Wunschbox: Inge Janßen geht im Juni mit Delfinen schwimmen / Leser spenden 1.105 Euro - Von Dennis Bartz

Im Landeanflug auf Malta

Hündin Amy bleibt zu Hause, wenn Inge Janßen mit Tochter Nicole Simon und Enkel Noah am 5. Juni zum Delfinschwimmen nach Malta fliegen.
 ©Foto: Dennis Bartz

Rotenburg. „Bekommst Du damit alles, was Du willst, Oma?“, fragt Noah beeindruckt, als er seine Großmutter im Krankenhaus besucht und ihr Patientenarmband entdeckt. Der Achtjährige erinnert sich noch genau an seinen Urlaub im Jahr zuvor, als er mit seinem All-inclusive-Bändchen so viel Eis und Getränke im Hotel bestellen konnte, wie er wollte. „Leider ist das hier nicht ganz so, mein Stern“, sagt Inge Janßen, lacht und nimmt ihren Enkel in den Arm. Es sind Momente wie dieser, die den ansonsten zähen und kraftraubenden Krankenhausalltag für die unheilbar an Lungenkrebs erkrankte 58-Jährige aus Schneverdingen erträglich machen.

Seit ein paar Tagen ist sie wieder zu Hause. Aber bald packt sie erneut den Koffer, der bei jedem Klinikaufenthalt ihr Begleiter war – dieses Mal sind darin sommerliche Kleidung und Bademode anstatt praktischer Wechselwäsche. Ihr Ziel ist die Ferieninsel Malta, wo sie mit Delfinen schwimmen wird. Möglich machen das die Rundschau-Leser, die im Rahmen der Wunschbox-Aktion in der Vorweihnachtszeit 1.105 Euro spendeten. Auch die Rundschau beteiligt sich finanziell an der Reise. Die Restkosten und die gesamte Planung übernehmen die Mitarbeiter der gemeinnützigen Gesellschaft Flugkraft, die Inge Janßen zu Weihnachten ein persönliches Kraft-Paket schickten. „Was die wunderbaren Menschen dort leisten, ist unglaublich“, zeigt sich Inge Janßen gerührt.

Wenige Tage vor Beginn der Reise besucht die Rundschau sie ein weiteres Mal. Nach ihrer Chemotherapie trägt sie nun eine moderne Kurzhaarfrisur. „Bevor der ganze Mist angefangen hat, hatte ich deutlich längere Haare, aber so gefällt es mir auch. Ich muss immerhin kein Tuch mehr tragen.“

Die Altenpflegerin, die aufgrund ihrer Erkrankung längst nicht mehr im Dienst ist, zählt bereits die Tage, bis ihre Reise startet. Nur noch 18 sind es, rechnet sie vor. „Ich habe mir in dieser Woche schon Sonnenmilch gekauft. Lichtschutzfaktor 50 – durch die Behandlung ist meine Haut extrem empfindlich geworden.“

Seit dem vorangegangenen Besuch der Rundschau Ende November war sie länger in der Klinik als zu Hause. „Die Vorfreude auf die Reise hat mir in dieser Zeit sehr geholfen und Kraft geschenkt, trotz all der Hiobsbotschaften“, sagt sie.

Der Gesundheitszustand der 58-Jährigen hat sich in den vergangenen Monaten noch einmal verschlechtert. Trotz Chemotherapie und Bestrahlung hat der Krebs weitere Metastasen gebildet, die fünf Wirbel befallen haben. „Sie sind gebrochen und sollen mit Zement stabilisiert werden“, berichtet Janßen von den Plänen der Ärzte. Nur mit hoch dosiertem Morphium erträgt sie die Schmerzen, die ihr mal mehr, mal weniger zu schaffen machen. „Einem letzten Eingriff stimme ich vielleicht noch zu“, sagt sie.

Während des vergangenen mehrwöchigen Krankenhausaufenthalts hat sie eine schwerwiegende Entscheidung getroffen: „Ich werde keine weitere Chemotherapie machen“, sagt sie und erklärt, warum: „Ich habe jetzt genug ertragen und möchte die wenige Zeit, die mir noch bleibt, mit meiner Familie genießen. Ich denke im Moment nur noch an den Urlaub, das zählt.“

Am Mittwoch, 5. Juni, um 11.10 Uhr, startet ihre Maschine vom Hamburger Flughafen aus in Richtung Malta. Mit an Bord sind dann auch Enkel Noah und Tochter Nicole Simon. Die Erzieherin aus Rotenburg hatte sich in der Vorweihnachtszeit an die Rundschau-Redaktion gewandt. „Ich möchte meiner Mutter ihren letzten großen Traum erfüllen. Sie will einmal im Leben mit Delfinen schwimmen“, berichtete die 41-Jährige damals.

Aber ist ihre Mutter überhaupt noch dazu in der Lage, die Reise anzutreten? Oder sind die Strapazen womöglich zu groß? Es sind Fragen wie diese, über die die Familie lange gesprochen hat. Schlussendlich stand fest: „Ich werde diese Reise machen“, sagt Inge Janßen und haut trotzig mit der Hand auf den Tisch.

Sie ignoriert damit den Rat einer behandelnden Ärztin, die sie vor den Risiken warnt. „Eine andere hat mir dafür gut zugesprochen und Mut gemacht. Sie hat mir gesagt, dass ich die Reise unbedingt machen soll“, sagt Inge Janßen und fragt: „Was soll mir dort schon passieren, was zu Hause nicht passieren kann? Es ist für mich die letzte Chance, mir diesen großen Traum zu erfüllen.“

Freunde und Familie unterstützen sie bei ihren Plänen. Sohn Mark (40) hat sogar beschlossen, die Reise mit anzutreten („Das macht es perfekt“). Er hat auf eigene Kosten ein Hotel in der Nähe gebucht und nimmt einen späteren Flieger.

Nach fast drei Stunden Flugzeit, um 14.05 Uhr, wird die Maschine von Inge Janßen, Nicole Simon und Noah auf Malta landen. Danach hat die 58-Jährige einen Tag Zeit, um sich zu erholen, ehe sie am 7. Juni am Hotel abgeholt und zum Marina Park gebracht wird. Dort wird sie mit Enkel Noah und Tochter Nicole dann bereits erwartet. „Noah wird das Delfinschwimmen mit seiner Oma immer in Erinnerung behalten“, ist sich Inge Janßen sicher.

Bis zum 9. Juni übernachtet die Familie im Hotel Seashell Resort at Suncrest auf Malta. Verpflegung: all inclusive. Ganz zur Freude von Noah, denn der bekommt dann sicher wieder ein Bändchen und kann so viel Eis bestellen, wie er möchte.

• Die Rundschau und die gemeinnützige Gesellschaft Flugkraft suchen weiterhin Spender. Interessierte überweisen direkt an Flugkraft (IBAN: DE56 2806 9052 0227 1010 03 bei der Raiffeisenbank Strücklingen-Idafehn eG). Spender, die ihre vollständige Adresse angeben, erhalten eine Spendenquittung. Weitere Informationen über Flugkraft gibt es auf der Internetseite www.flugkraft.de. Auch in dieser Jahr erfüllt die Rundschau mit Hilfe der Leser besondere Wünsche, Bewerbungen per E-Mail an wunschbox@rotenburger-rundschau.de. Die Vorstellung ist in der Adventszeit.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
 04261 / 72 -430
 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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