werden, darüber sind sich Politik, Verwaltung sowie engagierte Bürger und der Verein Zukunft Börde Sittensen einig. Zur Ideenfindung beitragen soll ein städtebaulicher Studenten-Wettbewerb, für dessen Durchführung der Gemeinderat bereits im Oktober letzten Jahres gestimmt hat. CDU-Ratsherr Eike Burfeind hat nun beantragt, dass den Studenten zusätzliche, „inhaltlich definierte“ Angaben für ihre Gestaltungsvorschläge an die Hand gegeben werden.

Der Gemeinderat votierte im Rahmen der jüngsten Sitzung einstimmig dafür, nachdem über den Antrag ausführlich in der vorangegangenen Sitzung des Planungsausschusses diskutiert worden war. Burfeind hält es für geboten, dass explizit die Fachbereiche Stadtplanung entsprechender Hochschulen zum Einsatz kommen. Und appelliert für visionäres Denken: „Es sollte nicht streng nach dem Bebauungsplan gegangen werden.“ Wichtig sei es, das gesamte Zentrum im Kontext zu betrachten, auch wegen der „prominenten Hauptverkehrsstraße.“ Vorrangiges Ziel sei es, auf dem Marktplatz für Belebung und Bewegung zu sorgen. Dazu zähle auch der Wochenmarkt. „Ein Rathaus trägt sicher nicht zu einer Belebung bei“, betonte Burfeind in der Ausschusssitzung. Dem studentischen Wettbewerb misst er große Bedeutung bei: „Es sind ja sonst keine Ideen vorhanden.“ Auch die alten Gebäude am Marktplatz – Alte Apotheke, Henkis-Haus, „Vossbäcker-Haus“ - möchte er mit einfließen lassen. Sein Augenmerk gilt dem Apothekengebäude mit seiner ortsprägenden Fassade: „Es geht darum, ob das Haus oder auch nur die Fassade erhalten werden kann. Alternativ ist ebenso ein Neubau zu betrachten.“ Des Weiteren möchte er die Frage nach einem möglichen Standort für ein Rathaus im Marktplatzbereich mit prüfen lassen.

Die Einbindung der historischen Gebäude geht Klaus Huhn (SPD) ebenso zu weit wie eine gesamte Zentrumsbetrachtung. Für ihn zählt nur die neue Marktplatzgestaltung. „Angesichts der angespannten Haushaltslage müssen wir zuerst an die Kosten denken, wenn es um Visionen geht“, mahnte er. CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Miesner (CDU) und Sozialdemokratin Antje Pauleweit (SPD) sprachen sich für das Einbeziehen der alten Bausubstanz aus.

„Es können auch Ideen kommen, die wir gar nicht sehen“, so Miesner. „Ich bin Freund einer städtebaulichen Ordnung am Marktplatz. Wir stehen mit der Samtgemeinde im Gespräch, ob wir an der Stelle, wo die alten, gemeindeeigenen Gebäude stehen, ein Rathaus schaffen. Damit wird zwar ein gewisser städtebaulicher Akzent noch vor dem Wettbewerb gesetzt. Trotzdem bleiben genügend Möglichkeiten, um dort Dinge zu gestalten“, befand Bürgermeister Diedrich Höyns (SPD). Eike Burfeind hielt dagegen: „Wenn übereilt Pflöcke eingeschlagen werden, ist ein städtebaulicher Wettbewerb überflüssig.“

Es gelte genau zu durchdenken, welche Optionen für einen Rathausstandort am Markt möglich seien. Im Hinblick darauf sprach er von einer Sanierung des bisherigen Rathausgebäudes und einer Neubauerweiterung auf dem angrenzenden Parkplatz. „Wir stehen den Rathausmitarbeitern gegenüber in der Pflicht, da das jetzige Gebäude marode ist“, bedeutete Huhn. „Eile und Not waren bei den Planungen zum Umbau der Volksbank nicht zu erkennen. Ansonsten hätte das nicht so lange gedauert“, entgegnete Burfeind. Jörg Schuschke (SPD) kann sich vorstellen, die alten Bauten mit bewerten zu lassen, mahnte aber Finanzierung und Machbarkeit an. Ausschussvorsitzender Alfred Flacke (SPD) argumentierte ähnlich: „Bevor wir zum Beispiel das Fachwerk des Apothekengebäudes erhalten, muss klar sein, wie hoch die Kosten sind und wer das bezahlen soll.“ Das Gremium kam überein, dass fraktionsübergreifend Vorgaben an die Studenten erarbeitet werden sollen.

Das ist geschehen. Eike Burfeind und Thomas Miesner (CDU) sowie Alfred Flacke und Klaus Huhn (SPD) haben folgende Punkte als verbindlich festgelegt: Eignung des Marktplatzes für den Wochenmarkt, Belebung des gesamten Areals, Realisierbarkeit der zu entwickelnden Ideen, Verknüpfung des Marktplatzes mit Bahnhofstraße und Mühlenteichgelände, Überprüfung von zwei Varianten: Erhalt der alten Gebäude oder ihrer Fassaden (Henkis-Haus, Apotheke, Vossbäcker, altes Rathaus), Abriss der alten Gebäude und Ersatz durch Neubauten.

Folgende Fragen sind Anregungen für den Wettbewerb: Wie können die Gebäude um den Marktplatz sinnvoll zu dessen Belebung genutzt werden? (Bestands- oder Neubauten?) Wie entwickelt sich das Verhältnis zwischen neu gestaltetem Marktplatz und dem restlichen Ort (auch visionäre Ideen). Bisherige Ideen und Untersuchungen (Sweco, Bürgerversammlung) sollen den Studenten zur Verfügung gestellt werden. Die Verwaltung wird zu entsprechenden Fachfakultäten Kontakt aufnehmen. Gemeindedirektor Stefan Miesner wies darauf hin, dass wegen der Corona-Pandemie bereits in diesem Jahr der Wettbewerb nicht habe durchgeführt werden können. „Es gab keine Präsenzveranstaltungen für die Studenten. Wir müssen sehen, wann die weitere Entwicklung eine Durchführung zulässt und wann es in die Lehrpläne passt.“

Im Haushalt sind dafür 10.000 Euro bereitgestellt.

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