Grundschule: Rektor Bernd Tippel offiziell verabschiedet - Von Heidrun Meyer

Kapitän verlässt das Schiff

Lehrerin Dörte Dembski-Minssen hatte Bernd Tippel mit ihrem geschmückten Kleinwagen aus Zeven abgeholt und drehte mit ihm eine Ehrenrunde auf dem Schulhof, flankiert von Lehrern und Schülern und einem Seifenblasenmeer. Fotos: Heidrun Meyer
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Sittensen. Der vorletzte Morgen in offizieller Mission wird Bernd Tippel wohl unvergessen bleiben. Denn Schüler und Lehrerkollegium der Sittenser Grundschule hatten sich etwas Besonderes für den scheidenden Schulleiter einfallen lassen. Eine Kollegin hatte ihn mit ihrem mit bunten Luftballons geschmückten Fiat 500 zu Hause in Zeven abgeholt und zur Schule chauffiert. Dort bogen sie in den Schulhof durch ein Spalier klatschender und Seifenblasen pustender Schüler und Lehrer.

„Herr Tippel, Herr Tippel“, schallte es immer wieder aus den Schülerreihen. Nachdem Tippel ausgestiegen war, nahmen Kinder und Lehrer erneut Aufstellung zu einem Spalier und geleiteten ihn unter dem lauthals geschmetterten Schullied „Mittendrin in Sittensen“ zur Turnhalle. Es war ein Moment, der alle Beteiligten sichtlich bewegte.

Weil es im Ruhestand ja gemütlich und entspannend zugehen soll, stand für Tippel ein Ohrensessel bereit. Kaum hatte er Platz genommen, ging es Schlag auf Schlag weiter mit Beiträgen, die jede Klasse eigens einstudiert hatte und die geprägt waren von Musik und Gesang, bekanntlich Tippels große Leidenschaft.

Abends ging es in der Mensa der Grundschule mit der offiziellen Verabschiedung im Kreise geladener Gäste weiter. Die Redner skizzierten nochmals die wichtigsten Stationen des künftigen Ruheständlers und fanden viele Lobesworte ob seines engagierten Wirkens. Den Reigen eröffnete Samtgemeindebürgermeister Stefan Tiemann. „Das ist hier etwas ganz Besonderes für mich, als ehemaliger Schüler etwas über den ehemaligen Deutschlehrer zu erzählen. Ohne Benotung und Bewertung und ohne auf Satzbau oder Gliederung achten zu müssen. Ich kann sagen, er hat sein Klassenziel erreicht und darf in den wohlverdienten Ruhestand gehen“, gab Tiemann mit einem Augenzwinkern zu verstehen. „Sie sind den Erwartungen gerecht geworden und Ihr wichtigstes Anliegen, die Schule weiterzuentwickeln, ist Ihnen gelungen.“ Spontan bot Tippel ihm das Du an. „Die berufliche Distanz ist ja nun nicht mehr notwendig“, befand er.

Schulamtsdirektor Ulrich Dettling von der niedersächsischen Landesschulbehörde sparte ebenfalls nicht mit Lobesbekundungen. Für Schmunzeln sorgten seine Auszüge aus früheren Beurteilungen. Auf den Nenner gebracht, sagten sie übereinstimmend aus, dass Tippel ein „ausgeglichener, verantwortungsvoller, einsatzfreudiger und zielgerichteter“ Lehrer gewesen sei. „Mit Herz und Verstand haben Sie den einzelnen Schüler in den Blick genommen, sich ehrlich gesorgt und aus dem Kollegium eine Mannschaft gebildet, deren Stärken Sie erkannt und umgesetzt haben“, bedeutete Dettling. Es seien immer gute Inspektionsergebnisse erzielt worden. „Mit mehr als 18 Jahren Grundschularbeit haben Sie ein Stück Sittenser Schulgeschichte geschrieben“, so Dettling. Es gibt indes auch einen Wermutstropfen, den er nicht unerwähnt ließ: Es ist bisher nicht gelungen, die Stelle des Rektors an der Grundschule wieder zu besetzen. Zunächst wird Konrektorin Ilse Carstens-Rillox die Funktion kommissarisch ausüben. Christiane Schliwa und Halvor Buldmann übernehmen kommissarisch die Positionen der Konrektoren. „Ein Kapitän verlässt das Schiff und wir haben keinen neuen gefunden“, bedauerte Carstens-Rillox. Gesucht sei nicht nur ein Pädagoge, sondern ein Alleskönner mit Managerqualitäten. „Wir verlieren unseren Alleskönner, der immer pädagogischen Weitblick bewiesen hat. Unser intensiver Austausch und unsere Gespräche werden mir fehlen“, sagte sie. Dankesbekundungen für die gute Zusammenarbeit sprachen auch Vertreter der Elternschaft, des Fördervereins, Personalrates sowie Pastor Sven Kahrs für die Kirchengemeinde und Freie evangelische Gemeinde aus. „Sie haben das Kapitel Schule für sich abgeschlossen, können loslassen und es gut sein lassen. Das kann nicht jeder“, sagte Kahrs.

Musikalische Darbietungen, die für Tippel immer einen besonderen Stellenwert haben, umrahmten auch diese Feier. Dafür sorgten das Duo „Teilzeitschwestern“, Nadine Ahlfeld am Klavier und Sängerin Mirja Schlaps, sowie der Schulchor, dessen Leitung Lehrerin Jutta Moog von Bernd Tippel übernommen hat, er sang „Tschüss, Good bye, Auf Wiedersehen“ und das Lehrerkollegium gab ebenfalls ein Abschiedslied zum Besten. Es wurde gedrückt und geherzt, dann und wann zog Ergriffenheit durch den Raum.

„Nach 28 Jahren Schuldienst gibt es Themen, die viele Blätter füllen, etwa zum Traumjob Lehrer oder zur speziellen Aufgabe des Schulleiters, der manchmal einsamer ist als ein Firmenchef. Ich hatte eine Konrektorin an meiner Seite, mit der ich stets vertrauensvoll diskutieren konnte. Ich freue mich auf viel Zeit mit meiner Frau und meiner Familie. Langweilig wird es nicht“, versprach Tippel. Und noch etwas hat ihn an diesem Abschiedstag bewegt: Die Mutter eines ehemaligen Schülers hat ihm einen Präsentkorb überreicht und sich bedankt, dass ihrem Sohn an der Grundschule eine Chance gegeben wurde. „Er hatte seine Schwierigkeiten, jetzt geht er aufs Gymnasium. Das freut mich sehr, noch mehr, dass ich dieses Dankeschön bekommen habe“, verriet Tippel. Die Gästeschar ging anschließend zu einem mediterranen Büfett über und ließ den Abend in geselliger Runde ausklingen.

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