Maximilian Jérôme Wagner aus Stemmen erhält Ehrenkreuz der Bundeswehr

Ausgezeichneter Ersthelfer

Mit Ehrenkreuz und Urkunde ausgezeichnet: Soldat Maximilian Ju00e9ru00f4me Wagner kam einem Unfallopfer zu Hilfe. Foto: Warnecke
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Stemmen – Den 7. Oktober 2021 wird Maximilian Jérôme Wagner ganz sicher nicht mehr so schnell vergessen. Es ist ein Donnerstag. Der in Stemmen wohnhafte Soldat ist im Auto unterwegs in Richtung Hamburg. In der Hansestadt studiert der 27-Jährige an der Helmut-Schmidt-Universität, einer von deutschlandweit zwei Bundeswehr-Hochschulen. In der Kaserne soll eine militärische Veranstaltung stattfinden. An der muss er teilnehmen. Dafür trägt er schon die Uniform. Auf der A 1 bei Dibbersen bremst Wagner noch weit vor einem Stauende ab. Kaum dass der junge Mann hinter der Fahrzeugkolonne zum Stehen kommt, passiert es: „Plötzlich hörte ich es hinter mir Krachen und Quietschen“, erinnert er sich. Im Rückspiegel sieht der Stemmener, wie unmittelbar hinter ihm mehrere Autos miteinander kollidieren. Wagner bleibt an dem Auffahrunfall unbeteiligt. Gerade noch so eben.

Was danach passiert, hat ihm das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber eingebracht – mit Rotem Rand. Und eine handsignierte Urkunde von Christine Lambrecht, der Bundesverteidigungsministern. Diese Auszeichnung, sagt der Soldat, sei bisher weniger als 400 Mal in der Bundeswehr verliehen worden. „Und für mich stellt sie natürlich eine große Ehre dar.“ Dabei, betont er, habe er als Ersthelfer nur seine Pflicht am Unfallort getan – nicht mehr und nicht weniger.

Wagner sieht, dass ein Großteil der Beteiligen schon eigenständig aus ihren Autos ausgestiegen sind. „Ich fragte die Leute, ob sie verletzt seien, und bat sie darum, hinter die Leitplanke zu gehen.“ Prompt übernimmt er die Koordinierung, bittet jemanden, den Notruf abzusetzen und wieder jemand anderen, die Unfallstelle abzusichern. So, wie es der 27-Jährige, der auch in der Freiwilligen Feuerwehr in Stemmen aktiv ist, es kurz zuvor erst wieder in einem Erste-Hilfe-Auffrischungskurs für die Brandschützer gelernt hat.

Schnell wird der gebürtige Bonner, der seit sieben Jahren beim Bund ist, auf einen älteren Mann aufmerksam, der alleine in seinem Fahrzeug hinter dem ausgelösten Airbag sitzt – offenbar unter Schock. „Der hat immer nur geradeaus nach vorne gestarrt, war aber ansprechbar“, schildert es Wagner. Noch bevor er sich dem Mann zuwendet, eilt er zurück zu seinem Auto und holt einen Feuerlöscher. „Denn der Innenraum des Wracks war total verqualmt – da wollte ich doch besser auf Nummer sicher gehen.“ Also bittet er einen Passanten, das Gerät im Brandfall auszulösen. Über die hintere Wagentür gelangt er zu dem Verletzten, erspäht eine stark blutende Wunde an dessen Kopf. Wagner: „Er muss bei dem Aufprall wohl seitlich gegen die Innenwand geknallt sein.“ Der Stemmer greift in seinen Erste-Hilfe-Kasten zu Verbänden, um so die Blutung zu stillen. „Gott sei Dank sind dann auch schon relativ schnell die Rettungswagen und der Hubschrauber gekommen.“

Die Einsatzkräfte erkennen den Uniformierten als Soldaten – und bitten ihn, gemeinsam mit dem Huschrauberpiloten die Trage für den Verletzten fertigzumachen. „Und selbstverständlich habe ich noch weiter unterstützt.“ An der Militär-Veranstaltung habe er daraufhin nicht mehr teilgenommen – nach telefonischer Rücksprache mit seinem Dienstvorgesetzten durfte er nach Hause fahren. „Den Mann habe ich danach nicht wiedergesehen, wie die Polizei mir ein paar Tage später aber mitteilte, habe er trotz seiner schweren Verletzungen den Unfall überlebt, was mich natürlich sehr gefreut hat.“

Und dann zieht er das schmucke Ehrenkreuz, das er sein Eigen nennen darf, aus der Schublade hervor. Ende März ist es ihm feierlich überreicht worden – im Rahmen eines Antretens des Bataillons.

Sein Chef habe sich beim Bundesministerium für die Auszeichnung stark gemacht – „weil ich zum Zeitpunkt des Unfalls öffentlichkeitswirksam die Bundeswehr vertreten und über meine Pflicht als Ersthelfer hinaus gehandelt habe, lautete seine Begründung.“

Die Auffrischung in Erster Hilfe, die er einen ganzen Tag lang bei der Feuerwehr erhalten habe, sei ihm jedenfalls beim eigenen Handeln an jenem 7. Oktober zuträglich gewesen. „Da war ich noch total drin“, meint der Soldat, der nunmehr am Ende seines Masterstudiums steht und den es bereits in wenigen Tagen nach Katar verschlägt – zu einem Praktikum in der Deutschen Botschaft.

lw

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