Fuhrenkamp: Scheeßel präsentiert mögliche Verkehrsführung

Der Knoten ist geplatzt

Die Fraktionsvorsitzenden Knut Nagel (von links), Wolfgang Kirschstein, Arthur Lempert und Dirk Lange stehen beim neuen Kreiselkonzept geschlossen hinter der Verwaltung (Birgit Gramkow und Käthe Dittmer-Scheele). Fotos: Ulla Heyne
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Scheeßel. Lange hatten alle Beteiligten miteinander um die Verkehrsführung am Knotenpunkt Fuhrenkamp/Landesstraße L130 gerungen, die Situation war verfahren, die unterschiedlichen Forderungen schienen unvereinbar: einerseits der Erhalt der Bäume am Wegesrand, andererseits die Gewährleistung der Sicherheit von die Kreuzung querenden Fußgängern und Radfahrern und das alles unter Berücksichtigung eines zügigen Verkehrsflusses. Nun hat die Gemeinde, der das seit 2004 präsente Thema nach Bekunden von Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele „auf den Nägeln brennt“, eine neue Variante ins Spiel gebracht. Und die vereint, was bislang laut Regularien nicht genehmigungsfähig schien: die Kombination aus einem Kreisel und einer Bedarfsampelanlage.

Den entscheidenden Hinweis auf eine mögliche Ausnahmeregelung gab die Zuschauerin eines Fernsehberichts, der von der Bürgerinitiative „Scheeßel für den Planeten“ angeschoben worden war. In ihrer E-Mail an Rathauschefin Käthe Dittmer-Scheele wies sie auf einen ganz ähnlich gelagerten Fall in Elmshorn hin, in dem genau diese Lösung umgesetzt worden ist. Mit der Begründung, dass durch die Ampel der Schulweg einer größeren Anzahl von Kindern und Jugendlichen gesichert wird. Genau dies ist beim Neubaugebiet „Helvesieker Landstraße“ mit laut Ratsherrn Knut Nagel geschätzten rund 800 Einwohnern, darunter zahlreiche Familien, und dem Weg zu den drei Scheeßeler Schulen, auch der Fall. Nachdem eine Planerin in das Regelwerk eingestiegen war und diese Möglichkeit bestätigt hatte, wurde das Konzept dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr Verden sowie die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises sowie den Fraktionsvorsitzenden vorgelegt. Erstere „würden den Weg mitgehen“, wie Dittmer-Scheele mit vorsichtigem Optimismus ausdrückt, Letztere sind durch die Bank begeistert von dem Kreisel mit 35 bis 40 Metern Durchmesser und einer rund 20 Meter entfernt gelegenen Bedarfsdruckampel. Arthur Lempert, Fraktionsvorsitzender der Grünen, dessen mittlerweile zurückgetretener Ortsverband massiv die vorher von der Verwaltung favorisierte Linksabbiegerspur kritisiert hatte: „Das ist ein wirklich guter Kompromiss, der die konträren Positionen im Rat aufbrechen konnte.“ Die Rettung von 39 bis 49 der bei der vorigen Lösung zu fällenden Bäume seien in der ökologischen Bilanz verschmerzbar.“ Dirk Lange, Fraktionsvorsitzender der CDU, legte den Fokus auf einen anderen Aspekt: „Uns war immer die sichere Querungsmöglichkeit der schwächsten Verkehrsteilnehmer wichtig, daher hatten wir auch der ursprünglichen Variante zugestimmt.“ Die neue Variante bedeute eine hohe Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, einen moderaten Eingriff in die Natur und einen zügigen Verkehrsfluss. Durch die Kreisellösung würden darüber hinaus die Lärmemissionen reduziert, was eine niedrigere Ausführung der Lärmschutzwand bedeuten würde.

Wolfgang Kirschstein freute sich im Namen der SPD/UGS über diese „komfortable, entspannte Lösung für die Gemeinde“. Mit dem an einem Kreisel im Gemeindegebiet überfahrenen Postboten im Hinterkopf habe seine Fraktion im Vorfeld den provokanten Vorschlag einer Geschwindigkeitsreduzierung auf der L130 gemacht, „das wurde damals umgehend abgelehnt“. Der neue Vorschlag würde seiner Einschätzung nach „auch die Raserei vernünftig beeinflussen.“ Abgesehen von allen inhaltlichen Argumenten begrüßte Kurt Nagel (Gruppe 57), „dass alle Fraktionen und die Verwaltung hinter dem Konzept stehen“.

Mit weniger Begeisterung wurde die Kreisel-Variante von Vertretern der Bürgerinitiative aufgenommen, denen das Konzept im Vorfeld vorgestellt worden war. Auch wenn „Scheeßel für den Planeten“ nach außen hin vor allem angetreten war, um die Baumfällungen zu vermeiden, stößt der neuerliche Vorschlag bei der Vorsitzenden Diana Cartwright auf wenig Gegenliebe. Sie moniert die Bodenversiegelung weiterer Flächen; auch die bestehenden Altbauten – sie selbst ist ebenfalls Anwohnerin – würden bei einem Kreisel leiden: „Der Puffer zwischen den Häusern und der Straße fällt weg“, auch der Verkehrsfluss würde durch Ampel und Kreisel doppelt behindert. Cartwright sieht jedwede Veränderung der bestehenden Situation jenseits einer zweiten Ampel kritisch. Ihr regelmäßiger Blick aus dem Fenster zeige: „Auf der Kreuzung ist nichts los“, die geplanten Umgestaltungen seien überdimensioniert. Diese Erkenntnis sieht sie durch ein verkehrstechnisches Gutachten von 2017 untermauert. Im Kern geht es wohl auch darum, dass die Vorstandsvorsitzende, die im Namen aller Vereinsmitglieder spricht, die bislang durch Corona jedoch noch nicht in die neuen Pläne der Gemeinde hätten eingeweiht werden können, mit ihrem jüngsten schriftlichen Antrag im Rathaus bislang kein Gehör fand. „Die Gemeinde hat gar nicht vor, unsere Vorschläge ernsthaft zu prüfen“, so ihr Vorwurf, „auf unseren Antrag kam gleich am nächsten Tag eine Absage der Gemeinde, dass unser Ansinnen als aussichtslos angesehen und deshalb nicht bei den Behörden vorgelegt werde.“ Auch aufseiten der Fraktionsvorsitzenden, die mit drei Vertretern der Bürgerinitiative am runden Tisch saßen, ist die Enttäuschung groß. Nagel zeigt sich befremdet, „wie die Dinge aufeinanderprallen, ohne jegliche Gesprächsbereitschaft der Bürgerinitiative – dabei ist die Verhärtung nicht auf unserer Seite.“ Dittmer-Scheele betont, dass der Wunsch nach einer Beibehaltung des Status quo seitens der BI nicht durchsetzbar sei. Das ergäbe sich aus der Richtlinie für das Anlegen von Landesstraßen: „Nach heutiger Auslegung der Richtlinien ist diese Forderung unrealistisch.“ Das sei ihr vom Leiter für Straßenbau und Verkehr schriftlich bestätigt worden - genau diese schriftliche Bestätigung fordert Cartwright ein.

Dittmer-Scheele hofft indessen, die Planungen für die Kreisellösung zügig vorantreiben zu können. Dazu müsste in geringem Maße Grund von Anrainern erworben werden. In einem Fall sei man sich grundsätzlich einig, in dem anderen würden gerade Gespräche geführt. „Hoffentlich haben wir noch im März Klarheit – aus unserer Sicht kann es danach mit der Vergabe des Planungsauftrags schnell gehen.“

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