Stockbrot und Salat beim Kursende der Kinderakademie

Mädchen mit Messern

Mit Stockbrot vom Lagerfeuer stärkten sich die Teilnehmer zum Abschluss des Kurses. Fotos: Jens Lou00ebs
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Fintel. „Das ist der Blutkreis.“ Das junge Mädchen führt die scharfe Klinge am ausgestreckten Arm im weiten Bogen um sich herum. „Da darf kein anderer rein, sonst wird es gefährlich.“ Lächelnd steckt sie das Messer wieder weg. „Wenn ich es nicht benutze, muss es gut versteckt sein. Ich darf es ja nicht offen tragen und damit durch die Gegend laufen.“ Auf dem Gelände des Heimathauses hat sich eine Gruppe von Kindern um eine Feuerschale versammelt. Ungeduldig warten sie darauf, dass sie aus den Händen von Tom Gruß ihre Diplome erhalten. Alle haben sie in den vergangenen Wochen und Monaten hart auf dieses Ziel hingearbeitet, haben erst in der Theorie und dann auch in der Praxis den sicheren, aber vor allem auch den effektiven Umgang mit den Klingen gelernt.

„Wir haben von der Pike auf angefangen, mit so Kleinigkeiten wie zum Beispiel ,spitze Spitze‘“, erklärt Gruß, der den Schnitzkurs der Kinderakademie Fintel leitet. Diese Spitze habe er dann die Kinder weiter zu Zwergen entwickeln lassen. Rundungen und Kerben standen anschließend auf dem Programm, ehe als finales Werkstück ein eigenes Buttermesser aus Holz umgesetzt wurde. „Im fortgeschrittenen Kurs stellen wir dann Löffel her. Die werden in das Holz hineingebrannt.“ So lernten die Kinder, dass sie mit Feuer allerhand nützliche Dinge machen können, wenn sie es kontrolliert und vorsichtig anwenden.

Bedingt durch das Coronavirus ging der Kurs in diesem Jahr über mehrere Monate. Unterstützung erhielt Gruß während dieser Zeit von Petra Flamman und Beeke Feldmann. Während Flamman ihm auch im Fortgeschrittenen-Kurs zur Seite steht, verabschieden Gruß und die Kinder Feldmann an diesem Tag, da sie sich nach den Sommerferien ganz auf ihr Abitur konzentrieren möchte. Sie selbst sei als Kind bereits begeistert in die Kinderakademie gegangen, so Feldmann. „Als die Leitung mich vor ein paar Jahren ansprach, ob ich mithelfen möchte, war ich gleich dabei.“ Nun aber werde die Zeit neben der Schule knapp, und auch der Lernstoff sei mehr geworden. „Da habe ich leider nicht mehr die Zeit, hier noch mitzumachen“, meint Feldmann. Neben den Kindern bedankt sich auch Marita von Fintel, Leiterin der Kinderakademie, mit einem kleinen Präsent bei der scheidenden Schülerin für die engagierte und selbstlose Mitarbeit der vergangenen Jahre.

Zum Ursprung des Schnitzkurses erklärt Gruß: „Wir hatten das Phänomen, dass es beim vorletzten Sommerfest Kinder gab, die gesagt haben, sie könnten keine Tomaten schneiden, weil sie zum Einen kein Messer anfassen dürften und zum Zweiten auch nicht wüssten, wie so etwas ginge.“ Da habe er dann mit den anderen Verantwortlichen gesprochen, dass das so kein tragbarer Zustand sei und man reagieren müsse. So sie die Idee des Schnitzkurses geboren worden. „Ich hab dann auch immer gehört: ,Ja, Schnitzmesser, die sind doch auch scharf. Ist das nicht gefährlich?‘ Nein, ein stumpfes Messer ist gefährlich, aber kein scharfes.“ Zudem ist mit Gruß ein ausgebildeter Ersthelfer vor Ort, der auch allles relevante Material für die Erstversorgung dabei hat. „Verbandsmaterial für Schnittwunden und alles, was so anfallen kann, habe ich stets mit im Rucksack. In diesem Jahr mache zudem noch eine Fortbildung zur Ersten Hilfe im Outdoor-Bereich, sodass ich auch dort gleich helfend zu Stelle sein kann“, erklärt der Kursleiter.

Insgesamt gäbe es eher weniger Leute, die Angst um die Sicherheit der Kinder oder Zweifel an dem Kurs hätten. „Die Idee ist sehr gut angenommen worden, die Kurse sind meist innerhalb der ersten paar Tage nach Anmeldungsbeginn ausgebucht. Auch jetzt habe ich schon wieder Wartelisten für den neuen Anfängerkurs.“ Der Folgekurs sei immer begrenzt auf die Teilnehmer, die den ersten Kurs besucht haben. „Wir machen das nicht so wie bei der Führerscheinprüfung, dass man irgendetwas bestanden haben muss, aber sie müssen den Anfängerkurs wenigstens besucht haben.“

Dabei ginge es in erster Linie auch darum, die wichtigsten Regeln des Schnitzens zu verinnerlichen. „Wir arbeiten hier schließlich mit scharfen Klingen. Aber die meisten Kinder können die Regeln bereits nach wenigen Tagen auswendig.“ Bei der anschließenden Fragerunde bestätigen dann die Teilnehmerinnen auch seine Vermutung.

• „Wenn man schnitzt, muss man so schneiden.“ Die Hand des Mädchens führt vom Bauch weg. „Sonst geht das Messer hier einfach in den Bauch.“

• „Man darf auch nicht mit dem Messer laufen.“

• „Wenn man das Messer nicht benutzt, muss man es entweder einklappen oder zurück in die Hülle stecken.“

• „Wenn wir mit dem Schnitzen anfangen, muss die Sicherung rein.“

Offiziell geht der Kurs immer über zwei Stunden, aber konzentriert am Werkstück werde nur in der ersten Stunde gearbeitet. „Bis zum Glockenschlag, also bis 16 Uhr, schaffen es die Kinder sich auf das Schnitzen zu konzentrieren“, erklärt Gruß. Danach sei eine Essenspause und anschließend spielten die Kinder auf dem Gelände hinter dem Heimathaus. „Da ist die Konzentration dann raus.“ Gruß, der von Haus aus Tischler ist, gibt mit einem Schmunzeln zu, dass er sich bei der Einschätzung der handwerklichen Möglichkeiten der Kursteilnehmer etwas überschätzt hat. „Ich bin von meinen eigenen Fähigkeiten ausgegangen, musste jetzt aber feststellen, dass wir meinem eigenen Zeitplan etwas hinterherhinken.“ Erfahrungen, die er beim nächsten Anfängerkurs im kommenden Januar berücksichtigen werde.

Zurück zum Blutkreis: Gruß fühlt dem Mädchen noch einmal auf den Zahn: „Was kann passieren, wenn jemand diesen Kreis betritt?“ „Na, dann schneide ich ihn, und dann blutet er“, ist die lapidare Antwort der jungen Kunsthandwerkerin.

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