Orga-Team enttäuscht von Politik

Aus fürs Festival

Live-Musik wird es auch diesen Mai in Scheeßel nicht geben: Das "Mit Freunden"-Festival fällt einmal mehr aus.
 ©Ulla Heyne

Scheeßel (uh). Es sollte ein kultureller Leuchtturm werden, ein emotionales Signal, ein Zeichen, dass Kultur doch möglich ist in diesen Zeiten. Nun haben die Organisatoren des Scheeßeler „Mit Freunden“-Festivals den Stecker gezogen: Nach 2021 fällt auch die diesjährige Ausgabe des als „Heimatfestivals“ etablierten Auftakts in die Festivalsaison im Mai aus.

Dabei mangelte es den Organisatoren nicht an guten Ideen, wie eine Großveranstaltung mit zuletzt mehr als 1.000 Besuchern trotz Corona möglich sein könnte. Einige der musikaffinen ehrenamtlichen Veranstalter hatten sich bereits im Vorjahr bei anderen Festivals umgesehen und mit Unterstützung des Deutschen Roten Kreuzes Rotenburg und einer Scheeßeler Apotheke ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Das setzt auf Schnelltests, Fiebermessen und vor allem, wie beispielsweise bei Ferdinands Feld im vergangenen Sommer praktiziert, auf Abstand. „Durch die Einteilung in vier Bereiche à 250 Besucher hätten wir die Ansteckungsgefahr eingedämmt und eine gute Nachverfolgbarkeit gewährleistet“, erläutert Booker Florian Hastedt. Diese Skalierbarkeit sei weiter fortsetzbar gewesen, „bis zu Segmenten von zwei, vier oder zehn Personen – das wäre zwar ein brutaler Aufwand gewesen, aber wir hätten es möglich gemacht!“

Dass das Risiko einer Ansteckung, noch dazu im Freien, nach Ansicht der Organisatoren wesentlich geringer ausgefallen wäre als ein Supermarktbesuch oder ein Mallorca-Flug – diese Argumente bleiben ungehört. Denn der Kontakt, den die Veranstalter im Schulterschluss mit vielen anderen niedersächsischen Festivals kleiner und mittlerer Größe mit den Entscheidern auf politischer Ebene suchten, unterblieb. „Es gab am Ende nicht mal konkrete Gespräche oder Feedback auf unser Konzept. Wir sind super enttäuscht und traurig“, fasst es Mitstreiterin Jessica Brockmann zusammen. „Jeder verweist auf wen anders, keiner gibt der Kultur eine Perspektive.“ Sie ist überzeugt: „Festivals sind ein emotionaler und freier Raum, der den Menschen eine Auszeit aus dem Alltag ermöglicht. Nach über einem Jahr Corona wird Kultur weitestgehend nicht beachtet, dabei sind gerade kulturelle Veranstaltungen super wichtig für das Wohlbefinden vieler Menschen.“

Nun können die unter anderem vom Landschaftsverband Stade und der Rotenburger Kulturbehörde zugesagten Fördergelder, mit denen auch Soloselbstständige unterstützt worden wären, nicht ausgegeben werden. Hastedt und seine Mitstreiter sind dankbar, dass so viele Gäste ihre Tickets behalten oder neue gekauft hätten, einige sogar freiwillig mit einem Obolus; „wir hoffen, somit die steigenden Kosten in 2022 decken zu können.“ Weiterhin angedacht sei eine Crowdfunding-Aktion, um die jährlichen Kosten des Vereins zu tragen. Ein Termin für die nächste Auflage, zu der die Eintrittskarten weiterhin ihre Gültigkeit behalten, sei noch nicht gefunden. Das Ziel: Möglichst viele der avisierten Bands dabei zu haben.

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