Gemeinde Scheeßel versteigert Wegerandstreifen beim Bauernmahl - Von Erich Schulz

Grog und gute Laune

Der ein oder andere Grog fließt bei der fröhlichen Versteigerung. Foto: Erich Schulz
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Scheeßel. Wenn in anderen Gemeinden Anfang Januar zum Dreikönigstreffen oder der Lichtmeß den Bürgern Rechenschaft über das vergangene Jahr abgelegt wird und politische Pläne geschmiedet werden, geschieht in Scheeßel etwas anderes: das Bauernmahl. Traditionell treffen sich zu dieser Veranstaltung Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Landwirte, der Jagdgenossenschaft und der Forstwirtschaft und ein paar „Gröne“, um in fröhlicher Runde Wegerandstreifen zu ersteigern.

Gröne sind diejenigen, die das erste Mal dabei sein dürfen, also noch grün hinter den Ohren sind. Wann und wie genau diese Veranstaltung, die wohl im gesamten Landkreis einmalig sein dürfte, ins Leben gerufen worden ist, kann heute niemand mehr genau sagen. Mit Wahrscheinlichkeit geht sie aber auf die alte Tradition zurück, als die Gemeinde an die Landwirte sogenannte Wegerechte verpachtet hat, um den Bauern die Möglichkeit zu bieten, ihr Vieh auf den Randstreifen der Wege weiden zu lassen. Heute stehen auf diesen Randstreifen Apfelbäume und es geht darum, diese Streifen zu ersteigern. Zu diesem Zweck schlüpft Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele in die Rolle eines Auktionators – nur ohne Hämmerchen und Holzklotz.

Zuvor lässt sie jedoch das Protokoll und den Wetterbericht vom Vorjahr verlesen und gibt damit der Wirtin Zeit, die stattliche Runde mit Grog zu versorgen. Und dann geht es los: „Ich weise darauf hin, dass die Amtssprache hier Plattdeutsch ist und stoße erst einmal auf gutes Gelingen an“, eröffnete Dittmer-Scheele die Auktion. Die Apfelbäume an den Randstreifen sind begehrt und die Teilnehmer bieten, was das Zeug hält. Als bekannt wird, dass es bei Geboten über 30 Euro einen Apfelbaum auf der Gemeindeeigenen Streuobstwiese obendrauf gibt, bietet auch Pastor Günter Brunkhorst fleißig mit. Die Stimmung steigt und einige erzählen so manche Anekdote, wie zum Beispiel eine in der Runde altbekannte von Werner Bassen. „Genau am selbsternannten dritten Weihnachtstag klaren wir mit unserer Männerselbsthilfegruppe unseren Abschnitt ,Hinter dem schwarzen Kamp‘ auf und wir fanden unter anderem einen einzelnen Damenschuh der Größe 37 bis 38. Den anderen suchen wir noch“. „Such doch lieber mal Frau Aschenputtel dazu und sieh nach, ob ihr der Schuh passt“, wird Bassen prompt veräppelt. Zwischenzeitlich konnten die beiden „Grönen“, Marsha Weseloh und Lothar Scheele, ihre plattdeutsche Einführungsansprache zum besten geben und kamen mit 20 Euro Grog-Spende, denn immerhin war die nächste Runde schon bestellt, günstig davon. Bestens gelaunt verpachtet die Bürgermeisterin mit Humor und Sachverstand alle 33 Wege und Straßenabschnitte zwischen 15 und 50 Euro und selbst Wege, die im Vorjahr keinen Pächter gefunden hatten, bringt sie unter die Gäste. Während Carsten Grieb von der Gemeindeverwaltung fleißig die Einnahmen zählte, nutzte die Jagdgenossenschaft die Zeit, um ihren Rechenschaftsbericht abzugeben. Sie vermeldete weniger Wildschäden als im Vorjahr. Die Forstleute beklagten indes Schäden durch den Borkenkäfer und Verluste bei diversen Neuanpflanzungen, die durch den extrem trockenen Sommer hervorgerufen wurden. Zum Ende der Veranstaltung wurde das Ergebnis der Auktion bekannt: 851 Euro. Jürgen Lange und Olaf Achtabowski vom Vorstand der Sparkasse Scheeßel legten noch einen Hunderter dazu, so dass insgesamt 951 Euro in die Gemeindekasse für Neuanpflanzungen von Apfelbäumen fließen.

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