Ein Blick auf die historische Getreideernte - Von Klaus-Dieter Plage

Im Wandel der Zeit

Ralf Bade (links) und Erwin Henning zeigten in Wittkopsbostel, wie die Getreideernte früher ablief. Der Lanz Bulldog und ein Mähbalken durften dabei nicht fehlen. Foto: Klaus-Dieter Plage
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Wittkopsbostel. In diesen Tagen rollen zur Erntezeit mit den schweren landwirtschaftlichen Maschinen wahre Alleskönner über die Felder. In den Jahren um 1900 war Getreideernte degen noch vornehmlich Handarbeit. Eine Zeitreise durch die dazwischen liegenden Epochen unternehmen die Besucher des Oldtimertreffens des Heimatvereins Wittkopsbostel: Ralf Bade und Erwin Henning führen eindrucksvoll den Wandel vor, den die Landwirtschaft im Lauf der Jahre vollzogen hat.

Bereits die Arbeit mit der Sense, Ausgangspunkt der Zeitreise, hatte es in sich: Denn bevor es an das Getreidemähen ging, mussten die Bauern ihr Arbeitswerkzeug schärfen. Der Landwirt klopfte zunächst beim Dengeln die Schneidekante platt – das glättete und schärfte sie. „Das erforderte Erfahrung und gute Treffsicherheit“, erklärt Henning. Nachdem das Getreide abgemäht war, nahmen es die Menschen von Hand auf, wanden etwas Stroh zu einem kurzen Seil und banden die Garbe zusammen. Mühsam, wie Henning weiß: „Dieser Arbeitsschritt war anstrengender, als das Mähen.“

Eine Erleichterung bei der Arbeit war der Mähbalken. Bereits 1836 erfand ein Pfarrer in Schottland dieses Hilfsmittel, das schließlich in den 1920er-Jahren als „Balkenmäher mit Ablage“ Einzug auf Höfen in Norddeutschland hielt. Zum ziehen spannten die Landwirte entweder Pferde oder manchmal auch schon einen Trecker davor.

Auf dem Balkenmäher waren zwei Sitze angebracht. Auf dem mittleren saß der Pferdelenker und an seiner Seite der Knecht. Letzterer hatte die Aufgabe, das abgemähte Getreide von der Ablage in Bündeln nach hinten für eine Garbe zu befördern. „Das war schon eine Erleichterung, aber das anstrengende Binden des Getreides zu Garben blieb“, sagt Henning. Erst der Mähbinder erleichterte diese Arbeit: Die Maschine basiert auf dem 1857 erfundenen mechanischen Knoten. Der Mähbinder mähte das Getreide, bündelte es und band die Halme zu Garben zusammen.

Auch beim Dreschen ging im Verlauf der Jahrzehnte die Technik dem Menschen immer mehr zur Hand. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts bearbeiteten sie das Getreide mit dem Dreschflegel. „Im Prinzip ist der Dreschflegel ein Besenstiel mit einem Knüppel vorne dran“, erklärt Bade. Für diesen Arbeitsschritt breiteten die Menschen die Garben mit den Ähren zur Mitte hin aus. Dann gingen sie im Kreis drumherum und schlugen immer wieder mit dem Dreschflegel auf die Garben. Dadurch fiel das Korn aus den Ähren.

Doch bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erleichterte die Dreschmaschine die Arbeit und verbreitete sich immer mehr in Deutschland. Lohnunternehmer mit Lokomobilen und Zugmaschinen zogen im Herbst von Hof zu Hof und droschen das Getreide. Aus monatelanger Arbeit wurden mit dieser Erfindung wenige Wochen. Eine Bergmann-Dreschmaschine hat bei Bade bis heute überlebt. „Und sie funktioniert noch“, sagt er zufrieden.

Eine Kombination aus Mäh- und Dreschmaschine bereicherte die technische Ausrüstung der Landwirte zu Beginn der 1950er-Jahre. Die Mähdrescher aus diesen Zeiten hatten entweder einen Absackstand oder einen Bunker. Die Schnittbreite betrug 1,50 Meter. Bei einem Mähdrescher mit Absackstand lief das Getreide in Säcke. Wenn diese voll waren, kam der nächste Sack an die Reihe. „Auf dem Absackstand war Platz für drei bis vier Säcke. Bei den Mähdreschern mit Bunker fassten diese etwa fünf Zentner Getreide“, erklärt Bade. „Das ist allerdings kein Vergleich mit heutigen Mähdreschern, denn die fassen locker 150 Zentner.“ Bade führt die alte Arbeitsweise mit einem alten John-Deere-Mähdrescher vor – „ebenfalls noch voll funktionstüchtig“, betont er und dreht beim Oldtimertreffen seine Runden übers Getreidefeld.

Auch bei den Zugmaschinen machte der technische Fortschritt nicht Halt: Der Trecker verdrängte mehr und mehr die Pferde, zwischendrin waren auch Lokomobile im Einsatz: An Seilen zog diese Dampfmaschinen den Pflug über die Felder. „Alte Schlepper sind heute eine Kapitalanlage“, weiß Henning. Vor 20 Jahren allerdings bekam man die antiquierten Arbeitsgeräte fast nachgeworfen.

Eine der bekanntesten Schlepper ist der Lanz Bulldog. In der umfangreichen landwirtschaftlichen Sammlung von Henning befindet sich auch einer aus dem Baujahr 1938 – noch mit 25 PS: „Unter 50.000 Euro würde ich ihn nicht verkaufen“, sagt Henning. Er demonstriert das Starten des alten Fahrzeugs.

Denn dieser Vorgang ist nicht ohne. „Damals musste man bei diesen Geräten Vorbereitungen treffen, die die technikverwöhnten Benutzer heutiger Agrar-Maschinen milde belächeln“, bemerkt Henning. Er heizt bei der Vorführung mit einem Brenner den Glühkopf des Lanz zehn Minuten vor. Anschließend schraubt er das Lenkrad ab, das genau in eine Aussparung am Motorblock passt. Mit einer kräftigen Drehbewegung schmeisst er den Motor an. „Das ist nicht ganz ungefährlich: So manches Lenkrad landete schon in den Eichen oder auf dem Scheunendach“, erzählt er mit einem Lachen.

Ein Schnauben, ein Röhren, ein Husten und tatsächlich eine Art Schütteln – und der Lanz läuft. Allerdings nicht, ohne eine gewaltige Qualmwolke auszuspucken. „Wenn man nicht aufpasst, kann es sein, dass er falsch herum läuft. Dann hat man drei Rückwärtsgänge und einen Vorwärtsgang“, sagt Henning. Mit allen Treibstoffen, die halbwegs flüssig und brennbar sind, lässt sich der liegende Ein-Zylinder-Zweitaktmotor in Gang setzen. Neben Benzin und Diesel schlucken die Motoren Rapsöl, Speiseöl – und Pommesfett ebenso wie Margarine.

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