Wunschbox: Inge Janßen ist schwer an Lungenkrebs erkrankt, ihr Traum: mit Delfinen schwimmen - Von Dennis Bartz

„Zeit, die mir noch bleibt“

Inge Janßen (Bildmitte) ist schwer an Lungenkrebs erkrankt. Ihre Tochter Nicole Simon und Enkel Noah wollen ihren größten Traum erfüllen: Die 57-Jährige möchte einmal mit Delfinen schwimmen.
 ©Foto: Dennis Bartz

Rotenburg/Neuenkirchen. „Ich will leben – in der kurzen Zeit, die mir jetzt noch bleibt“, sagt Inge Janßen trotzig. Die 57-Jährige ist an Lungenkrebs erkrankt. Monate, womöglich nur noch Wochen verbleiben ihr. Doch deswegen gibt die Altenpflegerin aus Neuenkirchen den Lebensmut nicht auf. Für die gebürtige Visselhövederin zählt jeder Moment. „Ich habe Freude an den kleinen Dingen und genieße die Zeit mit meiner Familie, vor allem die Stunden mit meinem Enkel Noah – er ist mein kleiner Stern.“ Janßens Tochter Nicole Simon aus Rotenburg hat sich an die Wunschbox-Redaktion der Rundschau gewandt, weil sie ihrer Mutter einen Lebenstraum erfüllen möchte und dabei auf die Unterstützung der Rundschau-Leser hofft: „Sie will einmal mit Delfinen schwimmen. Leider fehlt uns das Geld, um ihr das selbst zu ermöglichen.“

Als die Familie im vergangenen Dezember zusammen Weihnachten feierte, ahnte keiner von ihnen, dass 2018 ein schweres Jahr werden würde. „Nach dem Essen ging es mir nicht so gut. Ich dachte aber zunächst, es läge womöglich nur daran, dass ich die Gans nicht vertragen habe“, erinnert sich Janßen, die seit Jahren mit den Folgen weiterer Erkrankungen zu kämpfen hat: Sie hat Rheuma, ihr Immunsystem ist geschwächt und sie hat eine künstliche Bandscheibe. Schmerzen sind ihr täglicher Begleiter. Mit Morphium versucht sie, diese zu betäuben.

Als die neuen Beschwerden Anfang Januar noch immer nicht vollständig abgeklungen waren, ging sie zum Arzt. Der vermutete, dass etwas mit ihrer Galle nicht stimmen könnte. „Im März dieses Jahres musste mir das Organ tatsächlich entfernt werden“, berichtet Janßen, die nach den Eingriff aber noch nicht beschwerdefrei war. Sie bekam schlecht Luft und drängte deshalb darauf, in der Klinik genauer untersucht zu werden.

Ihr Verdacht bestätigte sich: Die Ärzte stellten Veränderungen in der Lunge, dazu in der Brust, in den Lymphknoten und in der Nase fest – Krebs. „Bereits 40 Bestrahlungen habe ich bisher bekommen, um die Tumore in der Lunge und in den Lymphknoten einzukapseln, dazu Chemotherapie. Die Speise- und Luftröhre sind seitdem beschädigt, die Haut an vielen Stellen kaputt“, sagt Janßen.

Eine zunächst geplante Operation, große Hoffnung für die gesamte Familie, musste abgesagt werden. Es stellte sich heraus, dass diese zu gefährlich ist, weil der Tumor, der entfernt werden sollte, zu nahe an der Arterie ist. „Die Ärzte wollten dieses Risiko nicht eingehen und rieten mir deshalb davon ab“, erinnert sich Janßen, die sich zunächst wie erschlagen fühlte.

