Karateka des TV Scheeßel trainieren an ungewöhnlichen Orten

Katas unterm Wellblechdach

Beim Training an der frischen Luft beweisen die Karateka des TV Scheeßel nicht nur Kreativität, sondern auch Durchhaltevermögen. Foto: Ulla Heye
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Scheeßel (uh). Dienstagabend, es ist schon dunkel. Aus dem Fahrradstand der Eichenschule auf der Kirchwiese dringen Kommandos: „Oi Zuki“, „Mae Geri“ oder „Age Uke“. Wer näher hinschaut, findet sich ob der weißen Karate-Anzüge und verschiedenfarbiger Gurte in seiner Vermutung bestätigt: Dort trainieren, inmitten von Herbstlaub und bei sportlichen acht Grad, die Karateka des TV Scheeßel.

Bereits im Mai hatte die boomende Abteilung das Training wieder aufgenommen, zunächst auf dem Pausenhof der Grundschule. Als es dort zu dunkel wurde, fragte Trainerin und Spartenleiterin Stefanie Hebsacker bei der Eichenschule nach, ob die beleuchtete Fläche bei den Fahrradständern nutzbar sei.

Von Schulleiter Christian Birnbaum bekam sie sofort grünes Licht. „Sogar das Laub haben die Hausmeister netterweise für uns weggepustet“, freut sich die Ostervesederin. „Ideale Bedingungen“, befindet auch Assistenz-Trainer Markus Tödter, mit 32 Jahren Karate-Erfahrung eines der Urgesteine hier, „wir haben ein Dach über dem Kopf und viel frische Luft, um die Aerosole wegzublasen.“ Nur für Fuß- und Partnerübungen sei der Boden zu stumpf. Letztere verbieten sich für das vielköpfige Trainerteam, das allein dienstags vier Gruppen betreut, schon aus gesundheitlichen Erwägungen, „auch wenn sie vom Verband zugelassen sind“, so Hebsacker.

Die Sorge um die Gesundheit ist auch der Hauptgrund, warum sich Woche für Woche bis zu 70 Teilnehmer im Freien treffen – das Training in der Halle der Beekeschule würde nur einen Bruchteil der Trainingswilligen aufnehmen. Positiver Nebeneffekt: „Inzwischen bin ich ein regelrechter Frischluftjunkie“, gibt die Inhaberin eines Spiele-Verlags zu.

Bereits vor der Pandemie beliebt, erlebt die asiatische Kampfsportart vor allem bei Scheeßeler Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Monaten geradezu einen Boom; trotz geplantem Aufnahmestopp war die Nachfrage so groß, dass während der Pandemie sogar eine neue Gruppe entstand. „Vielleicht liegt es daran, dass viele andere Bewegungsangebote wie Kinderturnen weggefallen sind“, so Hebsackers Vermutung.

Beim Ausleben des Bewegungsdrangs ist allerdings auch Disziplin gefragt – wer aus der Reihe tanzt, bekommt Liegestütze aufgebrummt. Ein typisches Training beginnt mit gemeinsamem Warmmachen, Fitnessübungen und Katas, einer stilisierten Schrittfolge unterschiedlicher Techniken. Gemeinsamkeit wird dabei großgeschrieben – und manchmal trainiert Klein auch Groß, wie an diesem Tag der Sechstklässler eine neu dazu gestoßene Schulsekretärin – „da entscheidet nicht das Alter, sondern der Rang“, weiß Tödter.

Not macht erfinderisch – getreu diesem Motto sind die Scheeßeler Karateka nicht nur unter dem Wellblechdach aktiv, sondern haben auch schon in Privatgärten oder einer riesigen Scheune mit Rundum-Belüftung trainiert. Die neueste Idee der findigen Sportler sind sogenannte „Kata Walks“, eine Mischung aus Spaziergang mit eingestreuten zehn- bis 15-minütigen Einheiten der festgelegten Schrittfolgen.

Bei ihrer jüngsten Premiere fanden sie nicht nur Anklang bei den sechs jugendlichen und drei erwachsenen Teilnehmern in der Ostlandsiedlung, sondern auch in einem Internetforum.

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