Wunschbox-Aktion: 66-Jährige möchte Schimpansen treffen - Von Dennis Bartz

„Rosi kämpft jeden Tag“

Rosi Holzer-Flatow vergisst beim Stricken und Häkeln ihre Sorgen.
 ©Foto: Dennis Bartz

Landkreis Rotenburg. „Die Liste ihrer guten Taten ist endlos. Rosi betreute beispielsweise einen ehemaligen Nachbarn, der im Sterben lag. Sie kämpft außerdem jeden Tag für ihre Familie“, schreibt Leserin Birgit Strahmann-Cordes über ihre Freundin Rosi Holzer-Flatow in einem Brief, mit dem sie sich an der Wunschbox-Aktion der Rotenburger Rundschau beteiligt. Sie möchte der 66-Jährigen, die es im Leben selbst oft schwer hatte und trotzdem immer für andere da ist, einen großen Herzenswunsch erfüllen und hofft auf die Unterstützung der Rundschau-Leser: „Rosi schwärmt für Schimpansen und möchte hinter die Kulissen eines Zoos schauen. Vielleicht hat jemand Kontakt zu einem Tierpark und kann helfen.“

Die Redaktion der Rundschau will mehr über Holzer-Flatow erfahren und besucht sie in ihrer Drei-Zimmer-Wohnung in Westerholz. Sie ist erst wenige Tage zuvor dort eingezogen. „Ich bin noch längst nicht fertig“, entschuldigt sie sich an der Haustür und führt in ihr Wohnzimmer, das weihnachtlich geschmückt ist. Auf dem Tisch liegen Nadeln und Wolle.

Holzer-Flatow strickt abends gerne Socken in den Farben verschiedener Bundesliga-Vereine („Ich schaffe jeden Tag einen.“) und häkelt Kuscheltiere sowie Puppen, die sie dann auf verschiedenen Märkten verkauft. Am Samstag ist sie beispielsweise mit ihrem Stand auf dem Weihnachtsbasar der Rotenburger Werke. „Das macht mir Spaß und lenkt von Problemen ab“, erklärt die Rentnerin, die nach einer Knie-Operation und wegen eines Hüftleidens mit starken Schmerzen lebt.

Ihr schönes, 200 Quadratmeter großes Haus zu verlassen, in dem sie viele Jahre mit ihrem Mann und ihren sechs Kindern gelebt hatte, sei ihr sehr schwer gefallen. Schließlich hängen vor allem sehr viele schöne Erinnerungen daran. Andere, schmerzhafte sind es aber, die es ihr inzwischen unmöglich machen, dort je wieder zu wohnen. Denn im vergangenen Sommer, an einem schönen Augusttag, ausgerechnet am Geburtstag ihrer jüngsten Tochter, findet sie ihren Mann Bernd frühmorgens tot in seinem Rollstuhl. „Das war schrecklich.“

Einige Tage später wird ihr bewusst: Das Haus kann sie alleine nicht tragen und der Gedanke, an dem Zimmer vorbeilaufen zu müssen, „in dem es passiert ist“, ist für sie unerträglich.

Bereits Holzer-Flatows Start ins Leben ist so, wie man es keinem Baby wünscht: Weil sie ein Mündel, also ein uneheliches Kind ist, entreißen die Behörden sie ihrer Mutter kurz nach der Geburt und bringen sie in den Anstalten, wie die Rotenburger Werke früher hießen, unter. Es ist ein Abschied ohne Wiedersehen: „Ich habe sie später gesucht, aber da war es zu spät. Sie ist früh gestorben.“

Holzer-Flatow arbeitet mit 16 Jahren auf dem Land und macht danach eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin bei den Rotenburger Werken, wo sie 20 Jahre arbeitet. Sie bringt in dieser Zeit ihre sechs Kinder zur Welt – und bleibt berufstätig. „Nur während des Mutterschutzes war ich zu Hause. Es gab eine Krippe in den Werken und ich wollte nicht auf das Amt angewiesen sein.“ Später arbeitet Holzer-Flatow als Altenpflegehelferin – muss dies aber aufgeben: „Ich entwickelte eine Allergie gegen Formaldehyd. Mein Gesicht und Hals waren verbrannt.“ Sie erhält Berufsverbot.

Mit Anfang 50 in Rente zu gehen, ist für sie keine Option. Sie macht ihren Führerschein und fährt zwölf Jahre lang morgens und abends behinderte Kinder für ein Scheeßeler Taxiunternehmen. „Leider lässt es mein Knie kaum noch zu, in den Bus zu steigen. Darum fahre ich selten.“

Besonders stolz ist Holzer-Flatow auf ihre Familie, die nach dem Tod des Vaters einen großen Zusammenhalt beweist – und weiter wächst. Vor drei Wochen kommt Jannis, ihr siebtes Enkelkind, zur Welt. Im Sommer 2018 heiratet Tochter Carina: „Das freut mich besonders, weil sie schwer an Krebs erkrankt war. Ich habe mir drei Jahre Sorgen um sie gemacht. Es war eine harte Zeit – aber die ist zum Glück vorbei. Sie ist tumorfrei.“ Mit Carina teilt sie die Liebe zu Tieren, besonders aber zu Schimpansen.

Wer auch einem Menschen einen Herzenswunsch erfüllen will, der steckt den Coupon auf Seite 13 der aktuellen Rundschau-Ausgabe in die Wunschbox im Pressehaus, schreibt eine E-Mail an wunschbox@rotenburger-rundschau.de oder schickt den ausgefüllten Coupon an die Adresse Rotenburger Rundschau, Betreff: Wunschbox, Große Straße 37 in 27356 Rotenburg. Einsendeschluss ist der 18. Dezember. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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