Ausstellungseröffnung auf Meyerhof: Bilder und Skulpturen - Von Henning Leeske

Kunst mit Sand und Säge

Filigran: MIt der Kettensäge erschafft Ragna Reusch Holzskulpturen von einzigartiger Ausdruckskraft. Foto: Henning Leeske
 ©Rotenburger Rundschau


Scheeßel. Kunst mit Abstand, aber großer Begeisterung vom Publikum – so ließe sich die Vernissage im Meyerhaus zusammengefasst. Scheinbar ausgedürstet nach Kultur kamen viele Kunstinteressierte zur Ausstellungseröffnung unter freiem Himmel mit allerhand Coronabenimmregeln. Die Werke von Ragna Reusch und Maggie Luitjens sind ab sofort im historischen Bauernhof zu besichtigen und bieten eine weite Spannweite von der Malerei bis zur skulpturlichen Kunst.

Die Scheeßeler Schulmusikanten sorgten für die musikalische Begleitung des Events. Die Einführung in das künstlerische Schaffen übernahm Claus Witte und stellte die beiden Künstlerinnen vor, nachdem Museumsleiter Nils Meyer die zahlreichen Gäste begrüßt hatte. Auch für ihn sei eine Vernissage unter diesen Umständen etwas ganz neues und außergewöhnliches.
Die Malerin Maggie Luitjens charakterisierte Witte über ihre besondere Art Bilder zu malen. „Wer bei dem Thema Malerei an feine oder heftige Pinselstrukturen denkt, an plusterfeine Farben, an Öl, Aquarell, Goache, der wird bei ihren Werken vergeblich suchen. Naturfarben und eingefärbte Sandschichten prägen die Bilder von Maggie Luitjens“, sagte Witte. Man könne die Bilder fast Flachreliefs nennen, die mit Erhebungen, Vertiefungen, Hochplateaus und Furchen die Bildsprache bestimmten. Daher ließe sich bei dieser Küntlerin eine ganz interessante technische Umsetzung einer Idee begutachten lassen, weil sie eben in drei Dimensionen arbeite. „Eine klare Transparenz und dichte Malschichten wechseln einander ab. Zwischen den Schraffuren des Untergrunds und den sichtbaren Zeichen, die manchmal wie Spuren im Sand wirken, besteht eine geheime Korrespondenz“, führte Witte weiter aus. Damit lenkte er das Interesse auf die Serie „Sandmeer“. Die gebürtige Ostfriesin fesselt so die Betrachter ihrer Werke, die sie in ihrem Bremer Künstleratelier, einer ausgedienten Speiseeisfabrik, erschafft.
Die Dreidimensionalität ist auch der Anknüpfungspunkt zu den Skulpturen von Ragna Reusch, die die Ahäuserin mit einer Vielzahl von Kettensägen aus Holz formt. „Schnitzen im Extrem – extrem klein oder ziemlich groß“, nannte Witte die Kettensägenkunst. Denn Reusch steht mit ihren Skulpturen nicht nur für große Holzklötze, die irgendwie zu einem Kunstwerk versägt wird. Sie schnitzt auch aus winzigkleinen Zahnstochern Miniaturfiguren, die quasi unter die Lupe genommen werden müssen. Den Werkstoff Holz kenne sie schon seit ihrer Kindheit, weil sie schon im Alter von sieben Jahren mit dem Schnitzen begann. Aus Astgabeln formte sie männliche Figuren, wie Ringer, Akrobaten oder Väter mit Söhnen. Später kamen die frechen Damen mit High Heels dazu. Ragna Reusch sei eben vor allem neugierig auf alles, was das Leben freudig bereichert, bunter macht und vielseitiger, so Witte. Wenn sie mit den Pferdestärken einer Motorsäge an einem Holzbalken arbeite, bleibe es aber nicht bei dem Lärm des Zweitaktmotors, sondern zur Inspiration trällert sie dabei auch schoneinmal eine Opernarie: eine Kettensägenkünstlerin mit Notenschlüssel sozusagen. Eine Liveperformance ihrer Kunst zeigte sie den Gästen der Vernissage mit dem Zurechtsägen eines Holzstücks direkt auf dem Meyerhof.
Die Austtellung ist bis zum 2. August immer Samstags, Sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr im Kunstgewerbehaus im Meyerhof zu sehen.

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