Marvin Hendrik Schönfeld ist erster Azubi in der Kläranlage - Von Ann-Christin Beims

„Nicht zimperlich sein“

Marvin Hendrik Schönfeld (links) und sein Ausbilder Markus Großmann machen regelmäßige Kontrollen auf dem Gelände der Kläranlage. Foto: Ann-Christin Beims
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Scheeßel. Für jemanden, der das erste Mal eine Kläranlage betritt, ist der Geruch gewöhnungsbedürftig, Marvin Hendrik Schönfeld jedoch kann darüber mittlerweile nur lächeln. Für den 19-Jährigen gehört der Odor zum Alltag, denn er ist seit einem Jahr der erste Auszubildende als Fachkraft für Abwassertechnik in der Gemeinde Scheeßel.

Seit 1968 sorgt die Kläranlage für sauberes Wasser im Beekeort und umzu. Zwei Mitarbeiter kümmerten sich vorher sich darum, dass alles reibungslos abläuft. Zur Freude von Kläranlagenleiter Marcus de Vries und Fachkraft Markus Großmann gehört seit mehr als zwölf Monaten ein Azubi zum Team. „Der Bedarf war da, und wir sind qualifiziert, Nachwuchs auszubilden“, erklärt Großmann. Das einzige, was derzeit auf der Anlage in Scheeßel fehlt, ist ein Faulturm für die Ausbildung. Das ist aber kein Problem, da Scheeßel in Kooperation mit Lauenbrück und Rotenburg arbeitet und Schönfeld dort tageweise ebenfalls dazulernt.

Und sein Job ist nicht ohne – entgegen der oft landläufigen Meinung, erzählt der 19-Jährige. „Natürlich gibt es Vorurteile und auch mal dumme Sprüche, vor allem unter Jugendlichen. Die wissen meist gar nicht, was man da alles macht und wissen muss“, sagt Schönfeld, der über eine Ausschreibung in der Zeitung auf die Stelle aufmerksam geworden ist. Er hatte einen Praktikumstag auf der Kläranlage absolviert und sich dabei die Aufgaben genau angesehen. „Noch vor zwei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich diesen Beruf einmal lerne“, gibt er zu. „Aber die Schwerpunkte in den Naturwissenschaften, die mir in der Schule schon Spaß gemacht haben, sind auch hier gefragt – bis auf Mathe“, sagt Schönfeld und grinst. Das viele den Beruf unterschätzen, hat er in der Berufsschule in Goslar gemerkt. „Es sind ein paar Leute ausgestiegen, denen das zu hoch war.“

Dass sein Job zu den Umweltschutzberufen gehört, gefällt dem Jeersdorfer gut. „Umweltschutz fand ich schon immer toll, auch wenn ich erstmal etwas blind in den Beruf getreten bin und mich mit der Ausschreibung dann richtig informiert habe.“

Vielseitig ist das Wort, dass sein Aufgabengebiet wohl am ehesten beschreibt. „Ich bin am Ende auch Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten“, erzählt der Azubi. Innerhalb eines gewissen Rahmens kann er Fehler suchen und diese beheben. Zu seinen täglichen Aufgaben gehören außerdem Wasseranalysen im Labor, die Wartung der Pumpwerke und natürlich, die Kläranlage in Schuss zu halten – und da darf man nicht zimperlich sein. „Ich hatte anfangs ein wenig Scheu vor dem Abwasser, aber das hat sich gelegt“, erinnert Schönfeld sich. „Man muss zupacken können. Anfangs zögerlich zu sein ist normal, das ging uns allen so – aber irgendwann kommt auch mal eine ungewollte Abwasserdusche und das haben wir alle schon hinter uns“, bekräftigt Großmann mit einem Grinsen.

Schutzanzüge sind daher unerlässlich, ebenso der abendliche Weg durch die Schleusen und in die Dusche, bevor sie in die Privatkleidung schlüpfen – Vorsicht ist das oberste Gebot, denn eine der größten Gefahren für sich, aber auch für andere, sind die Bakterien. „Man trägt Verantwortung“, so Schönfeld. „Es ist natürlich eine andere Belastung als zum Beispiel auf dem Bau. Aber Kopf ausschalten ist schwierig, weil immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann und man dann alles stehen und liegen lassen muss“, sagt sein Ausbilder. Auch Explosionsgefahr ist ein täglicher Begleiter auf einer Kläranlage.

Am meisten Spaß macht Schönfeld aber die Arbeit im Labor. „Das ist abwechslungsreich“, meint der 19-Jährige. Die Arbeit am Computer wird dabei stetig mehr. Wurden vor Jahren noch handschriftlich Betriebstagebücher geführt, läuft heute alles digital – und mit größerem Aufwand als früher. Auch die Technik nimmt zu, in die sich die Fachkräfte einarbeiten müssen – manchmal alleine, manchmal über Fortbildungen.

Für die größten Probleme sorgen oft allerdings die Menschen: „Wir haben schon Äpfel oder Fische im Abwasser gesehen. Das gehört da nicht rein und verstopft uns die Pumpen“, sagt Schönfeld. Auch Textilien und Plastikgegenstände sind unter den Funden. Einmal verschwand ein Ehering im Abfluss. „Wir hatten einen Anruf von jemandem, der auf der Suche war, aber die Wahrscheinlichkeit, so etwas zu finden, ist äußerst gering“, meint Großmann.

Autor

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