Hamburger Zeitzeugen im Gespräch mit Schülern in Sittensen

Nie wieder Krieg!

Biologie- und Geschichtslehrer Rene Schmidt organisierte die Veranstaltung mit den Zeitzeugen. Foto: Klaus Müller
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Sittensen (r/mü). „Ich fand das Gespräch sehr interessant und spannend, auch mal die Zeit damals von Leuten erzählt zu bekommen, die das selber miterlebt haben. Außerdem wurden einige traumatische Erlebnisse angesprochen, die ich sehr berührend fand“, so die 15-jährige Marisa aus Wohlde. Das ging sicherlich vielen der Schülerinnen und Schüler der Ostertalschule KGS Sittensen so, als sie den Zeitzeugen Lisa Schomburg und Manfred Hüllen zuhörten, Menschen die den Nationalsozialismus in all seinen Prägungen erfahren haben, den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit erlebten.

Unter dem Motto „Nie wieder Krieg!“ erfuhren die neunten Haupt- und Realschulklassen und die zehnten Gymnasialklassen in der Aula der Schule viel über das Leben der Zeitzeugen aus Hamburg. Es waren eindrucksvolle Momente, die die Schülerinnen und Schüler tief berührten. Als dann der heute 81-jährige Manfred Hüllen fragte, ob jemand in dieser Zeit habe leben wollen, herrschte betretendes Schweigen im weiten Rund des großen Raumes.

Biologie- und Geschichtslehrer Rene Schmidt organisierte diese Veranstaltung. „Wir müssen als Schule gerade auch in dieser Situation wichtige Zeitthemen anbieten und dürfen einfach nicht vergessen, was einmal in Deutschland geschah“, sagt Schmidt.

Die heute 90-jährige Lisa Schomburg erzählte einiges über ihre Zeit als Kind und Jugendliche während des Nationalsozialismus. Unter anderem wurde der Alltag, das Leben in der Schule oder das Gefühl, ein Mitglied verschiedener Jugendorganisationen der Nazis gewesen zu sein, beleuchtet. Die Rednerin räumte sogar ein, zunächst von den Nazis begeistert gewesen zu sein, was sich durch die vielen Vorgaben und Bestimmungen immer mehr änderte. Schomburg wohnte in Hamburg Wilhelmsburg und wurde 1943 im Pressehaus Hamburg mit mehreren anderen Personen im Keller des Hauses „bedingt durch einen Bombenvolltreffer“ verschüttet. Rund acht Stunden dauerte es, bis diese Menschen aus dem Keller befreit wurden. Sie erlebte, wie ein jüdischer Nachbar sich verabschiedete, weil er in ein Arbeitslager mit seiner Familie musste. Ihr Elternhaus wurde zerstört – zum Glück hatte ihre Mutter beim Nachbarn mit Ihren Kindern Schutz gesucht. Als der Krieg zu Ende war, war sie erstaunt, wie freundlich die Schokolade verteilenden Engländer waren „Das können doch keine Feinde sein“, erinnert sie sich noch heute an diese Zeiten.

Manfred Hüllens Vater war in der SPD. Er kam zunächst in das Arbeitslager Buchenwald und 1944 in ein Strafbatallion. Das Batallion grub entlang der Frontlinie Minen aus. Hüllen senior überlebte, weil angreifende Russen ihn gefangen nahmen. „Meine Mutter und meine Schwester und ich wurden von einem Wehrmachtslastwagen auf dem Bürgersteig in Stadt Rhoda überfahren. Ich hatte nur leichte Verletzungen, meine Mutter wurde am Rückgrat verletzt und meine Schwester starb.“ 1945 vergingen sich russische Soldaten an der Mutter. „Es waren so schlimme Zeiten,“ die Hüllen prägten und nie wieder losließen. Auch die Nachkriegszeit habe viele Entbehrungen gebracht und sei fast noch schlimmer als die Kriegsjahre gewesen: „Wir haben, um überhaupt etwas zu essen zu bekommen, geklaut und mitgenommen, was wir auch nur irgendwie bekommen konnten.“

Manfred Hüllen appellierte an die Jugend gerichtet, verantwortungsbewusst zu handeln. Das größte Problem sah er in der Klimakrise, die nur durch die kommenden Generationen gelöst werden könne. Auch der zunehmende Rechtsextremismus wurde angemahnt. „Wir müssen zusammenhalten und Krieg um jeden Preis verhindern.“

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