Dittmer-Scheele treibt Gebote beim Bauernmal in die Höhe

„To’n Eersten, to’n Tweeten“

Beste Stimmung herrschte im Gastraum des Scheeßeler Treffpunkts. Fotos: Marika Heitmann
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Scheeßel. „De drinkt jümmers sin Grog ut, bevor ich Proost secht hebb“, beschwerte sich Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele beim jüngsten Bauernmal im Beekeort. Mit „De“ war einer der Anwesenden gemeint, die im Gastraum des Restaurants „Zum Treffpunkt“ eifrig auf die Pflegerechte an Scheeßels Gemeindewegen boten. Bei einem Gebot von mehr als 30 Euro gab es zu dem die Erlaubnis, einen der gemeindeeigenen Apflebäume zu ernten.

Traditionell am 6. Januar veranstaltet die Gemeinde Scheeßel das sogenannte Bauernmal. Dabei handelt es sich keinesfalls um ein rustikales Gelage, sondern vielmehr um die althergebrachte Versteigerung der Pachtrechte an den Scheeßeler Gemeindewegen. Früher konnten die Pächter, die den Weg oder die Straße für die Dauer eines Jahres pachten, ihre Tiere auf diesen Flächen grasen lassen.

Grasende Nutztiere wird man dieser Tage nurmehr selten auf Scheeßels Straßen erleben, vielmehr erwerben die Pächter heute das Recht, die jeweiligen Wege zu pflegen und das dort angepflanzte Obst zu nutzen. Das bei der Versteigerung an die Gemeindevertretung ausgezahlte Geld wandert in eine Kasse, aus der Neuanpflanzungen von Bäumen realisiert werden. Letztlich ist es eine lieb gewordenen Tradition und eine gemeinnützige Veranstaltung, bei der zudem noch die plattdeutsche Sprache gepflegt wird. Denn nachdem Bürgermeisterin Dittmer-Scheele durch den einführenden Teil auf Hochdeutsch geführt hatte und die Protokolle der vergangenen Sitzung vorgelesen worden waren, war die Zeit für die Auktion gekommen, während der es unerwünscht war, eine andere als die plattdeutsche Sprache zu verwenden. Um das Ganze anzuheizen und die Gebote in die Höhe zu treiben, wurden aus der Kasse einige Runden heißes Wasser mit einem Schuss Rum ausgeschenkt. Auch dieser Brauch hat beim Bauernmal in Scheeßel Tradition, selbst wenn laut Dittmer-Scheele „noch kein richtiges Grog-Wetter ist. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Temperaturen noch sinken.“ Ihrer Rolle als erfahrene Auktionatorin wurde die Bürgermeisterin in der folgenden Stunde auch gerecht, wusste zu jedem Weg etwas zu erzählen und tat alles, um die Gebote in die Höhe schnellen zu lassen. „Dörteihn Üro? Daför geit de nich wech, dat is n schöne Wech direkt an de Wümm“, so Dittmer-Scheele zum Langwedelweg, der dieses Jahr ganz neu im Programm war. Sie sollte Recht behalten, den Weg ersteigerte letztlich Werner Bassen für 30 Euro. Aber nicht alle Hoffnungen auf Ertrag durch die gepachteten Wege erfüllen sich, so weiß auch Lothar Scheele zu berichten. „Do hebb ück mir betn mehr vun versprochen“, meinte er dann auch zum Veerser Weg. Scheele hatte diesen 2019 für ein Jahr gepachtet. Am Ende durfte aber auch der Spaß nicht fehlen, und Scheeßels Bürgermeisterin erwies sich auch dabei als äußerst schlagfertig. Sei es als Antwort auf die Frage: „ Wer weet denn sowat?“ - „Google weet dat“ oder als Reaktion auf subtil geäußerte Kritik am Zustand mancher Wege. „De is dör mit sin Traktor lang un dann is em da watt afsprung. De is all kaputt.“ - „De Wech oder de Traktor?“ Am Ende gab die Bürgermeisterin noch eine Runde heißes Wasser aus, da keine „Grönen“ , also Neulinge, bei der Versteigerung anwesend waren, deren Aufgabe traditionsgemäß das Bereitstellen von Heißgetränken ist.

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