Vernissage bei Kaiserwetter auf dem Meyerhof in Scheeßel

Das „blaue Wunder“ erleben

Der Scheeßeler Musiker Thorsten Finner (von links), Kuratorin Birgit Ricke, die Künstlerin Christine Steyer, Nils Meyer vom Heimatmuseum und Uwe Wahlers vom Heimatverein bei der Eröffnung der Ausstellung auf dem Meyerhof. Fotos: Hans-Jörg Werth
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Scheeßel. Der veranstalterische Rahmen war gut gewählt, die Temperaturen auf dem freien Platz hinter dem Heimatmuseum Scheeßels angenehm, und die Gäste gut gelaunt und interessiert, was Christine Steyer als aktuelle Ausstellerin im Kunstgewerbehaus mit ihren „Fotografien in Blau“ ausdrücken möchte.

Cyanotypie ist das Stichwort, dahinter verbirgt sich eines der ältesten fotografischen Verfahren, das Steyer bereits seit vielen Jahren für sich entdeckt hat und neu in Szene setzt. „Die alte Magie, die dem Medium Fotografie von den frühesten Anfängen eingeschrieben ist, wird in meinen Arbeiten noch einmal lebendig.“

Bevor und nachdem die Scheeßeler Kuratorin Birgit Ricke ins Gespräch mit der Fotokünstlerin kam, sorgt der Rotenburger und Wahl-Scheeßeler Thorsten „Todde“ Finner mit seiner Gitarre für reichlich Applaus.

Die Besucher der Veranstaltung lernten dabei einiges Neue über die nicht allen geläufige Technik. Zum Beispiel, dass Anna Atkins, eine britische Naturwissenschaftlerin, diese Art der Fotografie im Jahr 1842 erst durch ihre Bücher bekannt machte, in denen sie Farne und andere Pflanzen mithilfe von Cyanotypien dokumentierte. Aufgrund dieser frühen Anwendung gelte Atkins als erste Fotografin, so Steyer. Die Reduktion von Farben und Details haben es der Künstlerin in ihrem aktuellen Wirken besonders angetan. „Matt sind die Cyanotypien, aber nie langweilig, monochrom aber voller Poesie“, erklärt sie. Auch Uwe Wahlers als Vorsitzender des Heimatvereins brachte seine Begeisterung für das nächste „blaue Wunder“ in Scheeßel zum Ausdruck und merkte dabei, was für ein Zungenbrecher der Begriff der Cyanotypie sein kann. Neben der Ausstellung Werke Steyers locke auch die Dauerausstellung zum Original Scheeßeler Blaudruck die Gäste auf den Meyerhof.

Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, in ihrer Begrüßungsrede auf den erfolgreichen Scheeßeler Blaudruck hinzuweisen, der als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit der UNESCO ausgezeichnet, ist und auf den man in Scheeßel zurecht besonders stolz sei. „Allen eine tolle Ausstellung mit interessanten Einblicken zur neuen Technik und ein Danke an den lieben Todde für den musikalischen Rahmen“, schloß Scheeßels Verwaltungschefin.

Einige fotografische Ausreißer im kleineren Format sind auch in der aktuellen Ausstellung zu sehen. Dort hat Steyer ein gelblicheres Fotopapier verwendet, das nach dem Kontakt im Wasserbad – nach den Regeln der Farbenlehre (blau und gelb gemischt) zu einem grünlichen Effekt geführt hat. Ein Experiment, das Steyer damit belassen will. Sie schwärme weiter für das typische Berliner Blau.

Am Ende ernteten alle Verantwortlichen viel Zustimmung, die Künstlerin zeigte sich „beglückt“ und freute sich „über die tolle Aufnahme in Scheeßel“. Für alle Interessierten bot sich die Möglichkeit, an kleinen Besichtigungsrunden im Kunstgewerbehaus in Vierergruppen teilzunehmen. Danach bedankten sich die Verantwortlichen mit Präsenten, darunter eine Blume für Steyer. Diese war – wie sollte es auch anders sein – in dem so typischen Blau ihrer Bilder gehalten.

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich die Cyanotypien anzuschauen: Die Ausstellung ist die vorletzte in diesem Jahr und noch bis zum Sonntag, 13. September, zu sehen. Geöffnet ist das Kunstgewerbehaus wie üblich samstags, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr und zusätzlich Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr.

Die Künstlerin ist zudem am morgigen Sonntag, 23. August, von 14 bis 17 Uhr im Kunstgewerbehaus anwesend. Besucher haben die Gelegenheit zur Begegnung und zum Gedankenaustausch mit Steyer.

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