Fahrradkurs des VfL für geflüchtete Frauen

Mobil und selbstständig

Am Kursende stand das Radfahren im Realverkehr auf dem Programm. Foto: Heidrun Meyer
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Sittensen (mey). Was in Deutschland selbstverständlich ist und man bereits als Kind lernt, ist für Menschen aus anderen Ländern oft neu. So haben vor allem viele Frauen aus anderen Ländern nie Radfahren gelernt – zum Teil aus gesellschaftspolitischen Gründen oder weil es keine Möglichkeiten gab. Der VfL Sittensen hat daher einen Fahrradkurs für geflüchtete Frauen und Kinder in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund Niedersachsen organisiert, der als verantwortlicher Projektträger finanzielle Mittel im Rahmen des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ zur Verfügung gestellt hat.

Beteiligt war auch die Verkehrswacht Bremervörde-Zeven, vertreten durch Bernd Pichlmeier, der an fünf Tagen praktische Übungen durchführte und am Ende des vierwöchigen Kurses mit den Frauen, die sich sicher genug mit dem Fahrrad fortbewegen konnten, in den Realverkehr ging. Betreuer vom VfL war Manfred Cordes, der in der örtlichen Flüchtlingsarbeit tätig ist. Mit einer abwechselnd großen Zahl an Helferinnen führte er den Kurs durch. In der Vorplanung hatten er und Pichlmeier ein Konzept erarbeitet, dessen Ziel es war, den Frauen Mobilität und Selbstständigkeit zu verschaffen, gleichzeitig wichtige Faktoren für die Integration. Die Theorie-Einheiten fanden im Mannschaftsraum des VfL in der Grundschule statt.

Neben neun Frauen waren drei jugendliche Mädchen und drei Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren mit dabei, die altersentsprechend unterschiedliche Funktionen im Kurs besetzten. Die älteren Mädchen übernahmen den Part der Übersetzerinnen. Darunter die 18-jährige Melissa, die offiziell vom Landkreis ausgebildete Sprachmittlerin ist und den Sittenser Flüchtlingshilfeverein EWiS unterstützt. Sie besucht in Zeven das Wirtschaftsgymnasium und freut sich, dass dieser Kurs angeboten wird. „Damit werden die Frauen mobiler, was auch ihren Alltag erleichtert.“ Mit Humor und vollem Körpereinsatz erklärten die Organisatoren den Teilnehmerinnen die wichtigsten Verkehrsregeln sowie das richtige Verhalten im Straßenverkehr. „Dieser Teil war für alle anstrengend. Daher orientierte sich das Ende des ersten Theorieabschnitts auf die Konzentrationsfähigkeit der Frauen und nicht an einem inhaltlichen Abschluss“, so Cordes. Die praktische Arbeit setzten sie auf dem Pausenhof der Grundschule fort. Die Frauen merkten schnell, dass es auf das Gleichgewicht ankommt, um sich auf den Fahrrädern zu halten. Um dieses und Koordination zu trainieren, erhielten die Anfängerinnen große Roller der Grundschule. Die Teilnehmerinnen, geflüchtet aus Afghanistan, Eritrea und Syrien, stellten sich allen Aufgaben mit großer Ernsthaftigkeit. Es einte sie das Bestreben, Fortschritte machen zu wollen und nach und nach beherrschten sie immer längere Gleitphasen und Kurvenfahrten. Die Anforderungen stiegen kontinuierlich: Nach einfachen Fahrten mit Bremsübungen kamen Slalomfahrten, Kurven in immer engeren Radien, einhändiges Fahren, Fahrtrichtungsanzeigen und das Erfassen von gestellten Verkehrssituationen mit Verkehrsschildern hinzu. Wie sehr der Kurs wertgeschätzt wurde, zeigte sich daran, dass mehrfach Verwandte und befreundete Frauen dabei waren. Zum Abschluss stand ein Fahrradparcours mit Hindernissen auf dem Programm. Wer den fehlerfrei und sicher bewältigte, durfte in den richtigen Straßenverkehr. Zum Einsatz kamen neben eigenen Rädern auch welche aus der Fahrradwerkstatt im Flüchtlingsbüro. Die zehnjährige Hanie, Schülerin der Grundschule, hatte ihr eigenes Fahrrad dabei. „Das macht richtig Spaß. Jetzt kann ich sicherer fahren und kenne die Verkehrszeichen besser“, ließ sie freudestrahlend wissen. Fröhliche Gesichter gab es auch bei den anderen Teilnehmerinnen – vor allem dann, wenn sie zielgerade ihr Rad über den Übungsplatz steuerten und die Kopftücher im Fahrtwind flatterten. Pichlmeier begab sich dann mit einer Gruppe in den Realverkehr. „Wir bleiben immer rechts und fahren nie Richtung Fahrbahn“, schärfte er allen noch ein. Und künftig ist kein Warten auf den Bus und kein Laufen zum Supermarkt notwendig: Das kann mit dem Fahrrad erledigt werden.

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