Flüchtlingshilfe Scheeßel lädt zu Austausch mit Lars Klingbeil

Wieder zu anderen Themen

Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil (links) stellte sich den Fragen der Gäste. Foto: Ann-Christin Beims
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Westervesede (acb). Obwohl sich nur eine kleine Runde mit 15 Gästen auf Einladung der Flüchtlingshilfe Scheeßel eingefunden hatte, entspann sich eine angeregte Diskussion rund um das Thema Flüchtlinge. Zu Gast war der Bundestagsabgeordnete und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der nach eigenen Worten einige Anregungen mitnehmen will.

„Alle Engagierten im Verein arbeiten anerkennenswert, mit viel Ausdauer und Frustrationstoleranz“, führte Vorsitzender Paul Göttert in die Diskussion ein. „Wir wollen und können nicht wegschauen und versuchen, Wege zu ebnen.“ Ein Hoffnungsträger sei hier das Einwanderungsgesetz, das Götterts Meinung nach zu wenig diskutiert wird. „Was ist geplant, welche Kompromissmöglichkeiten gibt es? Kann Yildiz in zehn Jahren Lehrerin sein und José bei der Feuerwehr – und wenn das nicht passiert, leben sie vielleicht im Ghetto? Mit allen wirtschaftlichen Folgen – das wollen wir nicht, sondern Möglichkeiten zur Teilhabe schaffen“, führte er aus. Auch aktuelle Fragen zum Familiennachzug sind an diesem Nachmittag Thema.

Für ihn sei es wichtig, zu erfahren, wie Dinge in der Praxis umgesetzt werden, erläuterte Klingbeil. In diesem Zusammenhang sprach er den derzeit viel diskutierten „Spurwechsel“ an, eine Idee, die FDP und SPD unterstützen. Im Kern gehe es darum, gut integrierten Ausländern eine Perspektive zu geben, diejenigen, die zur Schule gegangen sind, die Sprache beherrschen und einen Job haben, nicht in ihr Heimatland auszuweisen. „Es gibt natürlich klare Kriterien, aber volkswirtschaftlich sind wir total dumm, wenn wir investieren und diesen Menschen, der jetzt Steuern und Sozialabgaben zahlt, wieder zurückschicken. Wir schieben die Falschen ab“, machte er deutlich. Flüchtlinge müssten aber generell innerhalb kürzester Zeit Bescheid bekommen, ob sie bleiben dürfen und wenn nicht, müssten sie wieder gehen.

Der Generalsekretär erläuterte, dass die Kommunen derzeit noch nicht so ausgestattet seien, wie es sein müsste. Dazu rief er die Anwesenden auf, ihm Einblicke zu geben, wie es vor Ort aussieht. Ein wichtiger Faktor seien die Sprachkenntnisse, sprach Göttert Schwierigkeiten in den Sprachkursen an. „Lehrer sind oft zeitlich befristet, manchmal schlecht ausgebildet“, bemängelt er. Einwürfe der Zuhörer, dass viele die B2-Sprachkurse nicht schaffen würden, weil das Niveau zu hoch ist, wies Klingbeil zurück. „Das Level ist nicht notwendig, um in Deutschland bleiben zu können.“

Dazu sahen die Zuhörer, viele selbst ehrenamtlich engagiert, kritisch, dass viele Kinder für ihre Eltern zum Beispiel bei Behördengängen übersetzen müssten, da deren Sprachkenntnisse mangelhaft seien und dies sei für die Jugendlichen ein schwieriger Spagat. Doch müsse man auf die Kinder setzen, denn „die Älteren, die 40 Jahre auf dem Acker gearbeitet haben, da wird es schwierig, sie in Arbeit zu bringen“, warf ein Zuhörer ein. „Sprache ist der Schlüssel, aber wir müssen aufpassen. Wenn die Lehrerversorgung ohnehin schlecht ist, Unterricht ausfällt und dann werden Klassen geschaffen und bei deutschen Kindern fällt noch mehr Unterricht aus, beschweren sich die Eltern“, merkte der Bundestagsabgeordnete an. Gleichzeitig mahnte er, dass viele Situationen nichts mit Flüchtlingen zu tun hätten, aber auf sie projiziert würden. „Es gibt viele negative Debatten zu dem Thema, davon müssen wir weg. Wir müssen wieder mehr über Rente, Wohnungsbau und Pflege reden“, wünschte sich Klingbeil.

Autor

Jens Loës Jens Loës
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