Sie redet leise, aber kraftvoll und lacht gerne. Dabei ist ihr Körper geschwächt, Wassereinlagerungen belasten sie zusätzlich. „Ich muss jetzt dringend zur Ruhe kommen. Ich bin seit Januar fast durchgehend im Krankenhaus – immer wieder raus und rein, raus und wieder rein. Das hat viel Kraft gekostet.“ Im Dezember stehen drei weitere Chemo-Behandlungen an. „Aber dann nehme ich mir eine Auszeit.“

Janßen möchte nicht bis zum letzten Tag gegen den Krebs kämpfen, sondern in der Zeit, die ihr noch bleibt, möglichst fit sein. „Ich will leben – für meinen Enkel und für meine beiden Kinder. Sie wissen, dass ich eine starke Frau bin“, sagt sie. Das bestätigt Tochter Nicole, die ihrer Mutter in der verbleibenden Zeit mehr Lebensqualität wünscht. „Sie war zuletzt an fünf Tagen in der Woche im Krankenhaus. Das quält sie.“

Die 40-Jährige ist sich bewusst, dass das Delfin-Schwimmen den Krebs nicht besiegen und das Leben ihrer Mutter nicht deutlich verlängern kann. „Aber es wäre ein unvergessliches Erlebnis für sie. Seit 20 Jahren hat meine Mutter ein Delfin-Tattoo. Am liebsten würde sie Noah mitnehmen. Aber leider ist das Schwimmen mit den wundervollen Tieren nur im Ausland möglich und sehr teuer.“ Etwa 3.000 bis 4.000 Euro sind dafür fällig, schätzt sie – eine Summe, die die an Krebs erkrankte Frührentnerin nicht aufbringen kann.

Tochter Nicole hofft deshalb darauf, dass sich womöglich ein Unternehmen oder privater Spender findet. „Ich weiß, dass das sehr viel Geld ist. Wenn ich es selbst irgendwie aufbringen könnte, würde ich es ihr ermöglichen. Wir geben dazu, so viel wir können“, verspricht Simon, die Erzieherin bei den Rotenburger Werken ist. Sie bewundert ihre Mutter dafür, wie sie die Erkrankung meistert.

Denn diese kämpfe zwar täglich rund um die Uhr mit den Folgen der Erkrankung, an der sie eines Tages sterben wird. Trotzdem blicke sie positiv aufs Leben. „Das stimmt. Ich hoffe, dass mehr Menschen den Blick auf das Wesentliche richten. Ich sehe so viele schöne Dinge, die mir vorher nie aufgefallen waren. Ich genieße Kleinigkeiten – die erste Tasse Kaffee auf meiner Terrasse, den Blick in die Natur. Ich frage mich: Muss man erst so einen Schicksalsschlag bekommen, um das Leben zu schätzen? Es ist doch Wahnsinn, dass so etwas nötig ist, um zu kapieren, wie schön wir es hier haben.“

Ihre Einstellung färbt auf die gesamte Familie ab, berichtet Tochter Nicole: „Wir wissen jetzt: Wir haben nicht alle Zeit der Welt und sollten diese mit Menschen verbringen, die uns am Herzen liegen.“ Das gilt natürlich auch für das nahende Weihnachtsfest, das die Familie zusammen feiern will.

Janßen bedankt sich dafür, dass sie in den vergangenen Wochen viel Zuspruch und Unterstützung erfahren hat: „Leute, die mich gar nicht kennen, haben mich umarmt, als sie gemerkt haben, dass ich schwer krank bin. Eine Nachbarin schleppt Wasser für mich, eine andere hat einen Teller Kekse vor die Tür gestellt und ein Nachbar bringt mir jeden Morgen ein frisches Brötchen. Ist das nicht toll?“

Zu ihrem Enkel Noah hat sie ein sehr enges Verhältnis. Der achtjährige Grundschüler weiß noch nicht, wie ernst es um seine Oma steht. Die Erkrankung beschäftigt ihn trotzdem sehr. Nachdem er die Kerzen auf seiner Geburtstagstorte ausgeblasen hatte, verriet er seiner Mutter vor dem Zubettgehen im Vertrauen, was er sich gewünscht hatte: Dass es seiner Oma bald endlich wieder besser geht.

• Wer helfen möchte, Inge Janßen den Traum vom Delfinschwimmen zu erfüllen, schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Delfine“ und den Kontaktdaten an die Adresse wunschbox@rotenburger-rundschau.de.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
 04261 / 72 -430
 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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