Xella-Mitarbeiter für zwei Stunden im Warnstreik - Von Henning Leeske

„Das ist eine Lachnummer“

Die Xella-Mitarbeiter legten am Donnerstagmittag für zwei Stunden ihre Arbeit nieder u2013 scheitern die nächsten Verhandlungen, sollen weitere Streiks folgen.
 ©Foto: Henning Leeske

Rotenburg. Im Rotenburger Xella-Werk (Ytong) ging am Donnerstag für zwei Stunden gar nichts. Die IG Bau hatte zum Warnstreik aufgerufen – 80 Arbeiter und Angestellte legten daraufhin ihre Arbeit nieder, um den Forderungen ihrer Gewerkschaftsvertreter Nachdruck zu verleihen. „Was die Arbeitgeber bisher geboten haben, ist doch eine Lachnummer“, sagte Holger Vermeer vom Bundesvorstand der Gewerkschaft IG Bau, zuständig für die Baustoffindustrie. Er ist direkter Teilnehmer der Tarifverhandlungen und erklärte, wie festgefahren die Verhandlungen nach den drei bisherigen Runden seien.

„Zwei Stunden Warnstreik– wir können aber auch acht Stunden oder gleich fünf mal acht“, drohte der Gewerkschaftsfunktionär aus Frankfurt. Denn die Gewerkschaft sei in der Baustoffindustrie gut organisiert und könne den Arbeitgebern „richtig wehtun“, falls sie sich nicht bewegen in den Verhandlungen.

Bisher bieten die Arbeitgeber für die Branche in ganz Norddeutschland 2,4 Prozent plus, die Vertreter der Arbeitnehmer fordern jedoch deutlich mehr: 6,8 Prozent Lohnerhöhung, um die sparsamen Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre anzupassen.

Der Regionalleiter der IG Bau, Christian Wechselbaum, erläuterte die Forderungen: „Es geht der Branche sehr gut. Wir leiden unter massiver Personalknappheit und alle müssen zurzeit unglaublich viel arbeiten, um die Aufträge überhaupt zu schaffen.“

Dass auch das Ytong-Werk momentan viel Arbeit hat, zeigte sich auch darin, dass die Schlange der wartenden Lastwagen vor dem Ytong-Werk zum Ende des Warnstreiks hin bis zur Abfahrt des Gewerbegebiets Hohenesch reichte.

Außer den unmittelbaren Lohnsteigerungen fordern die Arbeitnehmer auch die Erhöhung der Jahressondervergütung (JSV), die seit 2005 auf dem damaligen Niveau eingefroren sei. „Da bieten die Arbeitgeber auch nur 2,4 Prozent. Das sind für die allermeisten hier nur 50 Euro Brutto, was dann Netto übrig bleibt, weiß jeder. Das ist einfach lächerlich“, wurde Vermeer deutlich bei seiner Ansprache an die Kollegen.

Nach 15 Jahren Stillstand in dieser Frage sei das viel zu wenig, weil dort ein deutlicher stufenweiser Anstieg auf das aktuelle Lohnlevel gefordert wird. „Unsere Arbeitgeber verdienen momentan richtig gutes Geld, und von dem Erfolg müssen wir auch etwas haben“, forderte Vermeer.

Er gehört zu den Gewerkschaftsvertretern, die den Tarifabschluss für ganz Norddeutschland aushandeln. Von den bisherigen Ergebnissen zeigte er sich aber enttäuscht. „Auch nach Zwölf-Augen- und Acht-Augen-Gesprächen hat sich die Gegenseite leider keinen Millimeter bewegt. Deswegen müssen wir mit dem Warnstreik zeigen, wohin dieser Weg führt“, so Vermeer. Und weiter: „Wenn die Gegenseite dann von Zementpreisen in Schleswig-Holstein berichtet, die die höchsten im ganzen Weltall seien, fühlt man sich gar nicht Ernst genommen.“

Am 5. Dezember steht der nächste Verhandlungstermin an, und dann erwarten die Gewerkschafter nach eigener Aussage ein realistisches Angebot, „weil sonst der Weg zu dauerhaften Streiks über mehrere Tage nicht mehr weit ist, um die Arbeitgeber aufzuwecken. Auch, weil wir hier nächstes Jahr nicht wieder stehen wollen, wenn es um die nächste Stufe bei der JSV geht“, erklärte Vermeer.

Nach Auskunft der Gewerkschafter sei die Friedenspflicht vorbei und der Gewerkschaftsvorstand könne jederzeit weitere Streiks beschließen.

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