Scheeßel: 1,2 Millionen Euro für schulische Digitalisierung

„Attacke und Vollgas“

Große Monitore gehören schon zum Alltag in der Beeke-Schule, am WLAN hapert es noch.
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Scheeßel. Gerade hat er die IT-Infrastruktur der Gemeinde nach dem Umzug zurück ins Rathaus unter Dach und Fach, schon wartet auf Christian Heinzel, seit November IT-Experte der Gemeinde, das nächste Mammutprojekt: Es ist 1,2 Millionen Euro schwer und heißt „Digitalisierung der Schulen“.

Den Anstoß gegeben hatte der 2019 vom Bund ins Leben gerufene Digitalpakt, der die Aufstellung der Schulen mit einer Fördersumme von insgesamt fünf Milliarden Euro vorantreiben soll – Gelder, die zum großen Teil noch nicht abgerufen sind. Und das aus gutem Grund, ist das von den Schulträgern vorzulegende Konzept doch nicht mal eben zu stemmen, ebenso wie die Eigenleistung. Im Fall der Scheeßeler Gemeinde sind für Beeke- und Grundschule zusammen 935.000 Euro veranschlagt, wie die Umsetzung eines von den Schulträgern des Landes gemeinsam entwickelten Medienentwicklungsplans ergab. Und die fließen, wie Heinzel erläuterte, zunächst einmal in die Bereitstellung eines schnellen Internets. Das ist ganz im Sinne von Schulleiter Sven Borstelmann: „Wir konnten froh sein, dass die Schüler in der letzten Zeit viel zuhause waren – mit unserem schuleigenen WLAN hätte das nicht funktioniert!“ Für ihn ist die Vernetzung wichtiger als die nachgeordnete, für 2022 geplante Anschaffung von Endgeräten: „Welches Betriebssystem man dann nimmt und welche Farbe die Geräte haben, ist nicht so entscheidend.“ Während die Beeke-Schule auf „iserv“ als Schulserver setzt, vertraut die Grundschule auf die Bildungs-Cloud des niedersächsischen Ministeriums.

Auch Schulleiterin Meike Nerding-Ehlbeck begrüßt das Vorhaben prinzipiell, auch wenn der Schlüssel 1:2, also ein Endgerät auf zwei Schüler, in Zukunft möglicherweise nicht ausreiche: „Wenn das so weitergeht mit den Lockdowns, müssten wir bald eher 1:1 anpeilen.“ Was ihr fehlt, sind die vom Bund schon vor vielen Monaten in Aussicht gestellten Endgeräte für Lehrer. Dies sei aus Datenschutzgründen nicht mal eben so zu realisieren, wandte Cord Gerken, Besucher der öffentlichen Sitzung des Schulausschusses und medienpädagogischer Beratern des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung für mobiles Lernen ein. „Auf Dienstgeräten muss der Datenschutz gewährleistet sein, da sie sensible Daten enthalten.“ Den Einwand von Gemeindevertreter Stefan Behrens, ihm seien Vorbehalte aus der Lehrerschaft in puncto bestimmter Software oder eigener dienstlicher E-Mail-Adressen zu Ohren gekommen, mochte Nerding-Ehlbeck nicht so stehenlassen: „Wenn die Geräte da sind, dann benutzen wir sie auch!“ Am Ende fand der Antrag von Arthur Lempert, Fraktionsvorsitzender der Grünen, die Geräte zunächst aus der Gemeindekasse zu finanzieren und auf eine nachträgliche Erstattung aus landesmitteln zu hoffen, eine knappe Mehrheit.

Einig war man sich im Schulausschuss in den grundsätzlichen Punkten, nämlich, dass das Programm viel zu spät komme, wie Reinhard Frick monierte. Wie alle Redner sieht er den Digitalpakt und die Investitionen durch die Gemeinde nur als Initialzündung: „Für mich ist das nur der Startpunkt in den nächsten Schritt!“ Dem pflichtete Gerken bei: „Ihnen ist schon klar, dass es mit einmaligen Investitionen nicht getan ist, sondern in dieser Größenordnung weitergeht?“ Johannes Hillebrand (SPD) plädierte dafür, „die Eltern mit ins Boot zu holen, um das Konzept auch langfristig mit Leben zu füllen.“

Ein Thema, das Behrens, Borstelmann und auch Gerken auf den Nägeln brennt, ist der spätere technische Support. Hier sieht Behrens das Land in der Pflicht. Gerken wies jedoch darauf hin, dass Selbiges sich in diesem Punkt selbst „gut bis sehr gut aufgestellt“ sehe, „bei vielen Landkreis-Schulen ist er jedoch mangelhaft, die Schulen werden allein gelassen.“ – eine Einschätzung, die Borstelmann so bestätigte. Er plädierte dafür, sich nicht auf Hannover zu verlassen, sondern selbst proaktiv zu werden, „also bitte Attacke und Vollgas!“

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