Scheeßel: Eltern missgestimmt über Verhalten der Gemeinde

„Kein Kind heimschicken“

Keine Viertelstunde nachdem die Eltern die Plakate aufgehängt hatten, nahm die Verwaltung sie wieder ab. Foto: Ulla Heyne
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Scheeßel (jl). „Wir haben Glück, dass wir einen toleranten Arbeitgeber haben, der Verständnis für die Situation hat. Aber das Verhalten von Seiten der Gemeinde ist mir unverständlich“, erklärt Bastian Strobel, dessen Kinder in die Kita Rappelkiste in Jeersdorf gehen. Was Strobel und die anderen Eltern der Gemeinde Scheeßel ärgert, ist die Tatsache, dass man sie bezüglich der Notbetreuung ihrer Kinder in der Schwebe hält.

„Da gibt es keine genaue Aussage, obwohl die Kitas seit dem 11. Januar wieder Betreuung hätten anbieten sollen. So kann keiner von uns sinnvoll planen.“ Mitte Dezember sei die Leitung der Einrichtung auf ihn und die anderen Eltern zugekommen. „Aufgrund des Personalnotstandes hat man angefragt, ob einige Eltern eventuell ihre Kinder zuhause lassen könnten.“

Es hätten sich damals spontan einige Eltern zusammengeschlossen, um die Betreuung der Kinder zu organisieren. „Wir hatten ja aller Verständnis für die Situation und wollten mithelfen, die Einrichtung zu entlasten“, so Strobel weiter. Nach den Feiertagen, am 4. Januar, habe er dann in der Einrichtung angerufen, um zu erfahren, wann es denn losgehen solle. „Da hat man mich nur vertröstet und gesagt, man wisse selbst noch nicht, wie es weitergehen soll.“ Erst am 6. Januar habe die Gemeinde auf Nachfrage angegeben, dass sie nun über das weitere Vorgehen Bescheid wisse. „Am Samstag, 9. Januar, kamen dann die Anträge für die Notbetreuung per Post an, dabei sollte die ja bereits am 11. Januar beginnen“, erklärt Strobel verärgert. Den Eltern, die schon vorab Bescheinigungen vom Arbeitgeber eingereicht hätten, hätte die Gemeinde geantwortet, sie könne nur die eigenen Formulare bearbeiten. Deswegen seien viele Eltern – auch aus anderen Kitas – am Montag vor die Verwaltung gezogen und hätten Plakate am Zaun des Sportgeländes gegenüber aufgehängt. „Da hat die Gemeinde dann sehr schnell reagiert und die Plakate wieder entfernt, kaum dass sie angebracht waren.“ Auch in den sozialen Medien erntet diese Aktion der Verwaltung Verwunderung und Spott. „Man müsste sich ja ständig sein eigenes negatives Arbeitszeugnis in Form der Plakate ansehen, das will man wohl nicht. Peinlich“, kommentiert ein Nutzer dieses Vorgehen auf Facebook. Stefan Behrens, Allgemeiner Stellvertreter der Bürgermeisterin in Scheeßel, versteht den Ärger der Eltern: „Da hat unsere Kommunikation nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Natürlich gebe es weiter eine Notbetreuung, so wie schon in der Zeit seit Mitte Dezember. „Da die Entscheidungen von Bund und Land in der vergangenen Woche so kurzfristig verlautbart wurden, wussten wir, dass wir nicht rechtzeitig mit der Einrichtung einer offiziellen Notbetreuung fertig werden würden.“ Deswegen habe man sich intern darauf geeinigt, die freiwillige Notbetreuung der Gemeinde so weiter laufen zu lassen, wie es seit Dezember gehandhabt worden sei. „Leider haben wir das nicht richtig oder nicht vollständig an die Eltern kommuniziert. Aber kein Kind wird von uns wieder nach Hause geschickt“, so Behrens, der sich im Namen der Gemeinde für die missglückte Kommunikation bei den Eltern entschuldigt. Die Ansage mit den hauseigenen Formularen, die als einzige bearbeitet würden, lässt Behrens dagegen so nicht stehen. „Wir bearbeiten alle eingereichten Anträge und Formulare. Aber wenn die nötigen Informationen seitens des Arbeitgebers fehlen, dann können wir üben den Antrag so nicht entscheiden.“ Sollten aber alle nötigen Daten vorhanden ein, dann werde dem auch Rechnung getragen, egal, in welcher Form das Schreiben eingereicht sei. Letztlich säße die Gemeinde auch irgendwie zwischen den Stühlen, „Auf der einen Seite möchten wir Sorge tragen, dass die Kinder der Gemeinde betreut werden und die Eltern entlastet sind. Auf der anderen Seite haben wir aber auch Verantwortung für unsere Mitarbeiter in den Kitas.“ Er betont: „Wir müssen aus der Situation die richtigen Schlüsse ziehen, und eine raschere und zuverlässigere Kommunikation mit den Eltern sicher stellen.“ Dafür sei es aber auch notwendig, dass die Einrichtungen über die notwendigen Daten der Eltern verfügten. „Da werden wir noch einmal auf die Eltern zugehen müssen“, so Behrens. So könne einer solchen Verstimmung in Zukunft vorgebeugt werden. Als Strobel seine Kinder bald darauf zur Kita bringt, erlebt er die nächste Überraschung: Entgegen der Aussagen aus dem Rathaus wird sein ältestes Kind von der Kita wieder heim geschickt. „Zudem hatten wir für unsere beiden Kinder unterschiedlich Antworten auf die Anträge erhalten. Während für mein jüngeres Kind der Antrag angenommen wurde, lehnte die Gemeinde den Antrag für den Älteren ab.“ Für Strobel ergibt das Vorgehen keinen Sinn. „Nur für ein Kind eine Notbetreuung anzubieten während das andere zuhause bleiben muss? Wie sollen die Eltern denn da wieder zur Arbeit gehen können?“ Auch Behrens kann sich das Vorgehen der Kita nicht erklären. „Vorschulkinder bekommen bevorzugt einen Betreuungsplatz, so viel ist klar. Dass aber das ältere Kind nach Hause geschickt wird, kann ich mir nicht vorstellen.“ Eine Kita, die in der Notbetreuung ein Kind heimschickt, könne nicht im Sinne der Gemeine sein, meint Strobel. Die Gemeinde werde der Sache nachgehen, damit gemeinsam mit Kitas und Eltern an einer Lösung gefeilt werden könne, die alle zufriedenstelle, so Behrens.

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