Mehr als 10.000 Besucher beim Erntewagenumzug im Bördeort

Dorfjugend Kalbe gewinnt

Die Dorfjugend Kalbe hat mit der Nachbildung eines Wikingerschiffes den schönsten Bördewagen gebaut. Fotos: Heidrun Meyer
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Sittensen. Bunt, offen, vielfältig: So präsentierte sich bei kühlem, aber trockenem Wetter der Festumzug, der in guter Tradition im Rahmen des Erntedankfestes der Landjugend der Börde Sittensen zu sehen ist. Ein Tross aus 45 geschmückten Treckergespannen rollte unter Sicherung der Feuerwehren Sittensen und Vierden sowie der Polizei durch die Straßen.

Wer sich vergegenwärtigt, welche Arbeit in der Anfertigung vor allem der Schmuck- und Motivwagen steckt, weiß den Einsatz der Erbauer allemal zu schätzen. Die mehr als 10.000 Zuschauer an den Straßenrändern honorierten die zum Teil wahren Kunstwerke auch mit viel Wohlwollen. Der Ausdruck der Wertschätzung kam auch bei der Prämierung der Erntewagen bei der sich anschließenden Feierstunde am Heimathaus zum Ausdruck. Landjugendvorsitzender Nico Burfeind lobte ausdrücklich die „hochwertigen Kornwagen.“ Die Dorfjugend Kalbe holte sich den begehrten Sieg in der Kategorie der schönsten Bördewagen mit der Nachbildung eines Wikingerschiffes und durfte dafür den Wanderpokal und die Siegprämie des Wirtschafts-Interessen-Ringes (WIR) in Empfang nehmen. Der Jubel der jungen Leute war denn auch schier grenzenlos. Mit Sektduschen und lautstarken Jubelgesängen feierten sie ihren ersten Platz. Eine schöne Geste war es, dass sie gemeinsam mit den Zweitplatzierten, die Dorfjugend Groß Meckelsen, die sich mit ihrem Wagen dem 30-jährigen Jubiläum des Berliner Mauerfalls gewidmet hatte, sangen und feierten. Dritter wurde Tiste vor Hamersen und Klein Sittensen. In der Gruppe der Kinderwagen gewannen die „Lütten Küken ut Ippens“ vor den Kalber Kids, Klein Sittensen und Sittensen. Die Themenwagen stellte nur Groß Meckelsen. Die Frauen hatten den Wunsch des amerikanischen Präsidenten, Grönland kaufen zu wollen, aufs Korn genommen, die Männer die angespannte Situation der knappen Kindergartenplätze. Bei den auswärtigen Wagen siegte Wense vor Anderlingen und einem weiteren Wagen aus Wense. Auch Spielmannszüge und Posaunenchor bereicherten wieder den Festumzug. Auf die aktuelle Lage der Landwirte blickte der Landjugendvorsitzende in seiner Rede zurück. Hinsichtlich einer nachhaltigen Klimapolitik würden Landwirte zu Sündenböcken gemacht. „Nur mit einer starken Landwirtschaft ist auch eine starke Wirtschaft möglich“, mahnte Burfeind. Lobend stellte er das Zusammenspiel vieler Akteure vor Ort heraus, die das Erntedankfest gelingen ließen. Er sprach die Verbindung mit dem Herbstmarkt und den geöffneten Geschäften an, hob aber auch den ehrenamtlichen Einsatz, der für die Durchführung einer kulturellen Veranstaltung dieser Größenordnung notwendig ist, hervor. Dank richtete er an die Unterstützer und Sponsoren, die zur Finanzierung des Festes beitragen. Dafür wird während des Umzuges auch eine freiwillige Spende von einem Euro unter den Umzugsbesuchern eingesammelt. Mit dem Preisgeld, das unter den Erntewagenbauern ausgelobt wird, soll auch Anreiz gegeben werden, dass Erntewagen überhaupt noch gebaut werden. Denn das bedeuten nicht unerhebliche Kosten. Festredner Albert Stegemann, Landwirt, Mitglied des Deutschen Bundestages und agrarpolitischer Sprecher der CDU/CSU, machte deutlich, dass die „Agrarpolitiker felsenfest an der Seite der Landwirte stehen.“ Ziel sei es, eine regional verwurzelte, flächendeckende Landwirtschaft zu erhalten. Viele Aufgaben warteten auf Landwirte und Politik – Klima- und Insektenschutz, Digitalisierung und das Tierwohl. „Auf den Höfen werden die Landwirte zwischen zwei Mühlsteinen zerrieben. Da ist die Sehnsucht nach einer anderen Art der Landwirtschaft, auf der anderen Seite steht die ökonomische Realität, denn die Verbraucher kaufen preisorientiert ein. In ihrem Alltagshandeln stehen aber auch sie in der Eigenverantwortung“, so Stegemann. Grußworte übermittelten der Bürgermeister der Gemeinde Sittensen, Diedrich Höyns und Pastor Andreas Hannemann von der evangelischen Kirchengemeinde. Auch sie gingen unter anderem auf die Klimaschutzdebatte ein. „Ohne Verzicht geht es nicht, es soll aber eine gewisse Freude bereiten“, sagte Hannemann.

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