„Drum & Dance“ im Nötelhaus in Scheeßel - Von Erich Schulz

Reise in den Senegal

Saliou Cissokho fasziniert die Besucher mit seinem Koraspiel. Fotos: Erich Schulz
 ©

Scheeßel. Wenn unter der Woche Dienstagsabends in der Kulturwerkstatt Nötelhaus Trommelklänge bis auf die Straße schallen, ist das für die Scheeßeler nichts Besonderes mehr, denn dort übt regelmäßig die Trommelgruppe des Beekeortes. Am vergangenen Samstag jedoch war alles ein wenig anders: Der Trommelkünstler Badou M´Baye lud mit dem international bekannten Kora-Solisten Saliou Cissokho und der Scheeßeler Trommelgruppe zu einem Konzert nach dem Motto „Trommeln und Tanzen für alle“ ein.

Interessierte konnten eine eigene Trommel mitbringen und ordentlich auf die Pauke hauen. Sowohl M´Baye als auch Cissokho stammen aus dem Senegal in Westafrika und haben auf unterschiedlichen Wegen in Deutschland ihre Heimat gefunden. Cissokho wuchs in einer Familie auf, in der die Tradition des Koraspielens vom Vater zum Sohn weitergegeben wurde. Schon früh hatte er mit dem Korabau begonnen und widmete sich ganz der Tradition des Spielens und der Geschichte der Griots. „Die Griots sind Sänger, Künstler und Geschichtenerzähler, die durch mündliche Überlieferung dazu beitragen, dass traditionelles Wissen weitergegeben wird. Westafrika ist groß und unsere Kultur ist wie ein Vogel, der über allem schwebt“, erklärte M´Baye. Cissokhos musikalischer Weg führte ihn 2006 nach Barcelona, wo er diverse Musik-Projekte ins Leben rief und mit internationalen Musikern und Künstlern in unzähligen Bars, Clubs und auf Festivals spielte. Seit 2012 lebt er in Hamburg, gibt Konzerte, leitet Workshops und hält Vorträge über die Kora und die Tradition der Griots.

M´Baye war lange Zeit Trommellehrer in Berlin und Zürich und zog, nachdem er seine Frau Elisabeth Pietrucha anlässlich eines Tanz-Workshops in Hamburg kennengelernt hatte, vor fünf Jahren nach Lauenbrück. Er unterrichtet neben der Trommelgruppe Scheeßel in der Fintauschule und weitere Gruppen in Hamburg. Auch er gehört dem Stamm der Griots an und hat seine Wurzeln im Nord-Senegal.

Begonnen hatte das Musikprogramm in einer lockeren Atmosphäre mit typisch afrikanischem Essen und einigen Solostücken von Cissokho auf der Kora. „Die Kora ist ein altes westafrikanische Instrument und besteht aus einer mit Kuhfell bespannten halben Kalebasse sowie 21 Saiten, wobei die linke Hand die Basssaiten und die rechte die Melodie spielt. Früher wurden die Saiten aus weiblichen Antilopensehnen gefertigt, heute sind sie aus Nylon, was vieles einfacher macht“, erklärte Cissokho. Während er Stücke aus seiner Heimat spielte, schlossen viele der Zuhörer die Augen und fühlten sich in den Senegal versetzt – mit Bildern von springenden Antilopen und der faszinierenden Landschaft vor dem geistigen Auge, wie sie erzählten. Als dann durch M´Baye mit seine Mitspieler die Trommeln ertönten und er die Zuschauer aufforderte, mitzusingen, hielt es kaum jemanden auf den Stühlen. Alle wiegten sich im Rhythmus der Musik oder tanzten einfach mit.

„Wenn man die Musik live hören kann, ist das etwas ganz anderes als von der CD oder im Radio, hier geht man einfach mit mit der Musik die in den Körper geht“, meinte Elisabeth Pietrucha. Die Gruppe hatte sichtlich gemeinsam mit den Musikern Badou M´Baye und Saliou Cissokho die Herzen der Zuhörer erobert.

Wer Interesse hat, die Vielfältigkeit der Trommelkunst zu erlernen oder einfach nur mal zuhören möchte, ist eingeladen, in der Kulturwerkstatt im Nötelhaus in Scheeßel in der Mühlenstraße 2 dienstags ab 18 Uhr vobeizuschauen.

14.12.2018

Weihnachtskonzert Fintel

12.12.2018

Weihnachtsmarkt in Otterstedt

11.12.2018

Vollbrand in Werkstattkomplex

11.12.2018

Weihnachtsmarkt Visselhövede