Zum kleinen Jubiläum der Natur-Looks-Kolumnen - Von Christiane Looks

Einhundert

Die Napoleonseiche auf dem Bullerberg bei Westerholz ist ein geschütztes Naturdenkmal. Foto: Joachim Looks
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Westerholz. Die 100. Natur-Looks-Kolumne: Wer hätte dieses gedacht, als im Sommer 2015 die Idee für eine regelmäßig erscheinende Kolumne in der Rotenburger Rundschau vom Rundschauteam und dem Kolumnenduo Christiane und Joachim Looks entwickelt worden war. Zwei Natur-Lesebücher sind aus bisher veröffentlichten Beiträgen entstanden und von der Stiftung Naturschutz im Landkreis Rotenburg herausgegeben.

Im Prozess der Zusammenstellung bemerkte die Lektorin der Stiftung einmal, es überrasche immer wieder, wie der einleitende Teil einer Kolumne in den fachlichen Hauptteil übergehe. Dafür gibt es Vorbilder. Eine Reihe von Beiträgen aus der Natur-Looks-Serie verraten, dass bestimmte Bücher die Kolumnen-Autorin seit frühen Jahren begleiteten. Der häusliche Bestand wächst bis heute, und es gibt immer wieder Entdeckungen, die Spuren hinterlassen. Zu ihnen zählt Jonas Jonassons „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. 2009 in Schweden erschienen und 2011 ins Deutsche übersetzt, entwickelte sich der schwedische Roman zum weltweiten Bestseller, nach dem Urteil des Norddeutschen Rundfunks irgendwo mit viel Sprachwitz zwischen Roadmovie und Schelmenroman angesiedelt, während die Feuilleton-Autorin einer großen süddeutschen Zeitung vor allem überschäumende Fantasie des Autors und abstruse Konstellationen zum Erfolgsgeheimnis des unterhaltsamen Buches erklärte.

Was hat das mit der Natur, Naturschutz, einer Natur-Kolumne oder einem Natur-Lesebuch zu tun? Bundes-, Landesnaturschutzgesetz, Naturschutzgebietsausweisungen lesen sich sicher nicht so unterhaltsam wie ein mit viel Sprachwitz geschriebener Roman. Da studiert sich zum Beispiel ein Samenkatalog für Jagd, Forst und Garten anregender: Rehwild-Eintopf, Hasenapotheke, Wildacker-Stammtisch. Mittlerweile haben Gesetzgeber dieses erkannt und schmücken ihre Produkte mit fantasiereichen Namen („Gute-Kita-Gesetz“).

Trotzdem muss der dahinter verborgene Sachverhalt juristisch einwandfrei dargelegt werden. Auch wenn entsprechende Texte ein durchaus abendfüllendes Programm versprechen, ist nicht mit bestsellermäßiger Begeisterung zu rechnen, eher mit Pflichtgefühl, Entsprechendes abzuarbeiten. Dabei lohnt sich beispielsweise das Studium von Schutzgebietsverordnungen aus der Anfangszeit gesetzlicher Vorgaben zum Schutze der Natur, zeigen doch gerade diese frühen Verordnungen, dass nichts so beständig ist wie der Wandel.

1937 wurden im damaligen Kreis Bremervörde eine Reihe von Gebieten mit Bäumen, Baumgruppen und Gebüschen an der Reichsautobahn als Landschaftsbestandteile unter Schutz gestellt. Dazu zählten eine Baumreihe mit acht Birken in der Gemeinde Hatzte und zahlreiche Birken, beziehungsweise Birkengruppen bei Gyhum. Es erstaunt, warum Birken, forstwirtschaftlich eher als „Unkraut“ angesehen und wenig langlebig, durch Verordnung vor Zerstörung bewahrt werden sollten. Es ist aus heutiger Sicht nicht verwunderlich, dass es die ehemals geschützten Landschaftsbestandteile nicht mehr gibt, da die Autobahn mittlerweile von vier auf sechs Spuren erweitert wurde. Außerdem wäre es schon sehr erstaunlich, wenn sich in den seit damals vergangenen 80 Jahren Birken in der Nähe einer viel befahrenen Autobahn überhaupt erhalten hätten, denn hundertjährige Birken sind selbst unter optimalen Bedingungen absolute Ausnahmen.

Ganz im Gegensatz zu Birken erreichen Eichen leichter ein hohes Alter. Gerade sie prägen Landschaftsbilder, vor allem als einzeln stehender Baum. Bei Westerholz gibt es dafür ein eindrucksvolles Beispiel auf dem Bullerberg, ein geschütztes Naturdenkmal mit der Bezeichnung ND 060. Der Baum fällt schon von weitem auf. Wer die Rotenburger Nordumgehung Richtung Scheeßel an der zweiten Abfahrt verlässt und weiter nach Westerholz fährt, achte auf die Rechtskurve nach etwa zwei Kilometern. Bis zum Ort zweigen danach rechts drei befestigte Wege ab. Bitte den dritten nehmen und auf den Bullerberg fahren, einem markanten Geestrücken zwischen Wümmeniederung und Borchelmoor. Der Weg endet an einem T-Stück.

Hier nach links abbiegen. Nach 500 Metern erhebt sich auf der rechten Seite die Napoleonseiche, eine sehr schön gewachsene, alte Traubeneiche mit herrlichem Weitblick, der nicht nur Hundertjährige zu Sprachwitz und Unterhaltsamem inspiriert.

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