HURRICANE Polizei ist mit bis zu 350 Beamten im Einsatz

Der unbekannte Besucher

Einsatzleiterin Polizeirätin Kathrin Jäger und Polizeioberkommissar Michael Eichfeld sprechen darüber, wie die Ordnungshüter beim Hurricane auftreten. Foto: Schultz
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Scheeßel/Rotenburg – Inklusive Polizei, Sicherheitskräften und Veranstalter kommen rund 80 000 Personen auf einer Fläche von 180 Hektar zusammen – für die Polizei Rotenburg ist das Hurricane außerhalb der Corona-Bilanzen jährlich das größte Einsatzgeschehen und auch Landes- und Bundespolizei schauen in diesen Tagen auf Scheeßel. Für Einsatzleiterin Kathrin Jäger ist es das erste Mal, dass sie sich in Uniform mit dem Festival beschäftigt. „Wir leben für solche Einsatzlagen“, sagt die Polizeirätin und verspricht: Die Polizei ist vorbereitet.

Das spiegeln auch die Zahlen wider: Je nach Tag und Tageszeit sind zwischen 300 und 350 Beamte auf dem Gelände unterwegs, sorgen für Sicherheit, sind ansprechbar, versichert Jäger. „Zahlenmäßig sind wir an dem Wochenende alle auf den Beinen“, sagt sie. Und die Beamten bringen nicht nur ihre Quads, Krads und Mountainbikes – Pferde wird es in diesem Jahr aufgrund fehlender Unterbringungsmöglichkeiten nicht geben – mit, um auf dem Gelände schneller unterwegs zu sein. Sondern auch jede Menge Erfahrung. Nicht nur in Form von Jörg Wesemann, der als Leiter der Polizeiinspektion dabei ist und den Einsatz zuvor sieben Jahre begleitet hat – auch die Polizeirätin selbst kennt das Geschehen durch sieben Jahre als Besucherin.

Viel Erfahrung kann von Vorteil sein, vor allem, wenn es noch Unbekannte in der Gleichung gibt. Die besteht in diesem Fall aus etwa 78 000 Besuchern: „Studien gehen davon aus, dass sich das Publikum etwa alle drei Jahre austauscht“, sagt Jäger. So sei nicht etwa die Zahl der Menschen ausschlaggebend, sondern deren Zusammensetzung. Umgekehrt heißt das: Jedes Jahr kann die Polizei das Verhalten von zwei Dritteln der Besucher grob einschätzen – allerdings hat es jetzt zwei Jahre Festivalpause in Scheeßel gegeben. Was das für die Zusammensetzung der kommenden Personengruppen heißt, lasse sich schwer abschätzen. Das stellt die Frage in den Vordergrund, ob überhaupt alle Besucher über die Grundlagen des Festivalgeschehens im Bilde sind. „Wissen die Leute, dass sie ein Zelt mitbringen müssen?“, ist eine Frage, die sich Veranstalter und Polizei laut Jäger stellen.

Was ebenfalls ständig neu ist: Phänomene in Sachen Straftaten. „Planenschlitzer zum Beispiel; Leute, die Zelte aufschneiden und Dinge stehlen“, sagt Polizeioberkommissar Michael Eichfeld aus dem Team der Einsatzplanung. Gespannt blicken er und die Kollegen auf die polizeiliche Bilanz zum Rock am Ring: Welche Straftaten von welchen Personen begangen worden sind, ist auch für die Beamten interessant, die beim Hurricane im Einsatz sind. Auch die Frage danach, wie es nun mit strukturierten und überregional aktiven Gruppen in der Kriminalität aussieht, bleibt offen. Wer weiß, vielleicht hat sich ihre Anzahl analog zur Zahl der Fachkräfte entwickelt, die nach zwei Jahren Kulturpause in der Festivalbranche geschrumpft ist, „vielleicht sind die Banden abgewandert“, hofft Eichfeld.

Klar ist schon jetzt, wie die Beamten ihre Kräfte aufteilen werden: Die Bundespolizei unterstützt schon bei der Anreise an größeren Bahnhöfen wie Hamburg, schaut, dass die Züge nicht zu voll werden. Natürlich wird die Polizei bei der An- und Abreise ein Auge auf den Verkehr haben und die üblichen Drogenkontrollen durchführen. Schon am Mittwoch sind die ersten Beamten vor Ort und haben für die ersten mit dem Auto Anreisenden die Parkplätze im Blick.

Das Gros wird auf dem großen Gelände selbst unterwegs sein, Präsenz zeigen, ansprechbar sein, wie Jäger betont. Auf den Zeltplätzen werden sie vermehrt ein Auge auf Alkoholisierte richten – es sei absehbar, dass es dort um Körperverletzung und Eigentumsdelikte gehen wird.

Für die kleine Polizeiwache haben sich die Ordnungshüter einen neuen Platz ausgesucht: In Sichtweite des ehemaligen Westeingangs bildet sie mit Bauzäunen ein Dreieck. Dort nehmen sie Anzeigen entgegen, kümmern sich um die Opfer von Straftaten. „Diese Betreuung war vorher schwieriger. Mit dem neuen Standort sind wir präsenter und gespannt, ob sich damit etwas am Anzeigeverhalten ändern wird“, sagt Eichfeld. Er weist darauf hin, dass es darüber hinaus nach wie vor die Möglichkeit gibt, eine Anzeige über die Online-Wache zu stellen.

Die neue Behelfsstraße im Süden des Geländes wird am Einsatz der Polizei übrigens wenig ändern. „Es wird höchstens interessant, ob sie bei Starkregen noch befahrbar bleibt“, sagt Jäger. Für derartige Wetterereignisse ist das Festival inzwischen quasi berüchtigt. Generell ist der Verkehr für die Beamten ein ganz eigenes Thema. So appelliert Eichfeld an die Festivalbesucher, unbedingt bei der Anreise dem Leitsystem zu folgen und sich nicht auf selbst erarbeitete Strecken oder Umwege mit dem Navi zu verlassen: „Die Nebenstrecken können sonst schnell verstopfen.“ Generell versuche die Polizei, Beeinträchtigungen vom üblichen Verkehr zu vermeiden, allerdings müssten an einigen Stellen doch Abstriche gemacht werden – einen Schulbusverkehr über die Westerveseder Landstraße werde es während der Umleitung über die Behelfsstraße beispielsweise nicht geben. Und welche Auswirkungen das 9-Euro-Ticket auf die Anreisetage hat, ist eine Frage, die vorerst mit einem Fragezeichen versehen bleibt. Jäger stellt versichert: „Wir werden das aber eng begleiten.“

Dass die Polizei Rotenburg auch wieder ihre Kanäle in den Sozialen Medien bespielen wird, ist ebenso klar. Neben Fragen des Einsatzes soll es Information und ein bisschen Unterhaltung geben. Inhalte, die auch den uniformierten Lieferanten selbiger Freude bereiten. Und so spiegelt sich, was für die ganz Truppe zu gelten scheint – Jäger: „Wir sind alle hoch motiviert, es macht ja auch Spaß.“

as

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