Rund 10.000 Besucher verfolgen Festumzug beim Erntedankfest - Von Heidrun Meyer

Sieg für Klein Sittensen

Der Wagen der Dorfjugend Klein Sittensen mit dem Nachbau der Sittenser Kirchturmglocken erzielte den begehrten Sieg in der Gruppe der schönsten Bördewagen.
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Sittensen. Wenn die Felder gemäht sind, das Korn gedroschen wurde und die Obstbäume ihre volle Pracht zeigen, ist die Zeit der Erntedankfeste gekommen. Höhepunkt in Sittensen ist immer der große, überregional bekannte Festumzug. 39 Gefährte rollten am Sonntagnachmittag durch den Bördeort, flankiert von rund 10.000 Besuchern.

Ideenreich geschmückte Wagen waren aus verschiedenfarbigen Getreidekörnern und unzähligen Weizenähren, heimischen Gemüse- und Obstsorten entstanden. Dazu gehören auch stets aktuelle Themenwagen sowie manch ulkiger, fahrbarer Untersatz. Musikalisch bereicherten der Fanfaren-und Spielmannszug des VfL und der Posaunenchor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde den Umzug.

Zum ersten Mal waren die Freie evangelische Gemeinde Sittensen und der Flüchtlingshilfeverein „EWiS“ mit einem „Kulturstühle-Wagen“ und einer Fußgruppe vertreten und warben damit für die Integration. Monatelang hatten die Dorfjugenden an ihren Kreationen gearbeitet. Am Ende waren zum Teil wahre Kunstwerke entstanden. Die immer mit Spannung erwartete Siegerehrung fand wie üblich bei der Erntedankfeier auf dem Heimathausgelände statt. Dabei flossen auch Tränen: Grenzenlose Freude herrschte bei der Klein Sittenser Dorfjugend und ihren Anhängern, die sich nach vielen Jahren mit dem Nachbau der Sittenser Kirchturmglocken wieder den begehrten Sieg in der Kategorie der schönsten Bördewagen und damit den Wanderpokal des Wirtschafts-Interessen-Rings (WIR) Sittensen und das Preisgeld holen konnte. Enttäuschung herrschte bei der Dorfjugend Klein Meckelsen, die sich mit ihrer Darstellung des Themas Gemeinschaft und Zusammenhalt in der Börde durch die Symbole Glauben, Sport und Erntedank ebenfalls Hoffnungen auf den Sieg gemacht hatte. Gemeinsam mit der Dorfjugend Vierden, die einen Kompass nachgebaut hatte, wurden sie mit 80 Punkten Zweiter, während die Klein Sittenser 88 erhielten. Ihr Jubel war groß, haben sie doch lange auf diesen Triumph warten müssen. In der Gruppe der Kinderwagen gewannen die Kalber Kids vor Wohnste und Klein Sittensen. Der beste Themenwagen kam aus Klein Meckelsen und nahm die aktuelle Debatte um den Diesel-Skandal in der Autoindustrie aufs Korn. Zwei Wagen aus Groß Meckelsen kamen auf Platz zwei und drei. Sieger bei den auswärtigen Wagen wurde Wense vor Anderlingen und einem weiteren Wagen aus Wense. Landjugendvorsitzender Nico Burfeind freute sich über den großen Zuspruch am Festumzug. Viele Vorbereitungen stecken in der Organisation. „Hochwertige Wagen und mehr als 10.000 Besucher sind der Lohn. Mit Hilfe zahlreicher Unterstützer können die jungen Leute ihre Wagen bauen und wir die Preisgelder ausloben. Ein gutes Zusammenspiel vieler Akteure. Zusammen mit dem Herbstmarkt ist der Sonntag eine runde Sache für den Ort“, betonte er und ließ auch den Dank an seine insgesamt zwölf Vorstands- und Gremiumsmitglieder für ihren Einsatz nicht unerwähnt. Dass Dankbarkeit heißt, Lebensmittel bewusst zu genießen und nicht selbstverständlich zu nehmen, machten sowohl der Landjugendvorsitzende als auch Pastor Sven Kahrs und Festredner Dr. Marco Mohrmann, CDU-Landtagsabgeordneter, deutlich. „Es reicht nicht, einmal im Jahr brav danke zu sagen“, betonte Kahrs, der auf den Gewinnerwagen mit den Kirchturmglocken einging. Denn: Die Inschriften, die in den Glocken eingelassen sind und die auch der Erntewagen zeigt, erinnern daran, wie kostbar der Frieden ist. „Den sollten wir bewahren und nicht zulassen, dass grölende Massen gegen Minderheiten hetzen. Dankbar sein für das, was wir haben, abgeben und teilen ist die Botschaft am Erntedankfest“, mahnte Kahrs. Mohrmann fand ebenso viel Lob für den Einsatz der Landjugend und sprach über die Diskussionen um den Klimawandel und die Verantwortlichkeit der Landwirtschaft. „Ist es verregnet, ist der Landwirt selbst schuld, für Dürre ebenso. Die Klimagase aus der Tierhaltung sind zurückgegangen“, sagte er und widerlegte „die dünnen Argumentationen“ mit Zahlen. Nicht eben freundliche Worte fand Samtgemeindebürgermeister Stefan Tiemann in seinen Ausführungen zum geplanten Einzelhandelskonzept der Gemeinde Sittensen. Eindringlich warnte er vor den Auswirkungen des darin aufgeführten, zentralen Versorgungsbereiches, der zwischen Bahnschienen und Oste definiert ist und damit die Stader Straße quasi abhängt. „Eine Umsetzung ist brandgefährlich, denn den dortigen Supermärkten und Geschäften wird eine Erweiterung verwehrt und somit keine Zukunft am jetzigen Standort gegeben.“

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