Theater Spielart wagt mit „Nacht Mudder“ ernstes Thema

Niederdeutsche Bühne einmal anders

Jule (Kerstin Umierski) und Selma (Inske Albers-Willberger)
 ©Foto: Theater Spielart

Scheeßel (age). Ein besonderer Leckerbissen steht kurz vor der Premiere in der Scheeßeler Mühle. Mit dem Stück „Nacht, Mudder“ will das Theater Spielart zeigen, dass das Niederdeutsche Theater mehr anzubieten hat als Komödien.

Auch ernste Themen können auf Plattdeutsch präsemntiert werden- wie in dem Drama von Marsha Norman, welches Thomas G. Willberger ergreifend in Szene gesetzt hat. Die Premiere des Schauspiels in Scheeßel findet am Samstag, 27. April, um 19 Uhr statt. Bereits um 18 Uhr können sich die Besucher einfinden um sich in gemütlicher Runde mit Fingerfood und Getränken auf einen interessanten Abend einzustimmen. Nach der Aufführung, die rund 65 Minuten ohne Pause dauert, sollten die Besucher noch nicht nach Hause gehen. Das Ensemble mischt sich dann unter die Zuschauer und freut sich auf interessante Gespräche.

Zum Inhalt des Stückes: Das Niederdeutsche Zwei-Personenstück „Nacht, Mudder“ befasst sich mit dem Tabuthema „Selbstmord“. Wenn jemand freiwillig aus dem Leben scheidet, fragen wir uns warum? Vor diesem schrecklichen Dilemma steht Selma Carstens (Inske Albers-Willberger). Ihre Tochter Jule (Kerstin Umierski), die unter Depressionen leidet, hat angekündigt, dass sie sich vor Ablauf des Tages umbringen wird. Selma hält es erst für einen schlechten Scherz. Sehr schnell erkennt sie, dass ihre Tochter es ernst meint. Ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben treibt Jule an. Das Recht darauf eigenständige Entscheidungen zu treffen. Von der eigenen Mutter ist sie unverstanden und für nicht lebensfähig erklärt. Jule ist auf der Suche nach einem Ausweg, nach etwas, dass wirklich funktioniert. Jahre hat sie gewartet und gehofft, dass sich in ihrem Leben etwas Entscheidendes ändert – vergebens. Nun fühlt sie sich gut, hat ihre Epilepsie im Griff und bringt die Kraft auf, diesen letzten Schritt zu gehen. In ihrer Selbstlosigkeit organisiert Jule sogar Selmas Leben danach. Der Mutter soll es an nichts fehlen. Jule will einen sauberen Abgang.

Das Stück „Nacht, Mutter“ wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt und erhielt 1983 den Pulitzer-Preis in der Sparte Drama, außerdem den Susan-Smith-Blackburn-Preis, den Hull-Warriner Award und den Drama Desk Award. Aus dem Amerikanischen ins Niederdeutsche übersetzte Inske Albers-Willberger.

Der gemeinnützige Verein „Theater Spielart“ besteht aus einer Gruppe gleichgesinnter Theaterschaffender die sich aus professionellen und semi-professionellen Theaterfachleuten und an innovativer Theaterarbeit interessierten Amateuren. Vor knapp zwei Jahren entstand der Verein aus einer Weiter- und Fortbildungsmaßnahme des Landes Niedersachsen. Es ist das einzige Ausbildungstheater in Niedersachsen und ein überregional agierendes niederdeutsche Tourneetheater. Ziel ist es, eine qualitativ hochwertige niederdeutsche Produktion gerade im ländlichen Raum zu etablieren.

Neben der Premiere gibt es noch folgende Aufführungstermine: Samstag, 27. April, 19 Uhr, und Sonntag, 28. April, 15 Uhr, in der Scheeßeler Mühle. Karten gibt es für zehn Euro, Schüler und Studenten zahlen acht Euro in Scheeßel bei Büro & Buch Harmsen, in der Buchhandlung Lesezeichen sowie an der Abendkasse, sofern noch Karten vorhanden sind.

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