Bürgermeister Jörn Keller kritisiert Corona-Strategie via Twitter

„Lockerungsmodelle sind falsch“

Samtgemeindebürgermeister Jörn Keller ist Anhänger der No-Covid-Strategie und kritisiert Lockerungsmodelle in der Phase der hohen Infektionszahlen.
 ©Heidrun Meyer

Sittensen (mey). Jörn Keller, hauptamtlicher Bürgermeister der Samtgemeinde Sittensen, bereitet die aktuelle Corona-Lage mit dem steigenden Infektionsgeschehen große Sorge. Seit anderthalb Jahren ist er im Amt, seit mehr als einem Jahr setzt er sich mit Covid 19 auseinander. Immerhin ist die Samtgemeinde Arbeitgeber von mehr als 240 Mitarbeitern, darüber hinaus ist er vierfacher Familienvater.

Dass sich Deutschland aktuell in der dritten Welle mit einem exponentiellen Wachstum der Infektionen befindet, schreibt er vor allem den Lockerungskampagnen zu. Das macht ihn „fassungslos und zornig.“ Seine Unzufriedenheit über die „Entscheidungsträgerebene“ bringt er über den Messenger-Dienst Twitter zum Ausdruck und hat damit eine beachtliche Aufmerksamkeit erzielt. Eben darum hat er diesen Weg gewählt. Zwar ist er auch auf Facebook aktiv und gibt dort regelmäßige Statements zum lokalen Geschehen und aus der Verwaltungsarbeit ab, aber den größeren Radius der Erreichbarkeit sieht er via Twitter. Augenscheinlich zu Recht, denn inzwischen sind bereits verschiedene Medien sowie der Radiosender Deutschlandfunk Kultur, dem er ein Interview gegeben hat, auf ihn und seine Tweets zum Thema Corona aufmerksam geworden.

Keller ist Verfechter der sogenannten No-Covid-Strategie. „Wir wabern seit Monaten herum. Was wir brauchen, ist mehr Stabilität und mehr Sicherheit. Von den Bund-Länderkonferenzen hätte ich mir deutlich härtere Maßnahmen gewünscht und nicht dieses Auf und Ab mit dem Lockdown. Öffnungsprojekte machen keinen Sinn, bevor wir nicht die Infektionszahlen herunterbringen. Bei einer 100-er Inzidenz kann man nicht aufmachen und meinen, die Gefahr kann mit Schnelltests, die ohnehin nicht lange aussagefähig sind, mal eben weggetestet werden“, empört sich der Sittenser Verwaltungschef. Von den Modellversuchen in puncto Lockerungen, die das Land Niedersachsen in 25 Kommunen plant, hält er denn auch in dieser Phase der „harten, dritten Welle“ nichts. „Das ist der falsche Zeitpunkt“, unterstreicht er mit Nachdruck. Für ihn völlig unverständlich ist das Verhalten der „Entscheidungsträger“, die nach seinem Dafürhalten die Warnungen der Wissenschaftler „komplett ignorieren.“ Die Bundeskanzlerin habe jedoch das Thema „vollumfänglich“ so verstanden wie es auch die Wissenschaft darlege. „Das beruhigt mich“, sagt Keller und wünscht sich, dass den Experten mehr Gehör geschenkt wird, zumal sie in ihrer Vorhersage des Pandemieverlaufes und der dritten Welle richtig gelegen hätten. „Ich wünsche mir mehr Einigkeit bei den Ministerpräsidenten. Lieber ein paar Wochen noch einmal die Zähne zusammenbeißen, dann kommen wir auch aus dem Lockdown heraus. Hier vor Ort sehen das viele Menschen so. Das haben sie mir bestätigt“, so Keller.

„Auch wenn ich nur ein Bürgermeister einer kleinen Samtgemeinde bin, muss man laut werden. Das müssten viel mehr Leute“, findet er. Das Infektionsgeschehen kann nach seiner Meinung erst kontrolliert werden, wenn die Inzidenzen deutlich unten sind. Dazu seien strikte Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen erforderlich sowie strenge Quarantäne-Regeln, die gestützt würden durch eine effizient durchgeführte Teststrategie und Impfungen. Keller weiß, dass die Menschen unter den Beschränkungen leiden – auch in seiner Kommune, in der es aktuell 22 Infektionsfälle gibt. „Ob wirtschaftlich, sozial oder die Kinder in den Schulen und Kindergärten. Für alle sind die Einschränkungen schwierig zu ertragen. Natürlich möchte man eine Perspektive geben, aber bei der Höhe der jetzigen Zahlen sind Lockerungsmodelle das falsche Signal. Die Idee dahinter ist gut, der Zeitpunkt nicht. Daher werden wir uns als Samtgemeinde daran nicht beteiligen, dahingehend herrscht auch mit dem Gemeindebürgermeister Einigkeit“, gibt Keller zu verstehen. Nach den Osterferien will er allen Mitarbeitern der Samtgemeinde zweimal wöchentlich Tests ermöglichen, die Kosten trägt die Kommune. Das Angebot des Homeoffice besteht ohnehin, wo keine Einzelbürobelegung möglich ist, tragen die Mitarbeiter auch am Platz Mund-Nasenbedeckung. „Da müssen wir eine Vorbildfunktion einnehmen“, betont der Verwaltungschef.

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