Ausgabeleiter Günter Saxer möchte seinen Posten weitergeben - Von Ann-Christin Beims

„Ein gutes Gefühl“

Günter Saxer lobt die Harmonie, die unter den 54 Ehrenamtlichen der Ausgabestelle herrscht. Foto: Ann-Christin Beims
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Scheeßel. Er hat es auf jedem erdenklichen internen Weg versucht, aber nun wendet sich Günter Saxer an die Öffentlichkeit: Der derzeit kommissarisch eingesetzte Leiter der Scheeßeler Ausgabestelle der Tafel möchte sich von dieser Position gerne zurückziehen, doch einen Nachfolger gibt es – trotz aller Bemühungen – bisher nicht. „Es ist eine Aufgabe, die einen ruhig einschlafen lässt, mit dem guten Gefühl, geholfen zu haben – und die Tafel ist aus Scheeßel nicht mehr wegzudenken“, sagt er.

Warum sich aus den eigenen Reihen niemand findet, der diesen Posten übernehmen möchte, hat vielerlei Gründe. Einer mag das Alter einiger Helfer sein, der älteste ist Johann Lambrecht mit 85 Jahren. „Mehr als zehn Jahre sind 70 Prozent der Ehrenamtlichen dabei, davor muss man den Hut ziehen“, lobt Saxer das Engagement seiner Mitstreiter. Dennoch: Die Gesamtverantwortung möchte keiner alleine tragen.

Dabei ist es ein überschaubarer Arbeitsaufwand: „Vier bis fünf Stunden pro Woche sind machbar, dass ich mehr mache, ist ja meine Sache“, sagt Saxer und lächelt. Den größten Teil erledigt er von Zuhause aus: Er koordiniert die Teams, hält Kontakt mit den Lebensmittelspendern, übernimmt die Kooperation mit anderen Tafeln und die Öffentlichkeitsarbeit. „Wenn man die Ansprechpartner kennt und seine Listen hat, ist das alles kein Problem“, bekräftigt er. Wichtig sei es auch, zwischendurch mal den Kopf zur Tür reinzustecken – insbesondere an Weihnachten und Silvester. „Die Frauen sortieren dann noch Lebensmittel“, berichtet Saxer.

Und es gibt eine gute Arbeitsteilung: „Wir haben alles auf mehrere Schultern verteilt.“ So hat er Unterstützung von seinem Stellvertreter Dieter Froese und Jochen Bannier, der für die Fahrereinteilung zuständig ist. Doris Braentel, Marion von Koschitzky und Bärbel Münnich haben die Einteilung der drei Frauen-Teams übernommen, die im dreiwöchigen Wechsel die Ausgabe der Lebensmittelspenden durchführen. Zweimal die Woche kommen Bedürftige durch die Türen des Bahnhofsgebäudes, meist 30 bis 40 Kunden pro Ausgabe. „Wir stellen ausreichend Lebensmittel zur Verfügung, und hoffen, dass die Eltern dadurch ihren Kindern mal eine Hose oder ein paar Schuhe kaufen können“, erklärt Saxer. Nur einmal sei es zu einem Engpass gekommen: 2016, mit dem großen Flüchtlingsaufkommen, mussten Tafelgänge auf einmal die Woche beschränkt werden. Damit seien auch viele der Altkunden weggeblieben. „Aber alle, die bedürftig sind, sind willkommen“, betont Saxer. „Wir freuen uns natürlich über jeden, der nicht zur Tafel kommt, weil wir hoffen, dass es heißt, dass er sich selber versorgen kann.“ Und nicht ohne Stolz verkündet er, dass die Kunden zu 99,9 Prozent zufrieden seien. „In den Jahren gab es nur zwei schriftliche Beschwerden.“

Um das zu erreichen und immer genügend Lebensmittel vorzuhalten, ist der Aufwand groß: „Wir fahren sechs Mal die Woche Lebensmittel abholen, andere Tafeln nur vier Mal.“ Das Einzugsgebiet sei zwar nicht klein, dennoch hat Scheeßel weniger Lieferanten als in einer größeren Stadt – hinzu kommen Kunden aus den Gemeinden Fintel und Lauenbrück. Teilweise fahren die Helfer bis nach Zeven, um Spenden abzuholen.

54 Mitarbeiter sorgen derzeit für einen reibungslosen Ablauf, dennoch macht sich Saxer Sorgen um die Zukunft: „Uns gehen so langsam die Fahrer aus, viele sind noch dabei, wollen aber altersbedingt lieber Beifahrer sein“, erläutert der Scheeßeler. Auch hier hofft er auf weitere Unterstützung. Dankbar ist er für die Praktikanten der Eichenschule, die oft anpacken. „Das hilft uns sehr.“

Eigentlich hätte Saxer gerne zu Ostern aufgehört, einem Nachfolger steht er zu Beginn mit Rat und Tat zur Seite. „Das Arbeiten hier macht allen Spaß, es ist ein sehr harmonisches Zusammensein“, ergänzt er. Das sehe man auch daran, dass an den privaten Treffen der Mitarbeiter zweimal jährlich fast alle teilnehmen. Und dieser Zusammenhalt ist es, weswegen Saxer „weitermacht, bis ich einen Nachfolger gefunden habe“.

Wer sich vorstellen kann, Ausgabeleiter zu werden oder als Fahrer aushelfen möchte, meldet sich unter Telefon 04263/982356 und per E-Mail an guentersaxer@ewetel.net.

Autor

Ann-Christin Beims Ann-Christin Beims
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 ann-christin.beims@rotenburger-rundschau.de

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