CIOFF: die Organisation hinter dem Beeke-Festival

Vernetzt in 90 Ländern

Für ihr internationales Festival nutzen die Beekscheepers ein Kontaktnetz, das bis in die polynesische Kultur der Maori hineinreicht
 ©Rotenburger Rundschau

(ari). Wenn am kommenden Wochenende Tänzer und Musiker aus neun Nationen im kleinen Scheeßel zusammenkommen, um gemeinsam das Beeke-Festival zu feiern, werden sich viele Besucher fragen: Woher haben die gastgebenden Beekscheepers nur diese ganzen Kontakte, wie gelingt es ihnen alle zwei Jahre, Ensembles auch aus den entferntesten Winkeln der Welt anzulocken? Die Antwort hat fünf Buchstaben: CIOFF.

Hinter dem Kürzel verbirgt sich der Internationale Rat für die Organisation von Folklorefestivals und Volkskunst, eine 1970 in Frankreich gegründete Nichtregierungsorganisation in offizieller Partnerschaft zur Unesco. Die deutsche Sektion besteht seit 1979 – und die Beekscheepers sowie der mit den Scheeßeler Brauchtumspflegern seit Jahrzehnten freundschaftlich verbundene Schlitzerländer Trachten- und Volkstanzkreis gehören zu den Gründungsmitgliedern. „Unsere Satzung wurde damals im historischen Schafstall in Scheeßel verfasst“, denkt Norbert Müller an die Anfänge zurück. Der Heppenheimer ist selbst ein Mann der ersten Stunde. Seit rund sechs Jahren fungiert er als Chef der deutschen Sektion des CIOFF, zuvor hatte er rund 15 Jahre den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden inne. In den 70er- und 80er-Jahren, den Zeiten des Kalten Krieges also, stand vor allem die Völkerverständigung innerhalb Europas auf der Agenda der Organisation. „Erstaunlicherweise waren Länder wie Polen und die Sowjetunion von Anfang an sehr interessiert und aktiv“, erinnert sich Müller. Rasch entstanden neue Kontakte, wuchs die Zahl der über alle Systemgrenzen hinweg miteinander befreundeten Gruppen. Auch außerhalb Europas schlug die Idee der Völkerverständigung in Tracht langsam Wurzeln. Zu den frühesten Mitstreitern in fernen Kulturen gehörten die Japaner. Später traten auch amerikanische und afrikanische Länder hinzu. Inzwischen gibt es Sektionen in 90 Nationen rund um den Globus. Alles, was innerhalb dieses Kosmos aus Trachtenhauben und Federschmuck Deutschland betrifft, wandert über Müllers Schreibtisch. Über alle Einladungen und gegenseitige Besuche ist er stets informiert. Auch Anfragen an die Beekscheepers, auf internationalen Festivals aufzutreten, leitet der CIOFF-Mann regelmäßig weiter. In die andere Richtung funktioniert das System natürlich auch: Als den Gastgebern des Beeke-Festivals zum Beispiel kurz vor Toresschluss ein Ensemble aus Indien verlorenging, konnte mithilfe der global vernetzten Folkloreorganisation rasch eine Ersatzformation aus Kenia gefunden werden. So schnell hätten die Beekscheepers trotz vieler eigener internationaler Kontakte ohne die Unterstützung des CIOFF gar nicht reagieren können, weiß Vereinsvorsitzender Jörn Klee. Ein Vorteil der Organisation liegt zudem darin, dass sie darauf achtet, nur Gruppen in ihren Pool aufzunehmen, die gewissen Qualitätskriterien entsprechen. Voraussetzung seien zum Beispiel, dass Musik live gespielt werde und in den Choreographien keine Fantasietrachten ohne historischen Bezug zum Einsatz kämen, sagt Müller. Er selbst könne in diesem Jahr nicht nach Scheeßel kommen, fügt er bedauernd an. Dafür muss er Ende Oktober seine Koffer für eine ungleich längere Reise packen: Der CIOFF veranstaltet in der zentralmexikanischen Stadt Zacatecas seinen jährlichen Weltkongress. 2014 findet dieser übrigens seit 1984 erstmals wieder in Deutschland statt. Gastgeber der internationalen Zusammenkunft im sächsischen Bautzen ist dann die Domowina, der Dachverband aller Vereinigungen der ethnischen Minderheit der Sorben.

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