Online-Blaudruck-Rundgang eröffnet neue Sicht auf Beekeort

Kühe im Weberhaus

Der neue Gemeinderundgang ist ganz einfach online abrufbar und so auch individuell und corona-konform möglich. Foto: Ulla Heyne
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Scheeßel. 15 Engel sind im Gebälk der Sankt-Lucas-Kirche versteckt, im heutigen Weberhaus wurden früher Kühe gehalten und der Felsenkeller unter dem Blaudruckspeicher diente im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker: Diese und mehr Fakten kennt wohl nicht jeder Scheeßeler über seine Heimat, und schon gar kein auswärtiger Besucher. An beide Zielgruppen richtet sich der neue Blaudruckrundgang des Heimatvereins, der den interessierten Besucher von der Kirche über Rathaus, Meyerhof und Heimathausgelände bis zur Amtsvogtei führt, wo der Spaziergang durch den Kernort endet. Zu jeder der 18 anzulaufenden Stationen bietet der Verein Informationsmaterial, das der Besucher online abrufen kann.

Unter www.heimatmuseum-scheessel.de/museum/blaudrucktour findet der Interessent in modernem Design und freundlichen Farben eine Übersicht über die sechs anzulaufenden Orte. Ein Klick, und man taucht ein ins handy-optimierte Infotainment: Ein Banner zeigt durchlaufend aktuelle und historische Fotos des betreffenden Ortes. Die Beschaffung und Auswahl der Fotos seien bei der Projektrealisierung denn auch der größte Pferdefuß gewesen, erinnert sich Museumsdirektor Nils Meyer. Die Informationen sind in drei Sprachen verfügbar: Hochdeutsch, Englisch und Platt. Wer nicht selbst lesen will, klickt die entsprechende Audio-Datei von ein bis drei Minuten Länge an – ein Tribut an die ursprüngliche Planung, die Tour für Audio-Leihgeräte wie in anderen Museen anzubieten. Dieser Plan wurde zugunsten der webbasierten Lösung verworfen – „nicht nur wegen Corona, sondern auch, weil es mit der Ausgabe und Rückgabe der kostspieligen Technik schwierig geworden wäre“, so Meyer. Eingesprochen wurde die hochdeutsche Version vom Scheeßeler Urgestein Klaus Witte, „der hatte durch unsere Youtube-Videos schon einiges an Erfahrung“, schmunzelt Meyer. Und auch für die plattdeutsche Variante musste der Verein kein Geld in die Hand nehmen: Sie wird vom Vereinsvorsitzenden Uwe Wahlers gesprochen.

Neben einem historischen Abriss und praktischen Infos wie Öffnungszeiten erfährt der geneigte Leser/Hörer, idealerweise mit Kopfhörer (gerade an straßennahen Stationen erschwert der Verkehr das Hören über Handylautsprecher), allerlei „Fun Facts“. Etwa, dass die Marmorsäulen in der Kirche in Wirklichkeit bemaltes Holz sind oder dass im heutigen Weberhaus ursprünglich Kühe gehalten wurden.

Dass es überhaupt zu diesem coronagerechten und kostenlosen Angebot kam, ist dem Vorstandsentschluss des Heimatvereins zu verdanken. Auch dafür, dass der Eintritt zur Blaudruckausstellung weiterhin gratis bleibt, zeichnet sich der Verein verantwortlich. „Dadurch entfiel der Posten für die bereits eingeplanten Kassensysteme – Gelder, die wir gut umwidmen konnten“, so Meyer. Insofern sei bei der Umsetzung Eile geboten gewesen, „denn das Projekt musste bis zum Jahresende abgeschlossen sein.“ Ursprünglich sei ein größerer Rundgang vom Bahnhof bis zur Mühle angedacht gewesen, „das ließ sich mit diesem Finanzrahmen jedoch nicht verwirklichen.“ Auch die Beschränkung darauf, welche Orte letztlich dabei sein sollten, sei nicht ganz ohne gewesen. Letztlich gab, bis auf Rathaus und Kirche, der Bezug zum Blaudruck den Ausschlag. So erfährt der Besucher, dass das heutige Kaufhaus Kolkmann der ursprüngliche Standort der damaligen ersten Blaudruckerei und Färberei Crone war. Das zweite Gebäude, die Blaudruckerei Müller in der Zevener Straße, steht nicht mehr. „Hier sind wir mit dem Eigentümer im Gespräch, um eine größere Infotafel mit historischen Bildern aufstellen zu dürfen“, so Meyer. Alle anderen Anlaufpunkte werden in den nächsten Wochen mit Plaketten oder Aufklebern gekennzeichnet. Darüber hinaus träumt Meyer bereits von einer Erweiterung der Tour auf gut doppelt so viele historische Stationen: „Dann sollten die Geburtshäuser von Heinz Fehling und Ernst Müller-Scheeßel mit dabei sein.“

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