„Mit Freunden“-Festival fordert von Politik Planungssicherheit

„Den Stecker ziehen“

Ob und in welcher Form es in diesem Jahr ein "Mit Freunden"-Festival gibt, steht noch in den Sternen.
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Scheeßel. Das Line-Up steht, die neue große Fläche mit mehr als doppelt so viel Platz für die Besucher wie bisher ist gefunden und ein Hygienekonzept bei der Gemeinde eingereicht. In trockenen Tüchern ist das „Mit Freunden“-Festival, besser bekannt unter dem bisherigen Namen „Heimatfestival“, aber noch lange nicht.

Was Florian Hastedt, einem der Gründer des Festivals, der sich als Booker ehrenamtlich um die Buchung der Bands kümmert, fehlt, ist Planungssicherheit. „Wenn wir bis Ende März keine konkreten Vorgaben aus Hannover haben, müssen wir den Stecker ziehen“, so seine bittere Erkenntnis, „das finanzielle Risiko für uns alle ist einfach zu hoch.“ Seit Anfang Januar sind die Organisatoren des Scheeßeler Festivals Mitglied einer Arbeitsgruppe kleiner und mittlerer niedersächsischer Festivals mit bis zu 15.000 Besuchern pro Tag. Sie alle treiben die gleichen Sorgen um: „Die Konzepte stehen, aber ob wir Bands buchen können und unter welchen Voraussetzungen die Veranstaltung stattfinden kann, ist noch völlig unklar.“ Wie die mehr als 30 Unterzeichner anderer Festivals würde auch er sich wünschen, dass die Branche in Entscheidungsprozesse einbezogen wird. „Aktuell hat man nicht mit uns gesprochen – einige haben Förderungen bekommen, aber die konkreten Grundlagen für eine Planung fehlen.“ Dabei wäre ihm wichtig, dass – wie nach dem derzeitigen Stufenplan vorgesehen – nicht nur die Inzidenzwerte berücksichtigt würden, sondern auch das konkrete Infektionsschutzkonzept.

Das Konzept für das kleine Festival an der Beeke mit durchschnittlich 1.000 Besuchern ist in Kooperation mit dem DRK und der Beeke-Apotheke als Fachleuten in Gesundheitsfragen entstanden und setzt auf Schnelltests, Nachverfolgbarkeit und viel Platz. Hastedt ist überzeugt, dass dies funktionieren kann: „Tragfähige Studien der letzten Saison haben gezeigt, dass solche Veranstaltungen bei ausreichender Belüftung sehr wohl möglich sind – und wo wäre mehr frische Luft als bei einem Open Air?“ Statt des bisherig kalkulierten Raums von zwei Besuchern pro Quadratmeter stünde dank der neuen Location jedem Zuhörer etwa der siebenfache Platz zur Verfügung.

Der enorme finanziellen Aufwand durch die zusätzlichen Hygienemaßnahmen wie Hygienespender, Plexiglasscheiben und mehr Dixi-Toiletten könnte, so hofft er, durch zusätzliche Förderungen gestemmt werden. Vom Arbeitskreis, der unlängst einen Brandbrief ans Ministerium, Politiker, Presse und Entscheidungsträger geschickt hat, erhofft er sich neben dem inhaltlichen Austausch auch eine größere Lobby: „Wir wollen als Teil des Kulturbetriebs einfach nur Gehör!“ Niedersachsen sei „so ziemlich das einzige Bundesland, wo das so gut wie gar nicht funktioniert“, so seine Kritik. Ebenfalls in der Diskussion ist die Erstattung von Auslagen bei Absage des Festivals. „In Mecklenburg-Vorpommern übernimmt das Land 90 Prozent – warum können bei uns nicht ähnliche Förderprogramme aufgelegt werden?“ Als ehrenamtlich und gemeinnützig organisierte Veranstaltung ist die finanzielle Decke dünn, die Bildung größerer Rücklagen verbietet der Gesetzgeber. Der Wunsch für die Zukunft? „Dass von offizieller Seite nicht zu lange mit den Entscheidungen gewartet wird!“

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