Zweiter Flugtag für die Kindertrauergruppe des Hospizvereins

Einmal Himmel und zurück

Die Geschwister Mia und Sören genießen den Tag auf dem Flugplatz: Sie sagen, sie fühlen sich frei und können ihre Sorgen einen Moment vergessen. Fotos: Bonath
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Rotenburg – Ein paar weiße Wolken zeigen sich am sonst blauen Himmel über dem Rotenburger Flugplatz: Begleitet von dem Motto „Einmal Himmel und zurück“ veranstaltete die Kindertrauergruppe „Fidelius“ des Hospizvereins ihren zweiten Flugtag. Nach zweijähriger Pause, Corona hat es so gewollt. Sieben Piloten des Bremer Vereins für Luftfahrt hatten, wie bereits vor drei Jahren, ihre Wochenendfreizeit und ihre Sportmaschinen als „Geschenk“ an die Mädchen und Jungen der Trauergruppe zur Verfügung gestellt.

20-minütige Flüge als Co-Piloten an der Seite von erfahrenen Flugzeugführern in mehreren hundert Metern Höhe über dem Kreis Rotenburg: Für viele der 23 Kinder und Jugendlichen wurde das vergangene Wochenende zu einem besonderen Erlebnis. Sie hoben in einer bunten Sportmaschine sanft von der Rollbahn ab und flogen dem Himmel entgegen. Dabei konnten sie einen Blick auf das eigene Dorf, die Stadt, das Elternhaus, die Schule, die Kirche und das Grün der frühsommerlichen Natur werfen.

Die jungen Passagiere stiegen mit gespanntem Lächeln in die Kanzeln der Sportmaschinen und erzählten später, wieder sicher gelandet, was sie alles auf ihrem Rundflug gesehen hatten. Es sind zugleich Flüge, die für sie mit Symbolik verbunden waren: Sie konnten so einem geliebten Menschen, der nicht mehr unter ihnen ist, im Himmel ein wenig näher kommen.

Initiator des Flugtags für die Kindertrauergruppe ist der 35-jährige Software-Mitarbeiter und Sportpilot Dennis Weseloh aus Westerholz. Der junge, freundliche Mann, dem „ein ganz großes soziales Herz für Kinder“ bescheinigt wird, war Anfang 2019 an die Leiterin der Kindertrauergruppe, Almuth Baack Bione, herangetreten mit der Idee und dem Vorschlag, einen Flugtag für die Kinder zu veranstalten: „Ich wollte Kindern, die, vom Schicksal gefordert, eine schwere Zeit durch den Verlust eines lieben Menschen erlitten haben, eine Freude machen.“

Der erste Flugtag, der bei den Sportfliegerfreunden von Dennis Weseloh auf große Mitmachbereitschaft gestoßen war und von einem Rahmenprogramm begleitet wurde, begeisterte die Teilnehmer.

Nach zweijähriger Zwangspause folgte jetzt die Fortsetzung. Die Organisation hatten wieder Weseloh und sein Vereinskollege vom Bremer Verein für Luftfahrt, Joachim Sims, der als Flugleiter fungierte, übernommen.

Mit ihnen zusammen bereitete Almuth Baack Bione den Flugtag vor. Sie wurde dabei von Wirtschaftsfachwartin Inga Lohmann unterstützt, die neben ihrer Tätigkeit als Schatzmeisterin im Rotenburger Palliativstützpunkt auch beim Hospizverein tätig ist. Inga Lohmann wird zudem künftig die Leitung der Trauergruppenarbeit übernehmen.

Sie kann sich darauf verlassen, dass der Flugtag für die Kindertrauergruppe zu einer regelmäßigen Veranstaltung wird. „Grund für unseren Flugtag ist, den Mädchen und Jungen etwas Gutes zu tun. Corona hat uns in den vergangenen zwei Jahren ausgebremst. Für die Zukunft stellen wir uns vor, wenn die Umstände es erlauben, auch weiterhin Kinderflugtage zu veranstalten. Unsere Motivation ist ganz einfach: Wir wollen den Kindern eine Freude bereiten“, sagt Joachim Sims.

Zu denen, die dafür dankbar sind, gehören Michaela Behrens, die Schriftführerin des Hospizvereins, sowie Vorsitzender Gerhard Eimer. Sie ließen es sich ebenfalls nicht nehmen, am Flugtag dabei zu sein. Und es gab noch weiteren Grund zu Freude: Dennis Weseloh und Joachim Sims bekamen als Dank vom Verein ein großes Bild. Das Motiv: Natürlich ein fliegendes Flugzeug, das ein Banner mit dem Text „Einmal Himmel und zurück“ zieht.

Unter den Mitfliegenden waren auch die Geschwister Mia (17) und Sören (14), beide Schüler des Rotenburger Ratsgymnasiums. „Vor sieben Jahren ist unser Vater gestorben, und seitdem sind wir Teil der Trauergruppe. Ich glaube schon, dass ein verlorener Mensch greifbarer ist, wenn man fliegt. Man fühlt sich frei und kann seine Sorgen vergessen“, erzählt die Schülerin. „Wenn wir nach den anderthalb Stunden zu Hause angekommen sind, fühlt man sich mit seiner Trauer nicht mehr so allein“, so die 17-Jährige weiter zu den wöchentlichen Treffs der Kindertrauergruppe in der Lindenschule der Rotenburger Werke. Am besten an der Gruppe gefalle ihr der Austausch mit anderen, die ebenfalls jemanden verloren haben. „Die Inhalte der Arbeit gefallen mir; ich würde es jedoch gut finden, wenn mehr für die Trauergruppe geworben würde.“

Eine der zentralen Säulen der ehrenamtlichen Arbeit des Hospizvereins, der sein Büro bei der Geso an der Rotenburger Nordstraße unterhält, ist die Trauergruppe und ihr Anliegen, Menschen über den Schmerz der Trauer und den Verlust eines geliebten Menschen hinwegzuhelfen.

bo

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