Zollhausboys in Scheeßel: Vergünstigte Tickets für Geflüchtete

Möglichkeiten eröffnen

Mit einem großen Banner machen Anja Schürmann (von links), Bernd Braumüller, Gabriela Villwock und Paul-Gerhard Göttert auf den Auftritt der Zollhausboys aufmerksam. Foto: Ann-Christin Beims
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Scheeßel (acb). Nicht mehr lange, dann stehen die Zollhausboys im Scheeßeler Hof auf der Bühne. Am Freitag, 22. Februar, ist es ab 19.30 Uhr soweit – und dafür hat sich die Kulturinitiative Scheeßel (KIS) zum Endspurt etwas Besonderes ausgedacht: „Wir möchten, dass auch die Geflüchteten, die sich das nicht leisten können, eine Möglichkeit haben, dabei zu sein“, erklärt Bernd Braumüller.

Aus diesem Grund hat sich die KIS mit Integrationsscout Anja Schürmann und der Flüchtlingshilfe Scheeßel zusammengetan und überlegt, wie dies realisiert werden könnte. Denn: „Was wäre eine solche Veranstaltung ohne Geflüchtete?“, bringt es Paul-Gerhard Göttert, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe, auf den Punkt. Eine Lösung war schnell gefunden: Geflüchtete zahlen für ein Ticket fünf Euro. Um den eigentlichen Preis von 15 Euro aufzufangen, geben die Flüchtlingshilfe und die KIS jeweils fünf Euro dazu. Dafür hat die KIS den Vorzugspreis angesetzt, den es bis Weihnachten gab. Wer eines haben möchte, kann sich dazu an Schürmann wenden.

Und das Interesse ist da, wie sie weiß: „Die Aussage der Zollhausboys ist eindeutig gegen Rechts, gegen Rassismus. Das kommt an, die Geflüchteten setzen sich damit auseinander, gerade die, die arbeiten.“ Auch wenn das Format nicht unbedingt das sei, welches Geflüchtete gewählt hätten, „ist es gut, diese Möglichkeit zu eröffnen“, erklärt Göttert. Es komme darauf an, wie lange sie schon in Deutschland sind.

Die Zollhausboys, das sind die jungen syrischen Flüchtlinge Azad Kour, Ismaeel Foustok, Shvan Sheikho und Delyar Hamza, die mit großem Engagement und viel Können ihre Themen Heimat, Flucht und Fremdheit berührend und heiter nahebringen. „Das Programm ist unterhaltsam, behält aber auch seine Ernsthaftigkeit“, so Braumüller. Gemeinsam mit dem Kabarettisten Pago Balke und dem Musiker Gerhard Stengert bringen sie das durchweg auf Deutsch vorgetragene Programm auf die Bühne, eine amüsante Attacke auf den allgegenwärtigen Rechtspopulismus. Die Sprache ist dabei kein Problem, sind sich alle einig: „Natürlich gibt es einige wenige, die noch nicht so gut Deutsch sprechen, weil sie vielleicht gerade erst nach Scheeßel gekommen sind, aber alle anderen sind sprachlich so weit, dass sie das Format verstehen“, weiß Schürmann. „Und viel zeigt sich über Mimik und Gestik“, ergänzt Göttert.

In ihrem Programm erzählen Kour, Foustok, Sheikho und Hamza ihre Geschichte: Sie kamen als unbegleitete Jugendliche nach Bremen, dort hat der Kabarettist sie unter seine Fittiche genommen. Beim Proben für „Songs, Poetry und Kabarett aus Aleppo, Bremen und Kobani“ lernten sie ganz nebenbei Deutsch. Eines dieser Stücke, „Aleppo“, erzählt einfühlsam von den Basaren der inzwischen zerstörten Stadt.

„Es ist eine tolle Kombination, die Pago Balke mit den jungen Männern erarbeitet hat: Da sind Geschichten, da sind Emotionen. Wir freuen uns daher, wenn Geflüchtete an dem Abend dabei sind und ein wenig aus ihrer Heimat hören“, sagt Braumüller. Zudem kann es ein schöner Einstieg sein, um an anderen Veranstaltungen teilzunehmen. „Es gibt einiges, was musikalisch ansprechend ist, aber sie gehen – aus welchen Gründen auch immer – nicht hin. Wenn die erste Hürde genommen ist, man dabei war, ist es das nächste Mal einfacher“, sagt Schürmann.

Wer ebenfalls noch eine Eintrittskarte zum regulären Preis für den Abend ergattern möchte, bekommt diese in der Buchhandlung Lesezeichen, in der Sonnenapotheke und an der Abendkasse.

Autor

Ann-Christin Beims Ann-Christin Beims
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 ann-christin.beims@rotenburger-rundschau.de

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