Fachwerkhaus von 1753 ist von Bothel nach Sothel gezogen

Ein Haus voller Geschichte

Tanja ter Jung (von links), Marianne Vajen, Carina Vajen und Nadine Intelmann freuen sich, dass Hans-Dieter Gerken ihnen das Fachwerkhaus zur Verfügung stellt. Foto: Ann-Christin Beims
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Sothel. Alte Häuser erzählen Geschichten, heißt es. In dem alten Fachwerkhaus in Sothel aus dem Jahr 1753 kann man fast die Geister der Vergangenheit wispern hören. Mit viel Liebe zum Detail hat Hans-Dieter Gerken vor ein paar Jahren das Geburtshaus seiner Frau Ingrid wieder zum Leben erweckt – ein Haus, das vormals in Bothel stand.

„Das Haus wurde 1753 errichtet und 1945 ist meine Frau darin geboren worden“, erzählt Gerken. Ihre Eltern hatten das Haus Ende der 50er-Jahre aber abgebaut und sind in einen Neubau gezogen, die Einzelteile haben sie auf ihrer Hofstelle trocken eingelagert. „Rund 60 Jahre lag alles dort“, erzählt er, während hinter ihm ein behagliches Feuer im Ofen flackert. Dann hat er die Teile nach Sothel geholt und „Garbers Huus“ wieder aufgebaut.

Viel Arbeit hat das Paar in den Aufbau gesteckt, ein gemeinsames Hobby. „Wir hatten beide Spaß an so altem Kram“, fügt er hinzu. Beim Äußeren des Hauses orientierten sie sich an alten Fotos. „Das Zusammensetzen war nicht schwer, das ist vorgegeben“, erklärt Gerken. Nur die Größe entspricht nicht mehr dem ursprünglichen Haus – das war um einiges größer. Ihrer Krankheit zum Trotz hat seine Frau Ingrid noch tatkräftig mit angepackt und vieles selber gemacht, bevor sie vor anderthalb Jahren verstarb. „Sie hat gestrichen, Steine geputzt und saß noch oben auf dem Dach und hat Pfannen mit aufgehängt“, berichtet er stolz.

Aber nicht nur Steine und Gebälk haben die Jahrzehnte unbeschadet überdauert, auch Scheunen, Wagen, Remisen und Co. stehen noch auf der Hofstelle. Stabile Eichen- und Buchenbalken bilden die Stützpfeiler des Hauses. „Das ist noch anderes Holz als das, was heute verwendet wird.“ Dank eines Sandstrahlers erstrahlen diese wieder in ihrer ursprünglichen Farbe. „Das waren alles schwarze Balken, es war ein Rauchhaus“, erklärt Gerken. Ohne Schornstein hatte sich überall der Ruß abgesetzt. Zunächst habe er es im Alleingang versucht und an den Seiten mit einer Bürste geschrubbt. „15 Zentimeter, an einem Sonntag. Dann habe ich es aufgegeben“, sagt er mit einem Lachen.

Wer die Augen offen hält, kann in dem Haus mit der 300 Jahre alten Eichentreppe viel entdecken: In der Küche warten diverse Holzgeräte und „das gute Geschirr“, in urigen Schränken in den Ecken finden sich kleine Schätze und auch eine alte Wanduhr schlägt noch fleißig. Viele Möbel habe Gerken gesponsert bekommen, anderes hat er aus der Hofstelle in Bothel hergeholt. Und zu fast allem gibt es eine Geschichte, so auch zu einem alten Handwagen. „Vor 100 Jahren, als die Besitzer noch keine Pferde hatten, haben sie einen Hund vor den Wagen gespannt und Futter geholt.“ Die dazugehörigen Fotos schaut er sich immer wieder gerne an.

Auch draußen geht die Entdeckungstour weiter, unter anderem mit einem alten Brunnen aus dem 18. Jahrhundert. Während er von den alten Zeiten erzählt, sitzt Gerken entspannt auf seinem Stuhl, ganz in seinem Element. „Man kann heute noch sehen, wo sich die Kühe gescheuert haben“, wirft er ein und zeigt auf einen alten Stützpfeiler im Raum, der an einem Stück etwas abgewetzt ist.

Und was geschieht jetzt mit dem Haus? „Es war das Anliegen meiner Frau, dass wir das Haus für gemeinnützige Zwecke kostenlos zur Verfügung stellen“, so Gerken. Ingrid Gerken war lange bei den Landfrauen aktiv und hat sich gewünscht, dass diese und andere im Dorf das Haus für Veranstaltungen nutzen können. Unter anderem kommt ein Radfahrer-Club aus Wittkopsbostel zu Kaffee und Kuchen vorbei und ab dem kommenden Jahr finden regelmäßig Seniorennachmittage in Garbers Huus statt. Auch das Weihnachtssingen ist ein beliebter Anlaufpunkt. „Angucken kann es sich gerne jeder, aber vermietet wird es nicht“, unterstreicht Gerken.

Zusätzlich rufen engagierte Sotheler in diesem Jahr das „Wintervergnügen“ ins Leben (s. Infokasten links), mit dem sie das Haus ebenfalls mit Leben füllen wollen. Alles Veranstaltungen, wie sie auch in Ingrids Sinn wären, ist sich der Hausherr sicher.

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