Günter Saxer und seine Helfer retten Krötenleben

„Überhaupt nicht glitschig“

Die "Doppel Whopper", wie Günter Saxer sie nennt, lassen sich nur schwer voneinander trennen. Sie werden gemeinsam auf ihren weiteren Weg geschickt. Archivfoto: Nina Baucke
 ©

Scheeßel (acb). Er bewahrt im Frühling unzählige Tiere vor dem sicheren Tod: der Krötenzaun entlang der L131/Westerveseder Landstraße in Scheeßel. Bis zu 1.000 Kröten retten Günter Saxer und sein Helferteam in einem Jahr das Leben, denn sobald die Temperaturen milder werden, machen sich die Tiere auf den Weg zu den Biotopen – und nur wenige hätten auf der viel befahrenen Landstraße eine Chance.

„Wenn es morgens um die zehn bis zwölf Grad sind, sind die Kröten nachts gewandert“, erklärt Saxer, der den Schutz der Tiere an jener Stelle gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Hannelore Berulla hauptamtlich übernommen hat. Im März stellt der Landkreis gemeinsam mit dem Nabu die Krötenzäune auf, die etwa sechs bis acht Wochen stehen. Sobald es warm genug ist, gehen Saxer oder seine Helfer jeden Tag die 33 Eimer ab, eine Strecke von etwa einem Kilometer. Die Eimer sind in den Boden eingegraben, die Tiere plumpsen auf ihrer Wanderung hinein und lassen sich dann vorsichtig in ein Transportgefäß umlagern, damit sie auf die andere Straßenseite gebracht werden können. Von dort machen sie sich auf den Weg zu den drei verschiedenen Biotopen.

Dass sich andere Tiere in den Eimern befinden, ist nur selten der Fall, zum Großteil sind es Kröten. „Wir hatten jetzt drei starke Tage, da haben wir rund 500 eingesammelt“, erzählt der Scheeßeler, der die Aufgabe vor ungefähr sechs Jahren übernommen hat. Interessant findet er die Tiere und beobachtet sie gern. Und räumt mit Vorurteilen auf: „Sie fühlen sich angenehm an, warm und überhaupt nicht glitschig oder schmutzig.“ Unterscheiden kann man die Tiere durch ihre Größe, die Männchen sind kleiner – und fauler. Sie lassen sich von den Weibchen huckepack zum Gewässer tragen. In seine Liste trägt Saxer unter anderem die Anzahl und das Geschlecht ein. „Auch die Doppel Whopper haben wir notiert“, meint er augenzwinkernd – also die verkuppelten Krötenpaare. Diese lassen sich nicht voneinander trennen. „Da müsste man schon kräftig reißen, wir setzen sie einfach zusammen um.“

An Helfern mangelt es dabei nicht: „Manchmal muss man gucken, dass man selber dran kommt“, sagt Saxer mit einem Lachen. Allerdings ist bei ihrer Arbeit größte Vorsicht geboten. Ungefähr die Hälfte des Weges liegt an einem beruhigten Radweg, der Rest direkt an der Landstraße. Und obwohl die Helfer ihre deutlich sichtbaren Warnwesten tragen, fahren nicht alle Autofahrer langsamer oder halten Abstand zu den Menschen am Straßenrand. „Erst vor einigen Tagen war ich mit dem Fahrrad unterwegs, einen Eimer im Fahrradkorb. Das Rad ist durch den Windstoß eines Rasers umgekippt. Ich stand zum Glück nicht direkt an der Straße. Das ist ungehörig“, kritisiert Saxer, der für seine Runde gut eine Stunde braucht. Zudem gehört zu den fleißigen Helfern unter anderem die Nachbarsfamilie mit ihrem sechsjährigen Sohn. Umso mehr würde er sich wünschen, dass manche Fahrer ein wenig mehr Vorsicht walten lassen – denn nicht jeder Vorfall geht so glimpflich aus.

Fast alle Tiere haben sich in den vergangenen beiden warmen Wochen auf den Weg gemacht. Sobald eine Woche lang keine Kröten in den Eimern waren, meldet sich Saxer beim Landkreis, der die Zäune abbaut. Doch auch im nächsten Jahr sind die Helfer wieder unterwegs, um den Kröten sicheres Geleit über die Landstraße zu bieten.

Autor

Ann-Christin Beims Ann-Christin Beims
 04261 / 72 -431
 ann-christin.beims@rotenburger-rundschau.de

23.04.2018

Leporello: Mayenlust

23.04.2018

Frühlingsfest Röhrs

14.04.2018

Schultz beim Megamarsch

13.04.2018

Oldtimerrallye