Hesedorfer Soldaten bereiten Einsatz in Litauen vor

Millimeterarbeit

Bei der Fahrt über die Waggons werden die Kraftfahrer durch ihre Kameraden von außen eingewiesen. Foto: Lars Warnecke
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Hesedorf/Scheeßel. Morgens, kurz vor 10 Uhr. Schauplatz: der Verladebahnhof auf dem Gelände der Elbe-Weser-Kaserne in Hesedorf bei Bremervörde. Feldwebel Rolf Völz, der heute das Vorhaben leitet, gibt das entscheidende Kommando. Es kann losgehen. Langsam, ganz langsam lässt der Schwerlasttransporter die Rampe hinter sich. Dass der Koloss, der jetzt über den Waggon rollt, auch schön in der Spur bleibt – darauf hat einer der Soldaten, der sogenannte Einweiser, ein wachsames Auge. Über seiner Uniform trägt er eine Warnweste. Sicherheit, sowohl für das Personal als auch für das Material, hat auch hier oberste Priorität.

Derweil ist der hinter dem Steuer sitzende Kraftfahrer quasi blind. Wie gut, dass man ihn dirigiert. Noch zwei Meter, noch einen Meter. Zum Schluss, um das Gefährt punktgenau zum Stehen zu bringen, geht es um Millimeterarbeit. Der Einweiser streckt den Daumen nach oben. Geschafft. Fast, denn jetzt müssen noch die Sicherungskeile her.

Die Bahnverladung, wie sie mehrfach schon von den Beteiligten trainiert wurde, ist ein Paradebeispiel dafür, wie koordiniert die Bundeswehr vorgeht. Am Ende, nach gut dreistündiger Arbeit, werden die von einer Lok gezogenen Waggons („Emma“ aus Jim Knopf lässt grüßen) 14 Fahrzeuge, darunter auch einen 25 Tonnen schweren Panzer, säumen – in einer Reihe festgezurrt und bereit zur Abfahrt. Ziel des Transportes: das Gefechtsübungszentrum, kurz GÜZ, in Gardelegen in Sachsen-Anhalt. Rund 200 Kilometer wird die Ladung nach ihrer Ankunft auf der Schiene zurückgelegt haben. Die Deutsche Bahn, die die Bundeswehr zu diesem Zweck gechartert hat, wird sie unterwegs zwecks Weiterfahrt übernehmen.

Für die Verladung zeichnen Soldaten der in Rotenburg stationierten 3. Kompanie vom Versorgungsbataillon 141 verantwortlich. Seit sechs Jahren pflegt diese eine schriftlich verbürgte Patenschaften zur Gemeinde Scheeßel. Warum das Ganze im entfernten Hesedorf stattfindet? „Es ist der nächstmögliche Anlaufpunkt für uns“, sagt der Kompanieeinsatzoffizier Hauptmann Florian-Marcus Kruth (30). Einige Verbände hätten solche Verladebahnhöfe auf ihrem eigenen Gelände – auch in der Rotenburger Kaserne habe es früher eine Schiene gegeben, die sei aber schon vor langer Zeit stillgelegt worden. Kruth: „Vielleicht kommt die vor dem Hintergrund, dass der Eisenbahntransport ja eine sehr materialschonende Variante ist, irgendwann wieder.“ Eine wichtige und notwendige Ausbildung, meint der Rotenburger, sei die Bahnverladung für seine Kameraden ohnehin – für Großübungen oder Auslandseinsätze zum Beispiel, bei denen die Verlegung oft auch über die Schiene geregelt werde.

Und ins Ausland geht es für die „Versorger“ aus Rotenburg demnächst tatsächlich. Ab August werden sie für ein halbes Jahr zwecks Logistik und Versorgung in Litauen eingesetzt sein – als Teil der Nato-Mission „Enhanced Forward Presence“ (EFP) zur Rückversicherung der baltischen Staaten. Diese vollumfängliche Unterstützung erfährt das erst 2015 gegründete Panzerbataillon 414 aus Bergen – sei es im Bereich von Transporten, bei der Ersatzteilversorgung oder der Instandsetzung. Aber: „Es ist für uns kein Auslandseinsatz im eigentlichen Sinne, sondern eine Präsenz vor Ort“, klärt der Hauptmann auf.

120 Kompanieangehörige würden im Zuge der sogenannten zehnten Rotation (bis jetzt hält vor Ort noch die Schwesterkompanie aus Munster die Stellung) entsandt, und zusammen mit niederländischen Soldaten, unter Führung ihres Kompaniechefs, Major Patrick Scholz, dieser Verpflichtung mit internationaler Beteiligung wahrnehmen.

Im Rahmen der bis Mitte Mai andauernden Übung im GÜZ kommen sogar 180 „Logistiker“ zusammen. Neben der multinationalen Zusammenarbeit sind auch unterstützende Kräfte aus Delmenhorst und der bayrischen Stadt Volkach dabei, um damit gewisse logistische Abläufe abzustimmen und verbessern zu können. Auch hier wird Scholz der Hauptverantwortliche für die logistische Leistungserbringung sein. An Material, das wird bei näherer Betrachtung der beladenen Fahrzeuge deutlich, wird bei dieser Übung jedenfalls nicht gespart: Tonnenweise Verbrauchsgüter sind dort verstaut, Kraftstoff ebenso wie komplette Werkstattsätze. Verbracht wird das Ganze aber nicht nur über die Schiene.

Kruth: „Morgen werden noch einmal 30 unserer Groß- und etwa zehn Kleinfahrzeuge auf der Straße in Richtung Gardelegen unterwegs sein – aufgesplittet in relativ gleich große Einheiten.“ Durch ein solches Entzerren, berichtet der Kompanieeinsatzoffizier, sei eine einzelne Kolonne nicht ganz so lang. Man nutze eben so viele Verkehrsträger wie möglich, sagt er. Ziel sei die material- und personalschonende Verlegung, um Defekte an den Fahrzeugen so gering wie möglich zu halten.

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