Bartelsdorf und Wohlsdorf: Schulterschluss mit Taakener BI

Der Osten erhebt sich

Sieben von insgesamt 90 ermittelten Teilgebieten liegen auf dem Gebiet des Landkreises. Foto: Jens Lou00ebs
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Bartelsdorf/Wohlsdorf. „Das Zeug möchte ja wirklich niemand unter seinem Haus wissen.“ Johann Baden aus Bartelsdorf spricht seinen Unmut über ein mögliches Endlager für radioaktive Restbestände im Landkreis offen aus. Er ist einer von vielen in Wohlsdorf und Bartelsdorf. Die Bürgerinitiative in Taaken machten den Anfang. Jetzt regt sich auch im Osten des Landkreises Widerstand. Nach der Veröffentlichung des ersten Zwischenberichts der Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE) im vergangenen Herbst ist klar, dass mehr als sieben Teilgebiete die Region direkt oder indirekt betroffen sind.

„Wir alle sind uns einig, dass wir jahrzehntelang von den Vorzügen der Atomkraft gelebt haben und dass wir deswegen auch gemeinsam die Verantwortung für den angefallenen Abfall tragen“, erklärt der Bartelsdorfer. Aber es gäbe im Landkreis diverse Faktoren, die zumindest starke Zweifel an der Tauglichkeit des Gebietes aufkommen lassen. Die Bürger beider Ortschaften fragten sich, welche Auswirkungen unter anderem die Gasbohrungen in der Region hätten. Auch die Erdstöße, die sich in den jüngsten Jahren häuften, gäben Grund zur Besorgnis, erklärt Baden weiter. Das Beben in Kirchlinteln am 20. November 2019 erreichte zum Beispiel eine Lokalmagnitude von 3,2 und ist damit im Bereich des Ausschlags, den die BGE als relevant einstuft. Auch die Auswirkungen des Endlagers auf das Grundwasser der Rotenburger Rinne nähmen die Bürger beider Ortschaften als schwierig wahr. „Wer garantiert denn, dass da durch die ganzen Eingriffe nicht doch etwas ausläuft“, fragt Baden.

Auch die Informationsveranstaltung der BGE zu den Teilgebieten, die die Gesellschaft in der vergangenen Woche abhielt, konnte viele dieser Fragen und Zweifel nicht ausräumen. Oftmals verwiesen die Experten auf das laufende Verfahren, und dass diese Einzelfragen im Detail erst in der zweiten Phase des Evaluationsprozesses angegangen würden. Die Anforderungen, die in der ersten Phase der Suche an die jeweiligen Gebiete gestellt wurden, zeigten, dass mehr 50 Prozent Deutschlands und mehr als 80 von Niedersachsen als Teilgebiet geeignet wäre. Neben großflächigen Teilgebieten wie der Norddeutschen Tiefebene, die sich über Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen erstreckt, gibt es auch kleinteilige wie eben den Salzstock unter dem Landkreis Rotenburg, der sich von Taaken im Westen bis Westervesede im Osten erstreckt. „Die Größe der betroffenen Gebiete bundesweit, aber auch besonders in Niedersachsen hat uns überrascht“, so Andreas Sikorski, Leiter der Abteilung vier für Atomaufsicht und Strahlenschutz im niedersächsischen Umweltministerium. Er und sein Kollege Timo Quander vom Referat für Rechtsangelegenheiten, stellten sich auf der Informationsveranstaltung des Landkreises gemeinsam mit Experten der BGE den Fragen der zugeschalteten Bürger. Doch die meisten Antworten blieben sie schuldig. Die ersten Einordnungen seien nur ein grobes Raster, da habe man nicht auf alle Punkte eingehen können. Auch ein Detail wie der wahrscheinlich steigende Meeresspiegel und die damit eventuell veränderte Küstenlinie Niedersachsens könne man zu so früher Zeit noch nicht mit einbeziehen, erklärte Dagmar Dehmer, Leiterin der Unternehmenskommunikation der BGE. „Da muss ich passen, mit dieser Frage beschäftigen sich unsere Fachleute“, so Dehmer zu einer Frage nach der möglichen Gefährdung des Trinkwassers der Rotenburger Rinne. Zur Öffentlichkeitsarbeit und der damit verbundenen Transparenz äußerte sich vor allem Quander, der erklärte, dass an dieser Stelle noch einiges verbessert werde. So bemängelten auch einige der Zuhörer, dass der Prozess nicht so lange verschoben werde, bis wieder Versammlungen möglich sind. Dadurch wären auch diejenigen in den Prozess mit eingebunden, denen der Zugang zu Online-Veranstaltungen nicht so leicht falle. Zudem sind viele der Dokumente, die die BGE unter www.bge.de der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt nicht gerade einfach zu verstehen: Es wimmelt dort von Fachtermini wie „lithologische Variation“, „Diapirstadium“oder „Oberrotliegendsalinare“, ohne oder mit unzureichender Erläuterung. Auch beklagten Zuhörer die fehlende Einbindung des Nationalen Begleitgremiums (NBG). Das NBG solle eigentlich das Auswahlverfahren beratend begleiten, auf seine Einwände werde aber zu selten eingegangen, so der Einwand. Die Einwohner von Wohlsdorf und Bartelsdorf, die bereits in den 1990er-Jahren mit dem Widerstand gegen die sogenannte Y-Trasse Erfolg hatten, starteten zunächst mehrere Anzeigenkampagnen in regionalen Printmedien. „Es geht in erster Linie darum, die Bürger des Landkreises zu sensibilisieren“, konstatiert Baden, der den Stein ins Rollen brachte. Langfristig streben die Bürger der Ortschaften aber eine zumindest kreisweit vereinigte Bewegung an. Der Plan sei, sich mit Taaken zusammenzuschließen. „Zersplittert können wir nichts ausrichten, nur geeint lässt sich dem Endlager etwas entgegenstellen“, erklärt Baden.

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